Streit um Verzeichnisdienste wird beigelegt

Microsoft und Novell nähern sich bei Directories an

03.07.1998

Nach der Eskalation im Directory-Streit - Microsoft hatte Anfang des Jahres angedroht, keinen Support mehr für Windows NT Server zu leisten, die die Novell Directory Services (NDS) benutzen - schlagen die Kontrahenten nun eine moderatere Gangart ein. In Branchenkreisen will man bereits von einem bevorstehenden Technologieaustausch wissen.

Zwar dementieren Führungskräfte beider Unternehmen Pläne bezüglich einer Partnerschaft, bestätigen aber die wöchentlichen Konsultationen. Zudem haben sich laut Michael Simpson, Marketing Director bei Novell, Anfang Juni Novell-Boß Eric Schmidt und Bill Gates in Washington getroffen, um über eine bessere Interoperabilität ihrer Produkte zu diskutieren. Novell-CEO Schmidt bestätigte das Treffen und bekräftigte: "Wir sprechen regelmäßig mit unseren Freunden bei Microsoft und haben sehr interessante Diskussionen."

Vor diesem Hintergrund wollen Analysten gar eine Trendwende in der Firmenpolitik Novells ausgemacht haben: Die Netzwerker, so ihre Meinung, konzentrieren sich mehr auf die Erweiterung von Windows NT als auf den Verkauf von Netware. Ein solches Umdenken würde Larry Gauthier, Senior Analyst bei der Burton Group in Midvale, begrüßen: "Es ist eine sehr gute Idee, für die dominante NT-Plattform Mehrwertdienste anzubieten." Zu den Mehrwerten zählen die Berater beispielsweise die geplanten "NDS on NT", die im Gegensatz zu den "NDS for NT" direkt auf einem NT-Server laufen und keinen dedizierten Netware-Rechner mehr erfordern.

Einen Grund für den möglichen engeren Schulterschluß zwischen Microsoft und Novell sehen Branchenkenner in der Partnerschaft zwischen Microsoft und Cisco. Im Rahmen eines zweijährigen exklusiven Abkommens hatte Microsoft das Recht, die Directory-Enabled-Networks- (DEN-)Technologie von Cisco zu nutzen. Der Haken an der Sache ist jedoch, daß Microsoft dazu erst Mitte 1999 mit dem Erscheinen von Windows NT und dem Active Directory in der Lage ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Exklusivvertrag bereits abgelaufen. Ein Grund, so Insider, warum Microsoft möglicherweise in Novell einen neuen Partner sucht.