Microsoft nimmt Linux-Desktops als Rivalen ernst

Ludger Schmitz ist freiberuflicher IT-Journalist in Kelheim. Er ist spezialisiert auf Open Source und neue Open-Initiativen.
Microsoft-Manager Stärk: Besser keine bestellten Studien.
Microsoft-Manager Stärk: Besser keine bestellten Studien.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Noch sind Linux-PCs eine Ausnahme, aber Microsoft stellt sich auf ein Verteidigungsgefecht um das bisher komfortabel dominierte Desktop-Geschäft ein. Auf einer Microsoft-Veranstaltung in München über den Client-Markt war die quelloffene Alternative das beherrschende Thema. Dabei beträgt der Linux-Anteil an Desktops in Deutschland gerade einmal 3,4 Prozent, wie die Marktbeobachter von Techconsult im Februar dieses Jahres bei einer Befragung unter 240 Anwenderunternehmen festgestellt haben. Insgesamt würden sieben Prozent Linux-Desktops verwenden oder evaluieren. Im Vergleich zu älteren Befragungen sei die Zuwachsrate für das quelloffene System sogar abgeflacht.

Andreas Zilch, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Techconsult, Kassel, hält die Windows-Plattform derzeit für völlig ungefährdet. Erst wenn Linux auf dem Desktop einen Marktanteil von zehn bis zwölf Prozent erreiche, könnten die Barrieren fallen. Und die bestünden in erster Linie aus zwei Faktoren. Erstens verfügten die Unternehmen über zu wenig Linux-Know-how. Zweitens gebe es zu wenig branchenspezifische Anwendungen. Microsoft profitiere hier von einem Teufelskreis, in dem sich Desktop-Linux befinde: Für den zu kleinen Markt entwickelten Softwarehäuser keine Programme, und das Fehlen von spezifischen Applikationen lasse Anwender wiederum von Linux Abstand nehmen.

Offenbar wiegen solche Ausführungen Microsoft nicht in Sicherheit. Im Gegenteil, die Auseinandersetzung wird gesucht. Dabei folgt Microsoft Deutschland nicht dem Mutterkonzern, dessen Kampagne "Get the Facts" sich auf gekaufte und folglich kaum glaubwürdige Studien ominöser Institute stützt. Die deutsche Tochtergesellschaft, die es mit einem im weltweiten Vergleich besonders Linux-freundlichen Markt zu tun hat, argumentiert mit den Befunden nicht beauftragter Marktforschungsunternehmen.