Virtualisierung

Microsoft und Citrix paktieren gegen VMware

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Pünktlich zur VMware-Kundenkonferenz VMworld in Cannes haben die Wettbewerber Citrix und Microsoft ihre Partnerschaft in Sachen Virtualisierung intensiviert.

Citrix bringt dazu im April eine neue Suite von Virtualisierungs-Management-Tools namens "Citrix Essentials" in zwei Versionen heraus - eine für den hauseigenen "Xen Server" und eine für den Microsoft-Hypervisor "Hyper-V". Citrix hat zurzeit bessere Management-Lösungen im Angebot als Microsoft selbst. Der Redmonder Konzern verspricht aber im Gegenzug zumindest, mit der nächsten Version seines "Systems Center" auch Xen-Server-Umgebungen zu verwalten; aktuell deckt die Lösung nur Hyper-V und VMwares "ESX" ab. Microsoft wird außerdem "Citrix Essentials for Hyper-V" an seine weltweite Kundenbasis vermarkten.

Citrix startet überdies eine weitere Attacke gegen VMware, indem es seinen Xen Server ab April kostenlos abgibt. Einige wenige High-end-Features des Produkts, darunter die High-Availability-Fähigkeiten, wandern zwar in "Citrix Essentials for Xen Server", aber viele der vorhandenen Möglichkeiten sind laut Chief Techology Officer Simon Crosby künftig kostenlos. Citrix Essentials wird für Xen Server und Hyper-V je in zwei unterschiedlich leistungsfähigen Varianten zu 1500 und 5000 Dollar pro Server angeboten. "In Wahrheit geht es hierbei darum, dass Microsoft und Citrix jetzt mit vereinten Kräften gegen VMware antreten", sagt der Analyst Mark Bowker von der Enterprise Strategy Group.

Etwas anders sieht das Serguei Beloussov, CEO von Parallels. "Es überrascht uns nicht, dass Citrix den XenServer herschenkt, Die meisten Citrix-Kunden wollen eigentlich nur eine gut unterstützte Windows-Plattform, und nachdem Microsoft Hyper-V herausgebracht hat, können sie diese direkt von der Quelle bekommen. Um wirklich Wert aus Citrix zu ziehen, müssen Kunden sowieso eine Windows-Lizenz kaufen, und da können sie ebensogut ihre Virtualisierungs-Engine dazubekommen", so Beloussov. "Ich gehe ferner davon aus, dass Citrix die Entwicklung von XenServer gänzlich einstellen wird, weil man diesen für XenApp (vormals Citrix Presentation Server) nicht braucht. Das wird dann letztlich das Ende von XEN bedeuten. Hier darf man Microsofts Server Group applaudieren: XEN hätte für sie ein ernstzunehmender Konkurrent sein können, stattdessen endet es nun als Partner und Techniklieferant."

Citrix Essentials enthält unter anderem "StorageLink" für Provisionierung und Verwaltung virtueller Maschinen in großen SANs (Storage Area Networks), "Dynamic Provisioning" für das simultane Booten tausender virtueller Maschinen von einem einzigen Master Image sowie ein neues "Lab Management", mit dem sich virtualisierte Test- und Entwicklungsumgebungen einrichten lassen. Ebenfalls enthalten ist ein grafisches Tools zur Automatisierung komplexer Management-Aufgaben. Die Essentials-Ausführung für Xen Server wird die HA-Features erhalten, die sich aktuell noch in der "Platinum"-Edition von XenSource 5 finden. Die Microsoft-Variante muss allerdings ohne sie auskommen.

"Citrix Essentials for Hyper-V ist ein dringend nötiger Schritt, vor allem für Microsoft", befindet trotzdem Chris Wolf, Senior Analyst der Burton Group. Hyper-V werde sicher von den Storage- und Provisioning-Möglichkeiten der Citrix-Lösung profitieren, auch wenn einige Unternehmen mangels Hochverfügbarkeit möglicherweise vom produktiven Einsatz des Microsoft-Hypervisors zurückschrecken könnten.

Citrix wiederum könne von den Cross-Management-Fähigkeiten zwischen Hyper-V und XenSource profitieren. Kunden könnten schon jetzt den XenServer ausbringen in dem Wissen, dass sie später auch Hyper-V einführen und beide dann über Microsoft Systems Center managen könnten.

Sowohl Bowker als auch Wolf betonen aber, dass die EMC-Tochter VMware weiterhin ein formidabler Wettbewerber bleibe. VMware habe weiterhin einen technischen Vorsprung bei der Server-Virtualisierung und eine etablierte Präsenz in vielen Rechenzentren.

"Viele große Firmen haben ausgereifte VMware-Deployments; sie sind ein bisschen vorsichtig dabei, ihre Infrastruktur über mehrere Hypervisor aufzsplitten"; sagt Wolf, der die größten Auswirkungen der heutigen Ankündigung auf kleine und mittlerer Anwender erwartet.