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Microsoft sieht immensen Spielraum für weiteres Umsatz- und Profitwachstum

30.07.2004

Softwareriese Microsoft war auf der diesjährigen Analystenkonferenz im Firmensitz Redmond im US-Bundesstaat Washington sichtlich bemüht, das enorme Wachstumspotenzial der Company aufzuzeigen. Auslöser war die schwache Prognose für das angelaufene Geschäftsjahr 2004/05 sowie die Ankündigung des Konzerns, er werde in den nächsten vier Jahren rund 75 Milliarden Dollar für die Kurspflege ausgeben. Viele Aktionäre und Finanzexperten hätten das Geld lieber in künftiges Wachstum investiert gesehen, nachdem der Markt für die Kernprodukte Microsoft Windows und Office als zunehmend gesättigt gesehen wird. So ist etwa bei der Desktop-Sparte Client mit einer Durststrecke zu rechnen, nachdem das neue Windows-Release "Longhorn" erst 2006 oder 2007 auf den Markt kommen soll. Die Gates-Company sieht für den Bereich dennoch Potenzial, etwa wenn sich Produkte wie die bislang geschmähten Tablet-PCs oder Media-Center-PCs im Markt etablieren. "Mit unserem

Fokus auf Tablet-PCs liegen wir hundertprozentig richtig", insistierte Konzernchef Steve Ballmer, Hard- und Software seien allerdings noch nicht ganz ausgereift.

Zusätzlich hofft das Unternehmen, einen Teil der illegalen Windows-Nutzer, internen Schätzungen sind dies immerhin 36 Prozent der Microsoft-Anwender weltweit, zu zahlenden Kunden zu konvertieren. Einen weiteren Hoffnungsträger für neues Wachstum im Desktop- und Office-Bereich sieht der Konzern in Schwellenländern wie China oder Indien. Microsoft schätzt, dass in den kommenden Jahren rund 400 Millionen Menschen aus Entwicklungsländern die nötigen Finanzen und Infrastruktur haben, um einen PC anzuschaffen. Im Server-Bereich will die Gates-Company unter anderem mit der "Windows Server 2003 HPC Edition" in High-Performance-Bereiche wie Clustering expandieren.

Ein anderes Thema auf dem Analystentreffen waren Microsofts Möglichkeiten, noch profitabler zu werden. CEO Ballmer hält in den nächsten vier Jahren beim operativen Pro-forma-Gewinn einen Zuwachs um bis zu sechs Milliarden Dollar für möglich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der um Gerichtskosten und Aufwendungen für Aktienoptionen bereinigte Betriebsgewinn 13,8 Milliarden Dollar betragen. "Wir hätten einen guten Job gemacht, wenn wir um einen Jahresgewinn von Nokia, vom gesamten Siemens-Konzern oder sogar von Intel zulegen könnten", so Ballmer. Der Microsoft-Chef gab auch einen Einblick, wo in den nächsten vier Jahren das neue Wachstum erreicht werden könnte: Demnach sollen 40 Prozent des Gewinnanstiegs aus Wachstumsbereichen wie MSN, Microsoft Business Solutions (MBS) und der Xbox-Sparte Home and Entertainment kommen. Weitere 40 Prozent des Anstiegs sieht Ballmer im Desktop-Bereich, 30 Prozent zu dem Plus trage die Server-Division bei. Zusammen

ergibt dies zwar einen Beitrag von 110 Prozent, wie der Topmanager jedoch weiter ausführte, werde das Wachstum durch Investitionen in neue größere Bereiche um zehn Prozent gemindert. Die genauen Segmente seien noch nicht näher identifiziert worden, erklärte Ballmer.

Bereits zuvor hatte Finanzchef John Connors gegenüber Analysten erklärt, die bislang defizitäre Xbox-Sparte werde spätestens bis 2007 schwarze Zahlen schreiben. Gleichzeitig sei Microsoft eifrig bemüht, die Geschäftssoftwaresparte MBS bis 2006 rentabel zu machen. (mb)