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Microsoft verseucht Top-Supportkunden mit Virus

26.04.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Böse Falle, Microsoft: Die Gates-Company hat versehentlich teuer zahlende Kunden ihrer "Premier"- und "Gold"-Support-Programme mit dem gefährlichen "Funlove"-Virus infiziert. Dieses hatte sich verbotenerweise auf einem der Support-Server eingenistet, auf denen der Konzern rund 30.000 Updates und Bugfixes bereitstellt. "Unser Unternehmensstandard sieht eigentlich vor, dass jeder Server mit Geschäftsfunktion mit Antivirensoftware bestückt ist", druckste der zuständige Produkt-Manager Kurt Powers. "Einer in der Kette hatte aber leider keine." Die Infektion der Maschine geschah nach Angaben von Microsoft am 19. April und blieb rund einen Tag lang unentdeckt, bevor die Maschine dann am 20. April abgeschaltet wurde. In diesem Zeitraum wurde 170 Dateien von dem System heruntergeladen. "Das Ausmaß ist begrenzt", wiegelt Powers ab. "Wir wissen genau, wann die Infektion geschah." Betroffen sind

offenbar 26 Unternehmen, um die sich Microsoft nun einzeln kümmert. Ob sich der Schädling auch innerhalb des eigenen Firmennetzes verbreiten konnte, wollte der Microsoft-Mann nicht kommentieren. "Wir haben jeden Server und alle damit verbundenen Arbeitsplatzrechner überprüft", so Powers.

Das Funlove-Virus wurde im November 1999 entdeckt. Es tarnt sich als Systemprogramm und infiziert alle Desktop-Windows-Varianten ab 95 sowie NT-Server. Es vermag sich über Netzwerke auszubreiten, sobald Festplatten gemeinsam genutzt werden. Seine eigentliche Schadwirkung ist aber weniger gefährlich als die Kratzer, die Microsofts Image erhalten hat. Erst gestern hatte die Gates-Company die Gründung einer weltweiten Service-Einheit bekannt gegeben, um sich künftig verstärkt Unternehmen als geeigneter Dienstleister anzudienen (Computerwoche online berichtete).