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Microsoft versammelt europäische Politiker zum "Gedankenaustausch"

16.09.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Gestern hat in Rom eine Microsoft-Konferenz begonnen, auf der der Softwaregigant hofft, führende europäische Politiker für die eigene Sache einnehmen zu können. In Europa ist dies das erste Mal, dass Microsoft solch ein Treffen abhält. In den Vereinigten Staaten von Amerika veranstaltet die Gates-Company schon seit fünf Jahren mit hochrangigen Politikern bestückte Konferenzen. Unter den insgesamt 300 Teilnehmern der römischen Veranstaltung erwartet Microsoft auch führende Köpfe wie den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, den ungarischen Erziehungsminister Balint Magyar und weiter rund 50 Minister aus europäischen Ländern. Von Seiten Microsofts wird Chief Executive Officer (CEO) Steve Balmer anwesend sein.

Die Lobbyarbeit kommt nicht ohne Grund zum jetzigen Zeitpunkt. Weltweit kehren insbesondere staatliche Organisationen Microsoft zunehmend den Rücken. München hatte als erste deutsche Millionenstadt vor einigen Monaten die Entscheidung getroffen, tausende PCs auf Linux umzurüsten. Gerade erst haben zudem China, Japan und Südkorea bekanntgegeben, sie würden gemeinsam ein neues Betriebssystem entwickeln, dass auf offenen Standards basiert und in Konkurrenz zu Windows steht. Brasilien wiederum verpflichtet seine Ministerien sowie seine staatlichen Unternehmen und Behörden dazu, auf neuen Computern Open-Source-Software zu installieren.

Das "Wall Street Journal" zitiert allerdings Microsofts für Europa, den Mittleren Osten und Afrika zuständigen CEO Jean-Philippe Courtois mit den Worten, europäische Regierungen würden Open-Source-Software bislang nur "recht begrenzt" einsetzen. Microsoft nimmt den Trend zu offener Software nichtsdestotrotz offensichtlich sehr ernst. Seit dem 1.Juli 2003 gibt es bei dem Unternehmen eigens eingerichtete Teams, die sich ausschließlich um die Beziehungen zu Regierungen kümmern.

Ganz abgesehen von der Open-Source-Thematik sieht sich Microsoft auch noch mit einer Untersuchung durch die Europäische Kommission konfrontiert. Diese will damit den Softwarehersteller zwingen, seine Geschäftsgebaren beim Verkauf von Software zu ändern. Außerdem wollen die europäischen Politiker Microsoft dazu bewegen, seinen Code mehr zu öffnen. (jm)