"Microsoft treibt den Markt für Cloud-Services"

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Mit Achim Berg, Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, sprach CW-Redakteur Frank Niemann* über Windows 7 und die neue Online-Plattform "Azure".

CW: Windows Vista war nicht der große Wurf. Warum soll mit Windows 7 nun alles besser werden?

Berg: In Sachen Bedienkomfort war Windows Vista ein Meilenstein. Windows 7 ist die konsequente Weiterentwicklung. Die Benutzersteuerung ist vereinfacht worden. Ein Beispiel dafür ist die Multi-Touch-Oberfläche, die auch eine Bedienung über Touchscreens erlaubt. Windows 7 ist deutlich schneller und noch leichter zu handhaben. Das habe ich selbst ausprobiert und arbeite bereits mit dem neuen System.

CW: Aber Windows Vista hat nicht den Erfolg gehabt, den Microsoft erwartet hat.

Berg: Da muss ich widersprechen. Wir haben in den letzten zwei Jahren 180 Millionen Vista-Lizenzen verkauft. Das ist weit mehr, als seinerzeit an Windows-XP-Lizenzen verkauft worden ist.

CW: Wir registrieren aber von vielen Unternehmen Zurückhaltung gegenüber Vista. Das Betriebssystem verbreitet sich vor allem durch den Kauf neuer Rechner.

Berg: Im Consumer-Bereich ist das der Fall, doch auch zahlreiche Firmen haben Vista bereits eingeführt. Dort sind die Zyklen aber länger. Nun haben Unternehmen die Möglichkeit, Vista auszuprobieren, um dann Windows 7 einzuführen.

CW: Warten die Kunden nicht eher ab, bis Windows 7 kommt, und lassen Vista aus?

Berg: Vor allem in großen Firmen dauern die Entscheidungen länger. Es wird aber viele geben, die mit Vista beginnen und dann auf Windows 7 umsteigen. Vor allem solche, die über Volumenverträge verfügen, die ihnen das Recht einräumen, das künftige Betriebssystem zu installieren. Unsere Unternehmenskunden müssen wissen: Der sicherste Migrationspfad zu Windows 7 verläuft über Windows Vista.

CW: Können Sie denn versprechen, dass Hardware, die heute für Vista ausreicht, auch für Windows 7 taugt?

Berg: Jede Hardware, die Vista unterstützt, arbeitet auch mit Windows 7 zusammen.

CW: Bei gleicher Leistung?

Berg: Die Rechner laufen sogar schneller unter Windows 7, wie zahlreiche Tests belegen. Und mindestens 95 Prozent der unter Vista verfügbaren Applikationen sind auch unter dem neuen Windows-System lauffähig.

CW: Windows 7 ist für PCs gedacht. Werden Firmen künftig in der Lage sein, Software für Windows zu schreiben, die unverändert sowohl auf Desktops als auch auf Mobilgeräten läuft?

Berg: Entwickler verwenden heute schon sehr ähnliche Tools. In Zukunft werden die Windows-Betriebssysteme der verschiedenen Geräte immer ähnlicher werden. Dabei stellt sich natürlich die Frage, welche Displays und welche Rechenleistung das jeweilige Zielsystem bereitstellt.

CW: Neben dem klassischen Windows beschäftigen Sie sich mit der Online-Plattform "Windows Azure". Wie passt das in Ihre Strategie?

Berg: Windows Azure ist Herzstück unserer Azure Services-Plattform, welches wir als "Betriebssystem in der Cloud" bezeichnen. Dafür bauen wir gerade weltweit Rechenzentren auf, so dass Kunden ihre Applikationen in diesen betreiben können. Je nach Anforderung können Sie dabei die Kapazität aufstocken oder reduzieren. Dann beispielsweise, wenn sie in einem Monat mehr oder weniger Leistung benötigen.

CW: IBM hat vor einiger Zeit etwas Ähnliches erdacht und als "On Demand" bezeichnet.

Berg: On Demand bezog sich aber nur auf den Betrieb im Rechenzentrum. Azure ist da viel modularer und bietet ein komplettes Betriebssystem, welches auf die speziellen Anforderungen des Cloud Computing ausgelegt ist. Die Rechenleistung wird von beliebigen Microsoft-Datenzentren auf der Welt bereitgestellt. Daneben können Sie aber auch dedizierte Server mieten. Ferner ist es möglich, über verschiedene Endgeräte, beispielsweise mobile Geräte, auf Azure-gestützte Dienste zuzugreifen.

CW: Wie wollen Sie mit Azure Geld verdienen?

Berg: Wir bieten Rechnerkapazitäten an für unsere eigenen Produkte, die unserer Partner sowie die unserer Kunden. Wir vermieten sozusagen die "IT in der Cloud". Darüber hinaus wird es hier aber auch klassische Lizenzierung an Unternehmen geben, die selbst Azure-Services entwickeln und anbieten wollen.

CW: Was bedeutet das für Ihr Kerngeschäft?

Berg: Das ist eine Ergänzung. Wir sind da gut aufgestellt, weil wir als einziger Anbieter hybride Betriebsmodelle bieten. Kunden können beispielsweise Sharepoint in der Cloud oder auf eigenen Servern nutzen. Zudem lassen sich Sharepoint-Umgebungen zum Teil lokal und zum Teil in Azure betreiben. Künftig werden Unternehmen nur die kritischen Applikationen auf eigenen Servern bereitstellen, während sie für Infrastrukturdienste wie File und Print, Unified Communications und E-Mail Online-Kapazitäten in Anspruch nehmen.

CW: Welche Rolle spielen Ihre Partner? Sind die bei Azure nicht außen vor?

Berg: Partnern bietet Azure eine Menge Möglichkeiten. Sie können auf Basis von Azure beispielsweise eigene Anwendungen entwickeln oder entsprechende Dienstleistungen anbieten. Zudem gibt es vor Ort bei den Kunden nach wie vor viel zu tun.