COMPUTERWOCHE Praxistest

Microsoft Lync im mobilen Einsatz

Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit Lync - meist in Verbindung mit Office 365 - erhalten Unternehmen ein Collaboration- und Conferencing-Tool, dessen Potenzial im Alltag oft brachliegt. Wir haben Lync im mobilen Einsatz mit Android, Apple iOS und Windows getestet.
Microsoft Lync im mobilen Einsatz.
Microsoft Lync im mobilen Einsatz.
Foto: goodluz, Fotolia.de

Eines der mächtigsten Tools, das aber in seiner Funktionsvielfalt nur selten genutzt wird, dürfte derzeit Microsoft Lnyc sein. Dabei erhalten es Office-365-Nutzer im Rahmen der "E"-Abonnements automatisch oder können es für 1,79 Euro (ohne Steuern) pro Monat und User bestellen. Damit steht dem Einstieg in die Welt des Videoconferencings, Telefonierens über IP, Online-Conferencings oder der Collaboration, also dem gemeinsamen Arbeiten etwa an Dokumenten und Präsentationen, nichts mehr im Wege.

Die Zusammenarbeit von Lync-Anwendern muss nicht auf den PC-Arbeitsplatz im Büro beschränkt bleiben. Dank entsprechender Apps für Android und Apple iOS lassen sich Kollegen auch unterwegs in den Workflow einbinden. Wir haben Lync im mobilen Einsatz auf einem iPad, einem Android-Handy und -Tablet sowie einem Atom-basierten Tablet mit Windows 7 Professional getestet. Um es gleich vorwegzunehmen: Nicht alle Features, die auf Windows-Rechnern zur Verfügung stehen, funktionieren auch mit den mobilen Devices.

Lync auf dem iPad

Für das iPad bietet Microsoft die App Lync 2010 an. Damit lassen sich die Presence-, Instant-Messaging-, Conferencing- und Voice-Funktionen auch auf dem Tablet nutzen. Videotelefonie ist allerdings über die App nicht möglich. Bei den Kontakten kann auf die Lync-Kollegen oder das Adressbuch des iPads zugegriffen werden. Eine VPN-Verbindung ist für die Verwendung von "Lync 2010 für iPad" nicht notwendig, die App funktioniert auch außerhalb des Firmen-WLAN. Was Sicherheit betrifft, setzt die App auf Transport Layer Security (TLS).

Installation

Die Installation der App "Lync 2010 für iPad" erfolgt über iTunes oder den App Store auf dem iPad. Bei der ersten Verwendung müssen noch die Anmeldeadresse und das Kennwort des Lync-/Office-365-Accounts eingegeben werden. Funktioniert die Server-Auto-Erkennung nicht, so lassen sich auch manuell die Domäne, Benutzername und http-Proxy angeben. Nach dem ersten erfolgreichen Login lässt sich gleich die gewünschte eigene Telefonnummer eintragen.

Praxiserfahrungen

Die iPad-App ist übersichtlich aufgesetzt. Auf der linken Seite ist eine Bedienleiste sichtbar. Hier wechselt man zwischen dem eigenen Status, den Kontakten, den Chats und den anstehenden Besprechungen und Terminen. Beim eigenen Status lässt sich zwischen Modi wie "Verfügbar", "Nicht stören" oder "Als abwesend anzeigen" wechseln. Außerdem sind hier noch die Optionen für den eigenen Account konfigurierbar. Beispielsweise kann hier die Protokollierung aktiviert werden. Bei den Kontakten lässt sich zwischen Lync und iPad wechseln - bei Letzterem wird auf die Kontakte des Tablets zurückgegriffen. Bei den Lync-Kontakten sieht man die Namen bisheriger Chat-Partner gruppiert als angeheftete Kontakte oder bereits verwendete Namen.

Die App zeigt unter den Lync-Kontakten auch den jeweiligen Status der Kollegen an, beispielsweise "Verfügbar" oder "Abwesend - 11 Minuten". Wird auf einen Kontakt getippt, erscheint dessen Visitenkarte mit allen bei Lync hinterlegten Informationen wie Telefonnummer, E-Mail, Firma oder Büro. Auf der Visitenkarte gibt es die drei Symbole Chat, Telefon und E-Mail. Tippt man auf das Chat-Symbol, kann die Unterhaltung beginnen. Innerhalb einer Konversation stehen mit dem Weiterleiten-Symbol (rechts oben) verschiedene Optio-nen parat: Hier lassen sich andere Kontakte für eine Gruppenunterhaltung hinzufügen. Standortinformationen können in einem Chat ebenfalls übermittelt werden. Dies ist unterwegs praktisch, um sich beispielsweise auf Messen zu finden. Als Dienst nutzt Microsoft die eigenen Bing-Maps. In einer Lync-Besprechung lassen sich auch beispielsweise Powerpoint-Präsentationen anzeigen.

Unter dem Strich eignet sich Lync auf dem iPad mit Abstrichen durchaus für den Unternehmenseinsatz. Auf dem iPad können jederzeit - egal ob innerhalb des Firmen-WLAN oder außerhalb - Unterhaltungen mit den Kollegen geführt werden. Praktisch ist vor allem, dass der jeweilige Status der Lync-Kontakte angezeigt wird. Wünschenswert wäre allerdings eine Videofunktionalität.

Lync auf Android

Abstriche hinischtlich des Funktionsumfangs muss auch der Android-Nutzer machen - oder anders formuliert, auf dem Tablet oder dem Smartphone fehlen wie in der Apple-Welt die Video- und VoIP-Funktionen. Zumindest für Voice-Konferenzen können sich Anwender aber behelfen: Geben sie unter Optionen ihre Mobilfunk- oder Skype-Nummer ein, können sie von den Kollegen in Konferenzschaltungen auf diesem Weg eingebunden werden.

Ansonsten stellt Lync 2010 auf der Android-Plattform Funktionen wie die Anwesenheitsinformationen oder Instant Messaging bereit sowie auf Smartphones Anruffunktionen. Mit den verfügbaren Kollegen kann der User dann per Chat, E-Mail oder Telefonanruf kommunizieren. Wie die iPad-App lässt sich auch das Android-Pendant ohne VPN nutzen. Zum Schutz der Kommunikation setzt Microsoft hier ebenfalls auf TLS (Transport Layer Security).

Den kostenlosen Client Lync 2010 für Android findet der Anwender im Play Store von Google. Einen Lync-/Office-365-Account vorausgesetzt, benötigt der User keine weiteren Kenntnisse zur Installation.

Bedienung

Die Lync-Android-App.
Die Lync-Android-App.
Foto: Microsoft

Die Android-App ist in der Praxis kinderleicht zu bedienen, denn sie besteht lediglich aus den drei Schaltflächen "Meine Infos", "Kontakte" sowie "Chats", die oben auf dem Display eingeblendet werden. Unter "Meine Infos" kontrolliert der Anwender den eigenen Präsenzstatus, Anrufweiterleitung sowie die wenigen Einstellungen wie Vibrationsalarm oder Symbolanzeigen. Zentraler Dreh- und Angelpunkt der App sind die "Kontakte". Hier wird dem Anwender wie vom Desktop gewohnt der Präsenzstatus der Kollegen angezeigt. Tippt der User mit dem Finger auf den Kontakteintrag, öffnet sich die Visitenkarte des Kontakts.

Hier finden sich dann auch die drei Symbole, mit denen sich eine Kommunikation per Mail, Chat oder Telefon starten lässt. Soll per Mail oder Telefon kommuniziert werden, öffnet Lync weitere Apps wie etwa das Telefonwahlfeld des Smartphones. Im Falle der Mail-Kommunikation wird dann die entsprechende Mail-App gestartet - auf unserem Testgerät beispielsweise "TouchDown" von Nitrodesk, ein bewährter Exchange-Client für Android.

Im Alltag hinterließ die Arbeit mit Lync für Android einen zwiespältigen Eindruck. Positiv hervorzuheben ist sicher, dass man auf diese Weise auch unterwegs mit einem Blick über den Präsenzstatus der Kollegen informiert ist und in wenigen Bedienschritten eine Kommunikation einleiten kann. Der Chat ist allerdings angesichts der kleinen Smartphone-Tastaturen im Alltag nur als Notlösung zu gebrauchen. Selbst auf dem Android-Tablet konnte eine Unterhaltung per Chat das Testteam nicht begeistern.

Lnyc auf Windows-Tablets

Positiv überraschte dagegen ein Lync-Chat auf dem Windows-Tablet. Unser Testgerät, ein "CL910 Tablet PC" von Motion Computing, verfügte neben der normalen Eingabe per Fingertouch noch über einen elektronischen Digitizer. Und Letzterer sorgte in Kombination mit Lync für einen Whow-Effekt: Im Lync-Chat konnten wir mit dem Kollegen im Office per Stifteingabe handschriftlich kommunizieren. Während Lync die Schreibschrift an den Kommunikationspartner übertrug, las der mobile Mitarbeiter wie gewohnt die eingetippten Messages des Kollegen auf dem Tablet.

Insgesamt vermochte Lync auf dem Windows Tablet zu überzeugen, denn hier muss der Anwender unterwegs auf keine Funktionen verzichten. Ob Videokonferenz, Collaboration oder VoiP-Konferenz - alle Features sind auch mobil nutzbar. Allerdings muss die verfügbare Bandbreite stimmen. So hatten wir in öffentlichen WLAN-Hotspots Probleme, zuverlässige Videoverbindungen herzustellen.

Fazit

Sowohl in Sachen Lync für das iPad als auch für Android gibt es noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Gerade LyncPoweruser vermissen Features wie Videoconferencing oder Collaboration. Wird im mobilen Unternehmensalltag darauf Wert gelegt, bleibt derzeit nur der Griff zu einem Windows-basierten Tablet. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass Microsoft bei den nächsten Versionen für iPad und Android nachbessert. Allgemein ist Lync im mobilen Einsatz ein nützliches Tool, um über unterschiedliche Kommunikationskanäle schnell mit Kollegen in Kontakt zu treten. (mhr)