Unified Communications-Software

Microsoft Lync 2013 – einsatzbereit für die Praxis?

06.06.2013 | von 
Wolfgang Bach ist Consultant bei Computacenter.
Das Lync-Release 2013 von Microsoft hält einige Weiterentwicklungen bereit. Wir stellen die jüngste Version der Unified-Communications-Software für mobile Betriebssysteme, virtuelle Desktops und Windows 8 vor.

Ein Leben ohne Unified Communications können sich viele Unternehmen nicht mehr vorstellen. Andere haben mit der Einführung gezögert, da sie auf eine optimale Lösung warten. Besonders wichtig sind dabei heutzutage die nahtlose Integration von iPhones oder Android-Geräten sowie ein reibungsloser Betrieb in virtuellen Desktops. Für Lync 2013 hatte Microsoft entsprechende Optimierungen versprochen. Was ist daraus geworden? Und welche weiteren Neuerungen bringt Microsoft Lync 2013?

Neue Oberfläche

Auf den ersten Blick sieht die neue Oberfläche von Lync 2013 vielversprechend aus: Durch die übliche Anpassung an das Design von Windows 8 wirkt sie strukturierter und übersichtlicher. Die überwiegend weiße, spartanische Oberfläche ist zwar im Vergleich zum bunten Vorgänger anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, passt aber besser ins berufliche Umfeld und bietet kompakt viele Funktionen. Diese sind auch schnell erreichbar, da die Menüs ähnlich geblieben sind.

Einfache Konferenzen

Nach dem gewohnten Einloggen per Single-Sign-on unter Windows sind sofort alle bisherigen Kontakte je nach Verfügbarkeit und Gruppen sichtbar. Konferenzen lassen sich so einfach wie in der Vorgängerversion starten. Ein Klick genügt für die Anwahl, das Hinzufügen weiterer Personen oder die Desktop-Freigabe. Erstmals können nun zwei Monitore für Videokonferenz sowie Desktop Sharing oder die Anzeige der Tagesordnung genutzt werden. Schon vor einer Videokonferenz lässt sich über die Anzeige "videofähig" erkennen, ob der andere Teilnehmer eine Kamera verwendet. Zudem ist beim Videoconferencing jetzt die Darstellung von Live-Bildern von bis zu fünf Teilnehmern gleichzeitig möglich. Bislang schaltete der Client die Videoübertragung immer automatisch auf den aktuellen Sprecher. Durch die parallele Live-Übertragung aller Teilnehmer steigt das Gefühl deutlich, an einem echten Meeting teilzunehmen statt an einer Konferenzschaltung.

Bessere Übertragung

Auch die Übertragungsqualität wurde deutlich verbessert. Statt nur maximal VGA für Videokonferenzen sorgt nun eine bis zu 1080p-HD-Auflösung für deutlich klarere und dynamischere Bilder. Damit diese auch flüssig angezeigt werden, ist jedoch eine ausreichende Bandbreite und Latenz nötig. Dies gilt vor allem bei mobilen Clients, die zumindest per 3G, besser 4G oder Wi-Fi zugeschaltet sein sollten, um IP-Audio oder Video nutzen zu können. Bei nicht ausreichender Datenrate reduzieren sowohl der mobile Lync-Client als auch der Desktop-Client die Auflösung.

Mobile Verbindung

Im Vergleich zur Vorgängerversion ist es überhaupt erstmals möglich, über mobile Geräte an Videokonferenzen teilzunehmen oder diese sogar direkt zu starten. Mit App Lync Mobile erhalten Nutzer eine speziell auf Smartphones ausgerichtete Version des Programms mit Touch-Funktionalität und einer modernen Oberfläche. Auch echte IP-Telefonie ist damit möglich und muss nicht mehr über den Server initiiert werden. Microsoft hat bei Lync Mobile ganze Arbeit geleistet: Es ist weitgehend egal, ob sich der Teilnehmer per Windows Phone, iPhone oder Android-Smartphone hinzuschaltet. Die Funktionsunterschiede sind nur minimal und im Alltag nicht zu bemerken. Für viele Unternehmen ist dieser funktionale Gleichstand zwischen den mobilen Betriebssystemen sehr wichtig, vor allem wenn Mitarbeiter eigene Geräte nutzen.

Kommunikation

Apropos ByoD: Nicht nur bei Geräten, auch bei Anwendungen verschmelzen Berufs- und Privatleben immer stärker miteinander. Entsprechend hat Microsoft seine beiden Echtzeit-Kommunikationsplattformen miteinander verbunden. So können die beruflichen Lync-Nutzer reibungslos mit den privaten Skype-Kontakten chatten und telefonieren. Videokonferenzen zwischen den Systemen sollen ab Mitte 2013 möglich sein. Doch auch jenseits fest installierter Microsoft-Anwendungen kommt man nun einfacher ins Gespräch. Mit der neuen Version reicht eine einfache Einladung per Mail mit einem entsprechenden Link. Selbst wer aus Sicherheitsgründen, wegen interner Richtlinien oder beim Zugriff über einen öffentlichen Rechner keinen Lync-Client nutzen darf, kann nach der weitgehend automatischen Installation eines Plug-ins ohne Eingabe eines Administrator-Passworts per Web Client an der Audio- oder Videokonferenz mit Desktop Sharing teilnehmen. Zudem gibt es auch für OS X einen Lync-Client.

Chat-Archiv

Eine Besonderheit von Microsoft Lync sind die Group Chats, die nun Persistent Chats heißen. Dies sind Chat-Räume, deren Kommunikation gespeichert und archiviert wird. Vor allem Finanzdienstleister mit hohen Compliance-Anforderungen für "Wer hat wem was wann gesagt" profitieren von dieser Funktion. Sie dient zudem als Dokumentenablage, Knowledge Base, Ask-the-Expert und Q&A-Forum. In der neuen Version 2013 sind diese Chat-Räume nicht mehr in einem separaten Client untergebracht, sondern in der Hauptanwendung integriert. Dies erleichtert das Management sowie das ständige Offenhalten der Chats. Zudem erhält der Nutzer nun einen besseren Überblick, wer sich in welchem Chatraum befindet.

Fest installiert oder Cloud?

Mit Office 365 gab es erstmals auch die Cloud-basierte Version Lync Online. Diese wurde nun gemeinsam mit der fest installierten Server-Variante aktualisiert. Welche Version sich für Unternehmen besser eignet, lässt sich nicht pauschal beantworten, hier kommt es auf die individuellen Nutzungsszenarien, internen Richtlinien und Compliance-Anforderungen an. Die "Kaufversion", also Lync Server 2013, besitzt den Vorteil des kompletten Funktionsumfangs. Zudem lässt sie sich deutlich flexibler an individuelle Bedürfnisse anpassen, sowohl bezüglich des Server-Designs als auch der Erweiterung von Funktionen durch Eigenentwicklungen oder Partner-Lösungen. Auch die Integration in die eigenen Sharepoint- und Exchange-Installationen sowie in Collaboration-Lösungen von Drittanbietern erfolgt reibungsloser.

Für viele geschäftskritisch dürften die Punkte Hochverfügbarkeit und Redundanz sein, die nur eine Installation im eigenen Rechenzentrum oder bei dedizierten Hostern zuverlässig gewährleistet. Ein weiteres wichtiges Argument pro Lync Server ist die eigenständige Telefoniefunktion, die derzeit mit Lync Online noch nicht möglich ist.

Microsoft ermöglicht aber mit der Version 2013 erstmals hybride Installationen aus Online- und Server-Version. Das bedeutet, dass Unternehmen Lync Online gemeinsam mit einer Lizenz für Lync Server nutzen können. Diese dient als Brücke in die Cloud, so dass eine lokal vorhandene Telefonanlage integriert werden kann.

Thin Clients

Erstmals ist eine echte Audio- und Videoübertragung auch auf Thin Clients möglich, allerdings nicht auf allen. Microsoft hat eng mit den verschiedenen Herstellern zusammengearbeitet, um das "Lync VDI 2013 Plug-In" zu entwickeln. Voraussetzung ist mindestens Windows 7 und eine On-Premise-Installation, da Office 365 keine Thin-Client-Unterstützung bietet. Welche Geräte Lync-fähig sind, lässt sich über den jeweiligen Hersteller erfahren. Die Lauffähigkeit auf Thin Clients in Citrix- oder Microsoft- Terminal-Server-Installationen war für viele Unternehmen ein wichtiges Argument, auf die Version Lync 2013 zu warten.

Systemvoraussetzungen

Gibt es auch Nachteile der neuen Version im Vergleich zur bisherigen? Von den Funktionen her sicher nicht, denn der Umfang wurde deutlich erweitert. Gemeinsam mit der verbesserten Übertragungsqualität und der erweiterten möglichen Teilnehmerzahl erhöht dies aber auch die Anforderungen an die Systemvoraussetzungen. So werden heute Server-seitig mindestens Sechs-Kern-Prozessoren und 32 GB Arbeitsspeicher empfohlen, dies entspricht etwa der doppelten Leistung im Vergleich zur Version 2010. Die Bandbreite der Netzwerk-Infrastruktur sollte für ruckelfreie Bilder in Spitzenzeiten, wie in der bisherigen Version, zumindest 500 Mbit/s betragen.

Aufgrund von HD-Video und Multiparty-Video können die Ansprüche an das Netzwerk jedoch je nach Nutzerverhalten weiter steigen. Auf Client-Seite fordert die neue Version Windows 7 oder höher. Allerdings muss Windows XP sowieso spätestens bis April 2014 aus Unternehmen verschwinden, da der Support ausläuft. Als Server-Betriebssystem genügt Windows Server 2008 R2. Microsoft empfiehlt aber Windows Server 2012 aufgrund der höheren Performance.

Fazit

Microsoft ist mit Lync 2013 ein großer Wurf gelungen. Zu den praktischen und von vielen Unternehmen geforderten Neuerungen gehören die Gleichbehandlung von mobilen Geräten, die Kompatibilität mit Thin Clients, die einfache Verbindung mit Nicht-Lync-Nutzern, die nahtlose Verknüpfung zu Skype, die vielen Verbesserungen für Videokonferenzen sowie die höhere Übertragungsqualität. Um diese sicherzustellen, bietet Microsoft weiterentwickelte Monitoring-Tools an, die Administratoren über ein Dashboard detaillierte Einsichten zur Kontrolle von Nutzung und Qualität ermöglichen - bis hin zu einzelnen Konferenzen, Headsets und Webcams. So können Unternehmen ihren Mitarbeitern eine moderne Kommunikationsanwendung gemeinsam mit der Oberfläche von Windows 8 sowie aktuellen Geräten und Touch-Funktionen bereitstellen. (hi)

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