Krise

Microsoft streicht nach schlechten Zahlen 5000 Stellen

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Microsoft hat die Veröffentlichung seiner Zahlen für das zweite Quartal überraschend vorverlegt. Die Bilanz fiel schlecht aus, 5000 Mitarbeiter müssen gehen.
CFO Chris Liddell muss Microsofts Kosten in den Griff bekommen.
CFO Chris Liddell muss Microsofts Kosten in den Griff bekommen.
Foto: Microsoft

Der Quartalsumsatz stieg gegenüber der vergleichbaren Vorjahreszeit um lediglich zwei Prozent auf 16,63 Milliarden Dollar und lag damit um etwa 900 Millionen Dollar unter der letzten Prognose von Microsoft. Der operative Gewinn, Nettogewinn und das Ergebnis pro Aktie (EPS) betrugen 5,94 Milliarden Dollar, 4,17 Milliarden Dollar sowie 47 Cent. Das entspricht prozentualen Rückgängen von acht, elf sowie sechs Prozent im Jahresvergleich.

Aufgrund des schwachen PC-Markts und dem anhaltenden Trend zu preiswerten Netbooks (die aus Preisgründen oft mit Linux statt Windows ausgeliefert werden) sei der Client Revenue um acht Prozent gefallen, erklärte Microsoft. Die wiederkehrenden Einnahmen aus Lizenzen der Sparte Server & Tools hingegen stiegen um 15 Prozent. Auch Entertainment & Devices erlöste drei Prozent mehr, unter anderem aufgrund der starken Verkäufe der Spielekonsole Xbox 360 (sechs Millionen Stück im Weihnachtsgeschäft).

Deutschland kommt ungeschoren davon

Von dem geplanten Stellenabbau ist Microsoft Deutschland praktisch nicht betroffen. Thomas Mickeleit, Director of Communications bei der Microsoft Deutschland GmbH, schreibt uns dazu:

"Ich möchte Sie an dieser Stelle darüber informieren, dass Microsoft in Deutschland von den aktuellen Personalmaßnahmen nur in geringem Umfang betroffen ist. Die deutsche Vertriebs- und Marketing-Organisation, für die Achim Berg zuständig ist, bleibt von den heute wirksamen Maßnahmen unberührt. In Deutschland sind darüber hinaus aber Support-Funktionen angesiedelt, die nicht nur für den deutschen Markt tätig sind. Hier wird eine kleine zweistellige Zahl an Stellen entfallen."

Microsoft verschärft angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise sein Sparprogramm. In den kommenden 18 Monaten will der Konzern unter anderem 5000 Stellen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Marketing, Vertrieb, Finanzwesen, Rechtsabteilung, Personalwesen sowie IT streichen. 1400 Kündigungen davon erfolgen bereits heute. Zusammen mit anderen Maßnahmen will Microsoft so seine jährlichen operativen Kosten um geschätzte 1,5 Milliarden Dollar drücken, für dieses Geschäftsjahr (Ende: 30. Juni) sollen es immerhin noch 700 Millionen Dollar werden.

Eine Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr will Microsoft angesichts der unsicheren und schwierigen wirtschaftlichen Situation nicht länger wagen. "Die wirtschaftliche Aktivität und die IT-Ausgaben sind in diesem Quartal hinter unsere Erwartungen zurückgefallen, und wir haben schnell reagiert, um unsere Kosten zu verringern und die Auswirkungen abzufangen", kommentierte Finanzchef Chris Liddell. "Wir planen damit, dass die ökonomische Unsicherheit für den Rest des Fiskaljahres anhält und damit für die zweite Jahreshälfte zu geringeren Umsätzen und Ergebnissen führt als in der Vorjahreszeit. Dabei werden wird uns darauf fokussieren, unserer Wettbewerber hinter uns zu lassen und unserer Kostenstruktur anzupassen."