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Microsoft versucht sich erneut im Smartphone-Markt

15.09.2003
Microsoft bringt gemeinsam mit Motorola ein neues Smartphone heraus, das Debitel hierzulande vertreibt. Allerdings fehlen dem Gerät wichtige Features wie Java, Bluetooth oder eine integrierte Kamera.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Gemeinsam mit dem neuen Partner Motorola unternimmt Microsoft einen neuen Anlauf im europäischen Handymarkt. Beide Unternehmen kündigen heute an, dass Motorolas neues Mobiltelefon "MPx200" ab Oktober von AT&T Wireless in den USA und von Orange in Europa vermarktet wird. Hierzulande will Debitel das Gerät anbieten; damit kommt erstmals ein Handy mit Microsoft-Betriebssystem auf den deutschen Markt. In Großbritannien wird das Smartphone mit Vertrag rund 240 Pfund (umgerechnet 382 Dollar) kosten.

Das MPx200 von Motorola in der von AT&T gebrandeten Variante.
Das MPx200 von Motorola in der von AT&T gebrandeten Variante.

Das MPx200 läuft unter einer geringfügig veränderten Version des Microsoft-Betriebssystems "Windows Mobile 2002". Dies beherrscht unter anderem das gleichzeitige Löschen mehrerer E-Mails und enthält einen neuen MMS-Client (Multimedia Messaging Service) sowie weitere Anwendungen wie eine SIM-Karten-Verwaltung, einen Task-Manager, einen "Space Maker" zur Speicheroptimierung und eine Reihe von Spielen. Dank Verwendung eines 200 Megahertz schnellen "OMAP"-Prozessors von TI soll das Motorola-Handy deutlich schneller arbeiten als die bisher von Orange vertriebenen "SPV"-Handys mit Windows Mobile 2002, die von HTC in Taiwan gefertigt und nach Angaben des Carriers rund 100.000 verkauft wurden.

Das MPx200 verwendet ein so genanntes Clamshell-Design. Es misst 48 x 89 x 27 Millimeter und enthält einen SD-Kartensteckplatz (ein 32-MB-Kärtchen wird mitgeliefert). Es arbeitet mit Triband-Technik und GSM/GPRS. Laut Hersteller schafft das Gerät fünf Stunden Gesprächszeit und fünf Tage Standby. Smartphone-Fans werden beim Vergleich mit konkurrierenden Geräten allerdings wichtige Features wie Java (J2ME) und vor allem Bluetooth vermissen. Diese wurden laut Alan Buddendeck, Director of Global Business and Financial Communications bei Motorola, zugunsten einer kürzeren Time to Market zurückgestellt. Auch eine integrierte Kamera sucht man vergebens, zumindest als Ansteckzubehör ist aber eine zu haben. Übrigens: Laut "Computerwire" orientiert sich das MPx200 stark am "Beethoven"-Design des taiwanischen ODM (Original Design Manufacturer) Chi Mei Communication Systems.

Motorola und Microsoft werden nach Aussagen von Amer Husaini, Vice President und Director of Product Operations für Motorola EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika), gemeinsam weitere Smartphones und Pocket-PC-Produkte entwickeln, darunter einen PDA. Diese sollen international vermarktet werden, sobald entsprechende Partnerschaften mit Netzbetreibern unter Dach und Fach sind. Ob Microsoft, das sich seit geraumer Zeit auch im Handymarkt durchzusetzen versucht, mit dem neuen Kooperationspartner erfolgreicher sein wird, muss sich zeigen. Zumindest an den finanziellen Ressourcen wird das Engagement des Redmonder Konzerns nicht scheitern, der sich mit zuletzt 49 Milliarden Dollar auf dem Konto einen langen Atem leisten kann und in dessen .Net-Strategie Smartphones eine wichtige Rolle spielen.

Der Markt für Smartphones wird gegenwärtig vom Symbian-Konsortium beherrscht, dessen Betriebssystem auf Basis der früheren Psion-Handheldsoftware entwickelt wurde. An Symbian, das unter anderem gegründet wurde, um ein weiteres Microsoft-Monopol zu verhindern, sind die führenden Mobilfunkfirmen Ericsson, Nokia, Panasonic, Psion, Samsung Electronics, Siemens und Sony Ericsson beteiligt. Motorola hatte seinen Anteil unlängst an Nokia abgetreten, bleibt aber Lizenznehmer und will auch weiterhin Symbian-OS-basierende Geräte entwickeln und anbieten (Computerwoche online berichtete). (tc)