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Microsoft weist Erpressungsvorwürfe zurück

17.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat Berichte zurückgewiesen, wonach der Softwarekonzern der dänischen Regierung damit gedroht habe, Arbeitsplätze aus dem Land abzuziehen, sollten sich die Politiker gegen die EU-weite Initiative für restriktivere Patentregeln sträuben. Das Finanzblatt "Borsen" aus Kopenhagen hatte vor wenigen Tagen berichtet, Microsoft-Chef Bill Gates habe im vergangenen November in einem Gespräch mit dem dänischen Premierminister Anders Rasmussen rund 800 Arbeitsplätze seines Bereichs Microsoft Business Solutions in Frage gestellt, der in Europa im wesentlichen auf der 2002 getätigten Akquisition des dänischen Softwareanbieters Navision beruht.

"Wenn ich mein Entwicklungszentrum in Dänemark halte, dann ist die Lösung der Patentrechtsfragen eine Grundvoraussetzung dafür. Andernfalls werde ich das Zentrum in die USA verlagern, wo ich meine Rechte schützen kann", zitiert das dänische Blatt den Microsoft-Gründer. Der Softwarekonzern will von den Drohungen nichts wissen. "Entgegen den Medienberichten sei nicht geplant, das Entwicklungszentrum im dänischen Vaedbek zu schließen", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme des weltgrößten Softwareherstellers.

Der erst kürzlich wieder gewählte Rasmussen wollte das erst jetzt bekannt gewordenen Gespräch nicht kommentieren. Dagegen fordert die Opposition, der Einflussnahme von Seiten der Wirtschaftsunternehmen entschiedener entgegen zutreten. "Dänische Politik dürfe nicht von Firmen diktiert werden, egal wie groß diese seien", sagte Thomas Adelskov, Sprecher der Sozialdemokratischen Partei.

Angesichts der seit Jahren schwelenden Debatte in verschiedenen EU-Gremien um schärfere Patentregelungen für Software scheinen betroffene Unternehmen derzeit ihre Lobbyarbeit zu verstärken. Offenbar sehen die Anbieter aufgrund des Rückenwinds für Open-Source-Produkte allmählich ihre Felle davonschwimmen. So soll beispielsweise Philips laut einem Bericht der niederländischen Tageszeitung "Algemeen Dagblad" im vergangenen Sommer damit gedroht haben, Arbeitsplätze in Billiglohnländer zu verlagern, sollte die Europäische Union nicht in der Lage sein, Softwarepatente im Sinne der Hersteller zu schützen. Auch in Polen sollen IT-Unternehmen Medienberichten zufolge die Regierung unter Druck gesetzt haben. Firmen wie Alcatel, Nokia und Siemens hätten demnach in einem Brief an Ministerpräsidenten Marek Bleka Investitionen in Frage gestellt, falls sich die Regierung weiterhin gegen schärfere Patentregeln sperre. (ba)