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Microsoft und Intel suchen Geschäft mit Gesundheit

27.02.2006
Gemeinsam mit der neu eröffneten Asklepios-Klinik in Hamburg-Barmbek wollen die IT-Riesen Microsoft und Intel ein Modellprojekt für das Krankenhaus der Zukunft aufbauen.

Angesichts des wachsenden Drucks auf das Gesundheitswesen planen die Verantwortlichen des "Future-Hospital"-Programms, die Abläufe in den Kliniken künftig mit Hilfe der IT effizienter abzuwickeln. Ohne tief greifende Reformen würden viele Gesundheitssysteme die kommenden 15 Jahre nicht überstehen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Hamburger Asklepios-Krankenhauses. Dabei beruft das Klinik-Management auf eine Studie von Pricewaterhouse Coopers. Prozesse, Organisationsformen und die technische Infrastruktur müssten dringend überarbeitet werden.

Diese Forderungen passen den großen IT-Anbietern gut ins Konzept. Sie sehen im Gesundheitswesen einen lukrativen Markt, da viele Einrichtungen nach wie vor mit einer veralteten IT-Infrastruktur arbeiten. Mit dem "Future-Hospital"-Programm wollen die IT-Größen Intel und Microsoft ihr Standbein im Gesundheitsgeschäft stärken.

Im Rahmen dieser Kooperation planen die Partner, verschiedene Lösungen zu entwickeln, um die Klinikabläufe effizienter zu unterstützen. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz der Radio-Frequency-Identification-Technik (RFID). Damit sollen medizinische Geräte in der Klink besser ausgelastet werden. Zudem bietet die Funktechnik Möglichkeiten, Patienten über entsprechende RFID-Armbänder zu identifizieren und auf dem Krankenhausgelände zu orten. Außerdem könnten Fehlerquellen ausgeschaltet werden. Blutkonserven, die mit einem RFID-Tag ausgestattet seien, könnten Alarm geben, sollte die Blutgruppe des Patienten nicht mit der Konserve übereinstimmen.

Mit Hilfe von tragbaren Rechnern sollen sich Patientendaten schneller erfassen lassen. In der Folge könnte die Behandlung beschleunigt werden. Ärzte erhielten mit Tablet-PCs via WLAN-Anschluss an jedem Ort die notwendigen Informationen über bestimmte Patienten aus dem Klinikinformationssystem (Kis). Um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten, sollen Smartcards zur Authentifizierung und für das Berechtigungskonzept eingesetzt werden.

Über ein Arzt-Portal soll sich das System über die Klinkgrenzen hinaus erweitern lassen. Mit Hilfe der "eHealth Interoperability Plattform" (eHIP) könnten Hausärzte mit den Klinikärzten kommunizieren und notwendige Patientendaten übermitteln. Auch andere Leistungsträger wie beispielsweise Krankenkassen sollen sich in das System einklinken können.

Doch so effizient sich diese neue Krankenhauswelt präsentiert, steckt bis zur Realisierung noch viel Arbeit dahinter. Intel und Microsoft stellen im Grunde nur die Infrastrukturplattform für die Klinik-IT zur Verfügung. Auf dieser Plattform müssen erst einmal die verschiedenen Spezialanwendungen funktionieren. Derzeit herrscht in diesem Umfeld allerdings noch ein fast undurchschaubarer Wildwuchs. So gibt es beispielsweise hunderte von unterschiedlichen Praxis-Applikationen.

Dass es nicht einfach ist, die verschiedenen Parteien des deutschen Gesundheitssystems unter einen Hut zu bekommen, hat das Gerangel um die Einführung der Gesundheitskarte gezeigt (siehe auch: Gesundheitskarte: Der Poker geht weiter). Weil sich die Verbände der Ärzte, Apotheker und Krankenkassen über die Spezifikationen und Funktionen der Karte nicht einigen konnten, wird die sich die flächendeckende Einführung um Jahre verschieben.

Außerdem ist die Illusion trügerisch, mit Hilfe der Technik ließen sich Fehler im Krankenhausbetrieb ausschalten, meint ein Insider. Nach wie vor seien es Menschen, die diese Technik bedienten. "Wenn eine Krankenschwester den falschen RFID-Tag auf die Blutkonserve klebt, nutzt dem Patienten die ganze schöne Technik nichts." (ba)