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Microsoft schafft Aktienoptionen ab

09.07.2003
Statt mit Aktienoptionen belohnt Microsoft seine Mitarbeiter künftig mit echten Anteilen und verbucht diese auch als Aufwand. Das höhere Management wird stärker erfolgsbezogen vergütet.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ab September dieses Jahres schafft Microsoft sein Aktienoptionsprogramm für die Belegschaft ab. Stattdessen können die Mitarbeiter sich echte Aktien verdienen. Das "Stock Award Program" sei das Resultat einer mehr als einjährigen Überprüfung des bisherigen Vergütungsmodells durch das Top-Management mit Input der Angestellten, erklärte der Redmonder Konzern gestern. Microsoft hofft, durch die Neuregelung die besten Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.

Ausgegeben wird dabei so genannter "Restricted Stock", den die Mitarbeiter erst nach fünf Jahren Haltezeit und auch nur dann verkaufen können, wenn sie noch für Microsoft arbeiten. Für rund 600 hochrangige Manager wird der Aktienbonus darüber hinaus verstärkt von Kundenzuwachs und -zufriedenheit abhängig gemacht. Eine Ausnahme machen CEO (Chief Executive Officer) Steve Ballmer sowie Firmengründer und Chief Software Architect Bill Gates. Sie werden keine Bonusaktien erhalten (was beide verschmerzen können, denn sie halten ordentliche Anteile am Konzern), genausowenig wie sie in der Vergangenheit Stock Options erhielten.

Ferner arbeitet Microsoft an einem Plan, wie Mitarbeiter aus wertlosen Optionen zumindest etwas Gewinn ziehen können, deren Ausübungpreis über dem gegenwärtigen Aktienkurs liegt ("underwater" im Branchenjargon). Diese Papiere sollen dazu an J.P. Morgan Chase verkauft werden können. Allerdings machen die Besitzer dabei einen deutlich geringeren Schnitt, als wenn sie die Optionen unter normalen Bedingungen hätten ausüben können. Nähere Details des Verkaufsplans sind aufgrund einer anhängigen Überprüfung durch die US-Börsenaufsicht noch nicht bekannt.

In der Folge wird Microsoft mit Beginn des Fiskaljahres 2004 am 1. Juli - seine Bilanz für 2003 veröffentlicht das Unternehmen am 17. Juli - die gesamten Beteiligungs-Boni inklusive zuvor erteilter Optionen als Ausgaben verbuchen. Die Verbuchung von Aktienoptionen als Aufwand ist in der Branche ein heißes Thema. Intel gehört beispielsweise zu den erklärten Gegnern dieser Praxis mit der Begründung, der Wert der Optionen sei zu unsicher.

Aus Sicht von Viktor Raisys von der Soundview Technology Group bezieht Microsoft mit seinem Verhalten in diesem Bereich jedoch keine Position. "In der Branche wird darüber debattiert, ob man Aktienoptionen als Ausgaben bilanzieren sollte. Microsoft hat dazu keinen Standpunkt eingenommen. Sie haben erklärt, dass sie ihre Finanzen historisch revidieren würden, um Äpfel mit Äpfeln vergleichen zu können", sagte der Analyst, der selbst Microsoft-Aktien hält.

Aus Sicht des Experten macht das Stock Award Program jedenfalls Sinn. "Aus einer Vergütungs- und Mitarbeiterbindungs-Perspektive ist das eine positive Sache. Es ist ganz sicher nicht so toll, wenn ein Haufen Mitarbeiter mit stapelweise Optionen herumläuft, die underwater sind", so Raisys. Ob sich andere Unternehmen Microsoft zum Vorbild nehmen werden, vermochte der Analyst nicht einzuschätzen. Bislang ist ihm zumindest kein ähnliches Konzept untergekommen.

Sein Kollege Brian Foley von Brian Foley & Co. sieht das anders: "Das ist aufgrund von Microsofts schierer Größe und der Größe seines Optionsprogramms ein Wendepunkt. Wenn ein derart großer Player so etwas macht, dann zwingt das auch andere, ihre Pläne zu überdenken." Foley erwartet, das andere Microsofts Beispiel folgen werden, "weil sie ihre Ausgaben besser prognostizieren wollen". Für viele Firmen werden Optionen aber auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen - vor allem Start-ups, die noch nicht über viel Geld verfügen.

Microsofts Abschaffung der Stock Options ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die IT-Branche sich zu einer reifen Industrie entwickelt. Die explosiven Wachstumsraten der Vergangenheit gibt es nicht mehr. Nach dem Börsengang von Microsoft 1986 entwickelte sich der Aktienkurs zunächst explosiv und machte Bill Gates zwischenzeitlich zum reichsten Mann der Welt. Die Krise im PC-Markt ist aber auch an dem Softwareriesen nicht spurlos vorübergegangen - sein Aktienkurs ist vom Allzeithoch von 59,96 Dollar (an Aktiensplits angepasst) auf 27,70 Dollar zum gestrigen Fixing gefallen. (tc)