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Microsoft trennt sich von Rick Belluzzo

04.04.2002
Microsofts COO Rick Beluzzo legt zum 1. Mai sein Amt nieder. Konzernchef Ballmer schmeißt den Laden künftig allein; seine sieben Bereichsleiter erhalten zusätzliche Kompetenzen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Softwarekonzern Microsoft hat sich von seinem Chief Operating Officer (COO) und President Rick Belluzzo getrennt. Der 48-jährige Manager legt sein Amt zum 1. Mai nieder und verlässt im September das Unternehmen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht - CEO Steve Ballmer schmeisst den Laden künftig allein. Mit der Trennung von Belluzzo stattet Microsoft seine sieben Bereichsleiter künftig mit zusätzlicher Macht aus. Sie erhalten die operationale und finanzielle Verantwortung für ihre Division, hieß es in einer Stellungnahme. Die Chefs der einzelnen Abteilungen (Windows Client, Knowledge Worker, Server and Tools, Business Solutions, CE/Mobility, MSN sowie Home and Entertainment) berichten künftig direkt an Ballmer, der seit Anfang 2000 als CEO über Microsoft regiert.

Über die wahren Gründe für den überraschenden Abgang Belluzzos gibt es verschiedene Theorien. So habe es "kulturelle Unterschiede" zwischen ihm und dem Softwarekonzern gegeben; Belluzzo sei eher ein zurückhaltender Typ gewesen, was ihn bei Microsoft nicht weitergebracht habe. Zudem habe ihm das technische Detailwissen gefehlt, um in der Firma akzeptiert zu werden. Auch sei es schwierig, neben Ballmer und Bill Gates ein eigenes Profil zu zeigen. Beide Firmenlenker schrecken nicht davor zurück, sich bei Microsoft in Detailfragen einzumischen und Entscheidungen im Alleingang zu treffen. Vor Belluzzo hatte bereits Bob Herbold in der gleichen Position kein glückliches Händchen gehabt.

Gartner-Analyst David Smith wertete die Trennung lediglich als kleinen Verlust für Microsoft. Was auch immer Belluzzo als President und COO in Redmond bewirkte, habe sich nicht sonderlich spektakulär entwickelt, bilanzierte er dessen Jahr als Verantwortlicher für das Tagesgeschäft. Belluzzo war mehr als 20 Jahre Manager bei Hewlett-Packard und anschließend CEO von Silicon Graphics, bevor er 1999 als Vice President der Consumer-Division zu Microsoft kam. Hier war er für den hauseigenen Online-Dienst MSN verantwortlich, aber auch für interaktives TV und die Spielkonsole X-Box. Im Februar 2001 wurde er zum COO und President von Microsoft ernannt. Belluzzo kontrollierte den weltweiten Vertrieb und das Marketing, das Personalwesen sowie die Finanzen und das Lizenzgeschäft. Er wolle sich nun verstärkt einer eigenen Firma widmen, lautet seine offizielle Erklärung zur Trennung. (ajf)