Strategiewechsel

Microsoft öffnet Windows Azure

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Wurde "Windows Azure" bislang nur von Microsoft gehostet, steht die Plattform bald auch Partnern und Private Clouds zur Verfügung.
Microsoft strebt mit Azure in Richtung Platform as a Service (PaaS) und verspricht Anwendern, dass sie nur noch für die Verwaltung von Applikationen verantwortlich sein müssen.
Microsoft strebt mit Azure in Richtung Platform as a Service (PaaS) und verspricht Anwendern, dass sie nur noch für die Verwaltung von Applikationen verantwortlich sein müssen.

Cloud Computing ist zwar ein Hype-Thema, doch mit seinen vielen Facetten alles andere als selbsterklärend. Zu den wichtigsten Strömungen gehören derzeit Infrastructure as a Service (IaaS) und Platform as a Service (PaaS). Microsoft zählt zu den Anbietern mit Plattformansatz (PaaS), in dessen Zentrum das Cloud-Betriebssystem Windows Azure steht. Ziel ist es, von der Anwendungsentwicklung und den Applikationen bis hin zum Betrieb alle Ebenen einer Service-orientierten IT abzudecken. Seit der ersten Ankündigung sind nun eineinhalb Jahre vergangen, und der Betrieb im konzerneigenen Rechenzentrum wurde offiziell zu Jahresanfang aufgenommen. Dass es mit der Weiterentwicklung des Angebots zügig vorangehen soll, wird schon an den wesentlich kürzeren Release-Zyklen deutlich, die, wie im Web üblich und im Gegensatz zum herkömmlichen Softwarelizenzgeschäft, im Bereich von Monaten liegen.

Für viel Diskussionsstoff sorgte die anfängliche Positionierung von Azure als exklusives Hosting-Angebot, das Microsoft ausschließlich in seinen zentralen Rechenzentren bereitstellt. Kunden - insbesondere in Deutschland - sehen das angesichts strenger Datenschutzanforderungen kritisch. Und unter den Microsoft-Partnern schließlich ging die Befürchtung um, dass ihr Lieferant ihnen nun mit einem Direktvertrieb von Online-Services Konkurrenz macht.

Doch das soll sich künftig ändern. Im Gespräch mit COMPUTERWOCHE erklärte Prashant Ketkar, weltweit verantwortlich für das Azure-Marketing, wie es mit Azure im Detail weitergehen soll. Für viele überraschend gab er dabei die Abkehr vom Exklusivmodell bekannt: "Wir werden Azure auch für Kunden und Partner öffnen. Auf Basis Cloud-fähiger Windows-Server können diese dann beispielsweise eine Private Cloud in ihren eigenen Rechenzentren installieren und betreiben." Zunächst seien dazu aber noch einige technische Hürden und Marketing-Fragen zu lösen.

Iaas und Paas

Derzeit lassen sich die Cloud-Computing-Angebote unter anderem in zwei Gruppen einteilen: Infrastructure as a Service (IaaS) und Platform as a Service (PaaS). Charakteristisches Merkmal von IaaS ist, dass hierbei eine virtuelle Maschine (VM) in der Cloud betrieben wird. Dabei setzt der Anwender die VM vorab mit Betriebssystem und allen benötigten Anwendungen auf und lädt sie anschließend auf den Server. Der Cloud-Dienstleister kümmert sich um den sicheren Betrieb der VM als Ganzes, für den störungsfreien Betrieb der Applikationen innerhalb der VM muss der Kunde sorgen.

Bei PaaS-Angeboten muss nur der Anwendungscode in das Cloud-System hochgeladen und konfiguriert werden. Die Verteilung beschränkt sich also auf ein Anwendungspaket, wie es der Entwickler erstellt. Das setzt voraus, dass alle Werkzeuge und Schnittstellen, die eine Anwendung für den Betrieb benötigt, bereits in der PaaS-Umgebung vorhanden sind.