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Microsoft verdient wenig mit Consumer-Titeln

17.11.2005
Dass Microsoft werbefinanzierte Versionen von Programmen wie der Works Suite erwägt, ist kein Wunder - viel Geld verdient der Konzern mit seinen Consumer-Produkten nämlich nicht.

Der Branchendienst "Cnet" zitiert aus internen Microsoft-Papieren erschreckende Zahlen: Nur ungefähr zwei Dollar erhalte Microsoft zum Beispiel für jede Kopie von "Works", die mit neuen PCs ausgeliefert werde. Die Basisversion von "Money" verspreche nicht einmal den Break-even (sprich: Microsoft zahlt hier drauf), und für "OneNote" musste der Hersteller deftige Rabatte geben, damit PC-Bauer es überhaupt auf ihre Rechner packten.

Und Besserung scheint auch nicht in Sicht. "Die Aussichten für den Market mit Packaged Consumer Retail Software sind schlecht", heißt es in einem internen Strategiepapier von MSN. "Die Größe des Markts nimmt ab, und Verbraucher scheinen weniger als jemals zuvor gewillt, Software aus dem Regal zu kaufen." Im Geschäftsjahr 2004 seien Microsofts Einnahmen mit Packaged Software (Works, Encarta, Bildbearbeitungssoftware und Money) um sieben Prozent gesunken, ein ähnlicher Trend wird für 2005 erwartet.

Angesichts solcher Aussichten erscheint das Vorhaben, die genannten Produkte künftig eher in werbefinanzierten, kostenlosen Versionen anzubieten, gar nicht mehr so unsinnig. Die Verbraucher sähen einfach nicht genug Wert im Inhalt der meisten Softwarepakete, erklärte IDC-Analyst Albert Pang. Bei Programmen wie Word oder Excel nutzten die meisten nur einen Bruchteil der Möglichkeiten und seien nicht willens, dafür tief in die Tasche zu greifen.

"Nur wer beruflich damit arbeitet, ist bereit den vollen Handelspreis für die Software zu zahlen", so Pang. "Irgendwie und irgendwo muss eine bessere Strategie entwickelt werden, um den Markt zu vergrößern."

Microsofts Strategiepapiere kommen außerdem zu dem Schluss, dass Abonnement-Modelle für Lowend-Softwareprodukte nicht sinnvoll seien, sondern eher ungezielte Werbung. "Teurere Services (von denen die meisten derzeit bezahlt werden müssen) werden künftig über einen Austausch von Nutzerinformationen finanziert, der gezieltere Werbung ermöglicht", heißt es weiter.

Microsoft hat bestätigt, dass die von "Cnet" zitierten Papiere echt sind. Allerdings seien sie nur das Ergebnis interner Brainstormings zu neuen Geschäftsmodellen und es seien dazu noch keinerlei Entscheidungen gefallen. Da die genannten Zahlen aber hinreichend für sich sprechen, sind entsprechende Veränderungen wohl nur eine Frage der Zeit. (tc)