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Microsoft verschärft Anti-Linux-Kampagne

06.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat seine Mitte 2003 gegen Linux gerichtete Kampagne "Get the Facts" um eine weitere Front erweitert. Neben Aspekten wie TCO, Sicherheit und Lizenzrecht eröffnet der weltgrößte Softwareanbieter nun auch mit dem Argument der Zuverlässigkeit das Marketing-Feuer auf die Open-Source-Szene.

Die Zuverlässigkeit ihrer IT-Systeme werde für Anwender immer wichtiger, erläuterte Martin Taylor, General Manager für den Bereich Platform Strategy bei Microsoft. Oft höre man, dass Unix- beziehungsweise Linux-Systeme zuverlässiger arbeiteten als Windows-Umgebungen, beschreibt er die aktuelle Situation.

Um dieser landläufigen Meinung entgegenzuwirken, präsentieren die Microsoft-Verantwortlichen eine Studie, in der "Windows Server 2003" mit Red Hats "Enterprise Linux AS" verglichen wird. Jeweils 18 System-Administratoren aus dem Windows- und dem Linux-Lager sollten über vier Tage vergleichbare Systemumgebungen beobachten - nach Bewertungskriterien wie Ausfallzeiten sowie den Aufwand für Konfiguration und Wartung der Infrastrukturen, erläutert Taylor.

Laut Veritest, das die Untersuchung im Auftrag von Microsoft durchgeführt hat, habe es im Linux-Umfeld um 15 Prozent höhere Ausfallzeiten als bei den Windows-Umgebungen gegeben. Außerdem hätten sich die Windows-Administratoren leichter bei ihren Aufgaben getan sowie weniger Zeit benötigt. Linux-Adminstratoren hätten dagegen vor allem mit Problemen wegen mangelhafter Dokumentation sowie fehlender Integration zu kämpfen gehabt.

Open-Source-Verfechter Bruce Perrins wischt die Argumentation Microsofts für ein zuverlässigeres Windows mit einem einzigen Punkt beiseite: Viren. So finde er an einem einzigen Tag rund 30 Viren in seinem E-Mail-Postfach. Allein das spreche gegen die Zuverlässigkeit von Windows-Systemen. Die Viren kämen von Viren-befallenen Systemen, die die Schädlinge ungebremst über das Netz weiter verbreiteten. Dies sei bei Linux-Umgebungen nicht der Fall.

Auch die Analysten der Yankee-Group relativieren die Microsoft-Propanganda in Sachen Zuverlässigkeit. So habe eine Befragung von über 500 Administratoren ergeben, dass die Kosten für Ausfälle in Windows-Umgebungen rund drei- bis viermal höher liegen als die Aufwendungen für Downtime von Linux-Systemen. Das liege unter anderem daran, dass Windows-basierte Systeme in aller Regel für geschäftskritischere Anwendungen eingesetzt würden als Linux-Infrastrukturen. (ba)