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Microsoft räumt bei Navision auf

23.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Business-Software-Einheit von Microsoft hat in Deutschland die Belegschaft um 20 Personen auf nun rund 110 reduziert. Auch die Entwicklung der hierzulande erfolgreichen Mittelstandssoftware "Apertum" ist betroffen. Die Zukunft der verschiedenen Produktlinien ist noch unklar.

Nach der Übernahme von Great Plains und Navision beginnt Microsoft nun mit der Konsolidierung seines Unternehmenssoftware-Geschäftsbereichs Business Solutions. In diesem Firmenzweig bringt der Softwarehersteller seine Aktivitäten für betriebswirtschaftliche Standardsoftware zusammen, unter anderem die zugekauften Unternehmen sowie die hauseigenen Produkte wie die neu entwickelte CRM-Software und das Online-Portal Bcentral. In Deutschland fallen nach der Zusammenlegung 20 Stellen weg. Insgesamt arbeiten jetzt noch 110 Mitarbeiter in dem Geschäftsfeld.

Betroffen sind alle Bereiche - auch die Entwicklung des hierzulande recht erfolgreichen Mittelstandspakets Apertum. Hier arbeiten nach Angaben des Unternehmens nur noch 15 Entwickler. Informationen der COMPUTERWOCHE zufolge soll es schon zu Funktionskürzungen bei der nächsten Version (Codename "Tornado") gekommen sein, die für das zweite Quartal kommenden Jahres geplant ist. Microsoft Business Solutions bestreitet das allerdings.

Auf den Nachfolger warten vor allem internationale Kunden. Er soll unter anderem Mehrsprachigkeit unterstützen und andere Produkte wie die "Office"-Suite integrieren. Offiziell versichert der deutsche Geschäftsführer Lars Damsgaard Andersen, das Unternehmen werde an Apertum festhalten: "Apertum wird wie alle Produktlinien von Microsoft Business Solutions auch in der nächsten Zukunft weiterentwickelt." Im deutschsprachigen Raum setzen rund 1600 Kunden die Software ein.

Zumindest die Zukunft der Great-Plains-Software E-Enterprise in Deutschland ist aber sehr unsicher. Nur rund 50 Kunden nutzen das Programm. In der Regel sind das Töchter US-amerikanischer Unternehmen, deren Mütter das Programm selbst verwenden. Insider erwarten, dass aktive Vermarktung und Vertrieb in Deutschland eingestellt werden. Die Weiterentwicklung der deutschen Komponenten ist unklar. Zum Beispiel gibt es Überlegungen, bekannte Schwachstellen durch die Integration von Navision-Lösungen zu ersetzen. So könnte die bekanntermaßen schlechte Kostenrechnung durch ein Modul aus Navisions "Attain" oder "Axapta" ausgetauscht werden.

Die Entscheidungen über die Zukunft der einzelnen Produkte werden aber in den USA gefällt - vom Team um den Chef der Microsoft Business Solutions, Douglas Burgum, dem ehemaligen CEO von Great Plains. Bis Mitte September soll die künftige Produktstrategie entschieden werden. Dann findet eine große Partnerkonferenz in der US-amerikanischen Stadt Stampede statt. Eins ist aber wohl schon klar: Alle Produktlinien sollen mittelfristig auf Microsofts .Net-Technologie umgestellt werden. Das könnte auch eine mögliche Technik für die Vereinheitlichung der verschiedenen Programme sein.

Die bislang eingeleiteten Umstrukturierungen haben hierzulande auch die Führungsriege erfasst. Der designierte Deutschland-Geschäftsführer John Frederiksen, der zuletzt President von Navision für das US-Geschäft war, verzichtet "aus persönlichen Gründen" auf diese Position, so eine Pressemeldung. Damit wird Microsoft Business Solutions in Deutschland von der ehemaligen Geschäftsführer-Riege von Navision in Deutschland geleitet: Lars Damsgaard Andersen, Thomas von Broich und Jürgen Baier. Gehen musste dagegen auch der Marketing-Manager von Microsoft Great Plains, Jörg Bauler. (mo)