IaaS-Dienste aus deutschen Rechenzentren

Microsoft startet mit der deutschen Azure-Cloud

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Ein knappes Jahr nach der ersten Ankündigung stellt Microsoft Public-Cloud-Services seines Azure-Portfolios aus deutschen Rechenzentren zur Verfügung. Den Zugriff auf Kundendaten kontrolliert dabei T-Systems als Datentreuhänder, der deutschem Recht unterliegt.

Unter dem Namen "Azure Deutschland" offeriert Microsoft ab sofort IaaS-, PaaS- und IoT-Dienste aus den deutschen Rechenzentren in Frankfurt/Main und Magdeburg. Das Angebot richte sich an Geschäftskunden aus Deutschland, der EU sowie der Europäischen Freihandelszone (EFTA), teilte der Softwarekonzern mit. Für erfolgsentscheidend hält Microsoft das damit verbundene Datentreuhandmodell, das in dieser Form bisher kein anderer der großen amerikanischen Public-Cloud-Provider anbietet. Branchenschwergewichte wie Amazon Web Services (AWS), IBM oder Oracle haben mit Blick auf die Datenschutzbedenken vieler Anwender zwar ebenfalls Data Center in Deutschland eingerichtet. Doch als Betreiber dieser Cloud-Infrastrukturen fungieren die US-Konzerne beziehungsweise deren deutsche Tochterunternehmen.

„Azure Deutschland unterstützt unsere Kunden dabei, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig ihre Compliance-Richtlinien einzuhalten“, verspricht Microsofts Deutschlandchefin Sabine Bendiek.
„Azure Deutschland unterstützt unsere Kunden dabei, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig ihre Compliance-Richtlinien einzuhalten“, verspricht Microsofts Deutschlandchefin Sabine Bendiek.
Foto: EMC

Zugang zu den Kundendaten hat im Microsoft-Modell einzig der Datentreuhänder T-Systems International. Ohne seine Zustimmung oder die des Kunden erhalte Microsoft keinen Zugriff, betont das Unternehmen. Werde die Zustimmung durch den Datentreuhänder erteilt, greife Microsoft nur unter dessen Aufsicht zeitlich begrenzt auf die Kundendaten zu. "Die Microsoft Cloud Deutschland ist unsere Antwort auf die wachsende Nachfrage nach Microsoft Cloud-Diensten in Deutschland und Europa", warb Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, für das Angebot. "Azure Deutschland unterstützt unsere Kunden dabei, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig ihre Compliance-Richtlinien einzuhalten."

Wie das Treuhändermodell funktioniert, hatte Microsoft-Manager Günther Igl bereits zur ersten Ankündigung im November 2015 erläutert: "Es gibt einen Vertrag zwischen Microsoft und dem Datentreuhänder, einerseits über den Betrieb der Rechenzentren wie auch über den Schutz der Kundendaten." Der Treuhänder stehe zudem auch mit den Cloud-Kunden in einer vertraglichen Beziehung: "Der Datentreuhänder fungiert als Auftragsdatenverarbeiter im Sinne der deutschen Datenschutzgesetze und ist damit auch vertraglich direkt mit den jeweiligen Kunden verbunden. Es gibt eine Anlage in den jeweiligen Kundenverträgen, die diese Verbindung zwischen Kunde und Datentreuhänder herstellt." Der Kunde erhalte damit die vertragliche Zusicherung, dass seine Daten in Deutschland liegen und auch dort bleiben.

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Security und Disaster Recovery mit deutschen Rechenzentren

Mit den neuen RZ-Standorten in Deutschland unterhalte Microsoft nun weltweit 34 Azure-Rechenzentrumsregionen, von denen bereits 30 in Betrieb seien, so die Windows-Company. Die deutschen RZs nutzten dabei die gleichen Technologien und böten die gleichen Service-Level und Sicherheitsstandards wie die globalen Microsoft-Cloud-Angebote. Dazu zählten etwa Multi-Faktor-Authentifizierungen, biometrische Scans, Smartcards, Datenverschlüsselungen nach SSL/TLS-Protokollen sowie physische Sicherheitsmaßnahmen und die Absicherung gegen Naturkatastrophen und Stromausfälle. Um einen unterbrechungsfreien Betrieb und die Wiederherstellung von Daten und Diensten in Notfällen (Disaster Recovery) zu gewährleisten, finde ein kontinuierlicher Datenabgleich zwischen den beiden deutschen Rechenzentren statt. Für die Verschlüsselung und Absicherung des Datenverkehrs setze man auf die D-Trust-Zertifikate der Bundesdruckerei GmbH.

SAP HANA, IoT und Big Data aus der Azure-Cloud

Dass Microsoft mit seinem Azure-Portfolio aus deutschen Landen nicht nur auf klassische Infrastruktur-Dienste setzt, zeigen die zahlreichen zusätzlichen Dienste und Partnerschaften rund um die Plattform. Mit der Zertifizierung von SAP HANA für Microsoft Azure beispielsweise könnten Kunden auch sensible Daten auf Azure Deutschland bearbeiten und speichern. Für Big-Data-, Machine-Learning- und Industrie-4.0-Szenarien stellt die deutsche Azure-Variante die Azure IoT Suite zur Verfügung. Sie beinhaltet unter anderem die Cloud-Diensten Azure IoT Hub, Stream Analytics, Machine Learning und DocumentDB. Im Bereich Industrie 4.0 hebt Microsoft zudem die Integration des OPC-UA-Standards (OPC Unified Architecture) mit der Azure Iot Suite hervor. Kunden können damit etwa Industriemaschinen über die Cloud verbinden, über eine verschlüsselte Verbindung steuern und an Business-Anwendungen wie ERP- oder CRM-Systeme andocken.

Office 365 und Dynamics 365 ab 2017 in der deutschen Azure Cloud

Mit Ankündigung der Verfügbarkeit präsentierte Microsoft auch erste Kunden, die Azure Deutschland nutzen wollen, darunter der Technologiekonzern ZF, die Haufe Gruppe und der Hamburger Hafen. Neben weiteren Azure-Services will der Konzern auch die Office-Suite Office 365 sowie die Business-Suite Dynamics 365 aus deutschen Rechenzentren anbieten. Office 365 wird laut der aktuellen Roadmap im ersten Quartal 2017, Dynamics 365 in der ersten Jahreshälfte 2017 generell verfügbar sein.