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Microsoft verschiebt seine CRM-Software

19.12.2002
Microsofts für Ende des Jahres angekündigte CRM-Software erscheint erst Anfang 2003. Die internationale Version verschiebt sich ebenfalls, und zwar wohl auf September kommenden Jahres.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft musste gestern öffentlich einräumen, dass seine geplante CRM-Software (Customer Relationship Management) nicht mehr wie zuvor angekündigt noch in diesem Jahr fertig wird oder genauer den RTM-Status (Release to Manufacturing) erreicht. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte gestern, das Produkt genüge den internen Qualitätsstandards noch nicht ausreichend und werde vermutlich "Anfang kommenden Jahres" fertig.

Cheryl Kingstone, Analystin bei der Yankee Group in Boston, vermutet eine noch nicht wie versprochen nahtlose Integration zwischen Front- und Back-end als Ursache der Verschiebung. Bislang habe sich Microsoft auf seinen "Biztalk Server" mit Connection-Lizenzen zur Integration des CRM-Produkts mit der Unternehmenssoftware von Great Plains verlassen. Verbindungen zu anderen Produkten - beispielsweise Solomon - fehlten aber.

Kingstone bemängelt ferner, dass sich MSCRM nur über ein SDK anpassen lasse, und sieht dazu noch Schwächen im Workflow-Bereich. Auch ihr Kollege Bruce Richardson von AMR Research wundert sich nicht über die Verzögerung. "Das ist weit schwerer als man glaubt", erklärte der Experte. "Es wird bei diesem Produkt eine Menge Nachfrage geben, aber es muss schon deutlich mehr sein als ein reines Vertriebsunterstützungs-Tool."

Noch ärgerlicher könnte die Verspätung der internationalen Version ausfallen. Diese verschiebt sich nach Angaben von Produkt-Managerin Holly Holt vermutlich auf September kommenden Jahres - ursprünglich sollte sie im Juni 2003 fertig sein. "Der CRM-Markt in Europa wächst schneller als der in den USA", warnte Erin Kinikin von der Giga Information Group. "Nun sind es noch drei Quartale, in denen Microsoft nicht mit im Spiel ist."

Erstmals angekündigt hatte Microsoft seine CRM-Pläne im Februar dieses Jahres. Eine ersten Blick auf seine Entwicklung gewährte der Hersteller im Juli. In der Demonstration seinerzeit war zu erkennen, dass MSCRM eng mit dem hauseigenen Mail-Client und PIM (Personal Information Management) Outlook verknüpft ist. Preise für die Software beginnen bei 395 Dollar pro Nutzer. Die Professional-Version bietet ab 1295 Dollar pro Nutzer Schnittstellen zur Great Plains Edition. In späteren Releases sollen auch die übrigen Mittelstands-Pakete von Microsoft - Solomon, Axapta und Navision - eingebunden werden.

MSCRM zielt erklärtermaßen auf kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern. In diesem Markt tummeln sich unter anderem "Goldmine" (Frontrange Solutions), "SalesLogix" (Best Software) und gehostete CRM-Produkte von Salesforce.com oder Upshot. Beobachter spekulieren aber bereits, Microsoft werde über kurz oder lang auch in Highend-Markt einsteigen, der gegenwärtig von Anbietern wie Siebel Systems, SAP, Peoplesoft, Epiphany oder Onyx dominiert wird. (tc)