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Microsoft unterstützt Linux - virtuell

21.04.2005
Mit dem von Connectix übernommenen "Virtual Server" wird Microsoft (so wie schon VMware) künftig auch andere Betriebssysteme unterstützen - unter anderem Linux.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - "Wir werden künftig Nicht-Windows-Systeme mit unserem Virtual Server unterstützen - auch Linux", versprach Microsoft-Chef Steve Ballmer anlässlich seiner Keynote auf dem jährlich stattfindenden Microsoft Management Summit. Der Linux-Support für "Virtual Server 2005" werde mit dem für Ende des Jahres erwarteten Service Pack 1 ausgeliefert. Zwar können bereits heute Anwender virtuelle Rechner ohne Microsoft-Betriebssysteme unter dem Virtual Server einrichten. Redmond gewährte bislang jedoch keinen Support für diese Konfigurationen.

Diese Entscheidung bedeute einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Microsofts Virtualisierungstechnik, glaubt Nelson Ruest, Analyst von Resolutions Enterprise in Victoria, British Columbia. Ohne die Unterstützung fremder Betriebssysteme habe Microsoft keine Chance gegen Konkurrenzsysteme wie beispielsweise "VMware" von EMC. Wegen des fehlenden Supports würden Nutzer den Virtual Server der Redmonder zum überwiegenden Teil in nicht geschäftskritischen Bereichen wie beispielsweise Testumgebungen einsetzen.

Microsoft-Chef Ballmer kündigte an, die Anstrengungen in Sachen System-Management zu verstärken. Im Rahmen der "Dynamic-Systems-Initiative" (DSI) wolle sich der Konzern als Enterprise-Management-Anbieter profilieren. Ein erster Schritt in diese Richtung sei das Service Pack 1 für den Virtual Server 2005. Neben dem Support für Nicht-Microsoft-Systeme werde die Virtualisierungstechnik künftig auch die 64-Bit-Variante von "Windows Server 2003" als Host-OS unterstützen. Ferner sollen die Anwender mit dem "Microsoft Operations Manager" (MOM) ein Bündel an Verwaltungs-Tools an die Hand bekommen, mit dem sie ihre virtuellen Systeme über eine zentrale Konsole steuern können.

Microsoft bemüht sich seit rund fünf Jahren, im Bereich System Management Fuß zu fassen. Erste Produkte des auf zehn Jahre angelegten DSI-Vorhabens sind MOM und der Systems Management Server (SMS). DSI sei nicht länger nur eine Vision, meint David Friedlander, Analyst von Forrester Research. System-Management-Funktionen würden in den kommenden Jahren stärker direkt in die Microsft-Produkte integriert werden.

Mit den für 2007 erwarteten Server-Versionen von Longhorn soll es weitere Virtualisierungs-Werkzeuge geben. So will Microsoft mit "Hypervisor" ein speziell für virtuelle Systemumgebungen optimiertes Kernsystem unterstützen. Hypervisor bietet eine verbesserte Leistung und Skalierbarkeit. Experten zufolge ist der Support von Hypervisor ein Schlüsselelement für virtuelle Systeme, da damit das Host-OS von Angriffen von außen abgeschottet wird. VMware hat dieses Konzept bereits umgesetzt.

Neben den eigenen Entwicklungen verwies Ballmer auf der Microsoft-Veranstaltung auf die Früchte der vor einem Jahr mit Sun Microsystems vereinbarten Kooperation. Der Microsoft-CEO demonstrierte den Anspruch, unter Windows auch heterogene Systemumgebungen verwalten zu können. Er zeigte, wie sich mit MOM Solaris- und Linux-basierende Rechner steuern ließen. "Wir haben eng mit Sun zusammengearbeitet", bilanzierte Ballmer. Microsoft und Sun hatten vor genau einem Jahr das Kriegsbeil begraben und eine zehnjährige technische Kooperation vereinbart. (ba)