Terminkollision

Microsoft sagt EU-Anhörung ab

26.05.2009
Zwischen dem weltgrößten Softwarehersteller Microsoft und der EU-Kommission gibt es wieder Ärger.

Microsoft sagte eine Anhörung ab, die das Unternehmen angesichts von Ermittlungen der EU-Kommission wegen möglicher Wettbewerbsverstöße gefordert hatte. Ein Sprecher der Brüsseler Behörde bestätigte am Montag, dass der Konzern von seiner Anfrage zurückgetreten sei. "Trotzdem hoffen wir, dass wir in dem Fall schnell zu einem Ergebnis kommen."

Opera: Schicker Browser, aber kaum Marktanteil auf dem Desktop...
Opera: Schicker Browser, aber kaum Marktanteil auf dem Desktop...

Der norwegische Browser-Hersteller Opera hatte das jüngste Verfahren angestoßen. Das Unternehmen wirft Microsoft vor, mit der Verknüpfung eigener Software - Betriebssystem plus Browser - gegen das europäische Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Microsoft hielt dagegen, das Unternehmen dominiere längst nicht mehr den Markt für Webbrowser. Sollte Microsoft gegen die Kartellvorschriften verstoßen, droht in der Theorie eine Höchststrafe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.

Bei Verfahren in den Jahren 2004 und 2006 hatten die Brüsseler Kartellwächter dem Softwarehersteller insgesamt eine Rekordbuße von rund 1,7 Milliarden Euro auferlegt. Die Kommission sah es als erwiesen an, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung bei PC-Betriebssystemen ausgenutzt und nur unzureichend Informationen für Konkurrenten über Windows veröffentlicht hatte.

Microsoft begründet die Absage damit, dass der Termin mit einer internationalen Fachtagung für Wettbewerbsrecht zusammenfalle. Wie es in einem offiziellen Microsoft-Blog-Eintrag von Dave Heiner, Vice President bei Microsoft, weiter hieß, ist die Konferenz für den 3. bis 5. Juni in Zürich geplant. Sie wäre mit der Anhörung zusammengefallen. Nach Angaben von Heiner ist zu erwarten, dass in Zürich auch viele Wettbewerbsexperten der Kommission teilnehmen. Das Unternehmen fürchte daher, dass diese nicht zur Anhörung in Brüssel anwesend sein könnten.

Bei Anhörungen werden keine Entscheidungen getroffen, jedoch geben sie den betroffenen Parteien eine Möglichkeit, erneut ihre Argumente darzulegen.

Diese Chance hätte Microsoft gerne wahrgenommen, hieß es in dem Blog-Eintrag. Daran festzuhalten, wenn so viele wichtige Vertreter der EU sowie nationaler Wettbewerbsbehörden nicht teilnehmen können, sei nicht sinnvoll. "Wir haben darauf hingewiesen, dass es keinen rechtlichen oder einen anderen Grund gibt, die Anhörung in der ersten Juniwoche abzuhalten." Die EU-Wettbewerbshüter hätten abgelehnt, einen anderen Termin anzubieten. Daher sei Microsoft gezwungen gewesen, die Anhörung abzulehnen. (dpa/tc)