Surface und Windows 8

Microsoft misstraut den Partnern

Joachim Hackmann
Als Chefreporter Online der Computerwpoche spürt Joachim Hackmann aktuelle Themen aus allen Segmenten der IT-Branche auf. Seine thematische Vorliebe gilt der IT-Servicebranche. Dazu zählen etwa Trends, Neuerungen, Produkte und Unternehmen aus den Bereichen Cloud Computing, XaaS, Offshoring und Outsourcing sowie System-Integration und Consulting. Zudem betreut er die Computerwoche-Online-Rubrik "Mittelstand" und hält den Kontakt zur Computerwoche Xing-Lesergruppe.
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Der Softwarekonzern nimmt die Surface-Fertigung selbst in die Hand und verprellt Partner. Das Kalkül: Der Erfolg soll nicht länger allein in den Händen fremder Hardwarehersteller liegen.

Anfang dieser Woche hat Microsoft sich einmal mehr als Hardware-Company in Stellung gebracht. Der Softwarekonzern wird ein hybrides Notebook-Tablet-Gerät in zwei Versionen auf den Markt bringen, eines mit ARM-Prozessoren und Windows RT, eines mit Intel-Chips und Windows 8 (siehe Microsoft baut eigene Tablet-PCs für Windows 8). Die neuen Modelle werden ungefähr zeitgleich mit dem neuen Betriebssystem auf dem Markt erscheinen, also etwa im Herbst 2012. Zur Preisgestaltung konnte oder wollte Microsoft noch nichts sagen, sie würde "wettbewerbsfähig mit vergleichbaren ARM-Tablets und Ultrabooks sein", teilte das Unternehmen lediglich mit. IDC rechnet mit Preisen zwischen 400 und 500 Dollar, also vergleichbar mit den Preisen des iPad2 und günstigen iPad3-Geräten.

Viel Raum für Spekulationen bietet folglich die künftige Beziehung zu den Partnern. Microsoft hat zwar jahrelange Erfahrung im Hardwaremarkt, das Unternehmen verkauft erfolgreich Mäuse, Tastaturen und die Spielekonsole Xbox. Dem stehen aber auch krachende Pleiten im Hardwaregeschäft gegenüber: Der MP3-Player "Zune" wurde in einen aussichtslosen Kampf gegen Apples iPod geschickt, und auch das Microsoft-Handy "Kin" scheiterte an starker Konkurrenz. Doch die bisherigen Hardwareaktivitäten drangen nie in den Kern von Microsofts Partnerbeziehung vor, die vor allem auf das Geschäft mit Windows-basierenden Arbeitsplatzrechnern und Productivity-Funktionen beruht.

"Produkte im PC-Markt herauszubringen, ist etwas ganz anderes", warnt IDC. "Es zeigt im Grunde, dass das Unternehmen nun das veränderte Käuferverhalten akzeptiert, das sich in wenigen Jahren durch Apples iPad erheblich geändert hat und Hardware, Software und Services erwartet, die ineinander greifen." Microsoft sei offenbar nicht mehr willens, ein Betriebssystem zu entwerfen, um in der Folge darauf zu hoffen, dass die Partner das Beste daraus machen. "Microsoft hat registriert, dass die Partner entweder nicht willens oder nicht in der Lage sind, zu liefern, was Microsoft benötigt, um wettbewerbsfähig zu bleiben", schlussfolgerte gar das Analystenhaus Saugatuck. So gesehen ist die in die eigene Hand genommene Surface-Fertigung Beleg für Microsofts Misstrauen gegenüber den Hardwarepartnern.

Die neue Strategie dürfte jedenfalls Konflikte mit den Partnern heraufbeschwören. Doch das Risiko bewertet IDC als kalkulierbar, da "die Versuche vieler Partner, mit Android-basierenden Tablets im Markt zu reüssieren, wenig erfolgreich waren", beobachtet IDC-Analyst Al Gillen. "Microsoft glaubt fest daran, dass sie Windows treu bleiben, unbenommen von den eigenen Hardware-Plänen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie das auch bleiben."

Das sehen nicht alle Marktbeobachter so. "Surface ändert die Dynamik zwischen Microsoft und den Kunden auf Dauer", sagte Patrick Moorhead vom Marktforschungshaus Moor Insights & Strategy dem "Wall Street Journal". Das wirke sich auch auf die Beziehung zu den Partnern aus. Er gehe fest davon aus, dass einige Hardwarehersteller mit Plänen für Windows-8-basierende-Tablets ihre Vorhaben angesichts der neuen Entwicklung stoppen werden. Ärger habe sich Microsoft auch deshalb eingehandelt, weil die Partner erst kurz vor Veröffentlichung der neuen Hardwarestrategie informiert wurden. Selbst hohe Microsoft-Manager seien von dem streng geheimen Projekt überrascht worden, weiß das gut informierte Wall Street Journal.