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Microsoft-Kunden hängen an Windows 2000

15.06.2005
Während Microsoft nur noch von Longhorn redet, laufen einer aktuellen Studie zufolge noch fast die Hälfte aller Unternehmens-PCs unter Windows 2000.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft tut sich offenbar schwer, Unternehmenskunden zum Umstieg auf seine aktuellste Betriebssystemversion Windows XP zu überzeugen. Laut einer Studie der Marktforscher von AssetMetrix liefen im ersten Quartal 2005 rund 48 Prozent aller Firmen-PCs unter Windows 2000. Das bedeutet zwar einen Rückgang um vier Prozentpunkte im Vergleich zum vierten Quartal 2003. Dennoch liegt das Betriebssystem deutlich vor seinem Nachfolger Windows XP, der in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf rund 38 Prozent aller Unternehmensrechner eingesetzt wurde (Q4/2003: 6,6 Prozent).

"Windows 2000 spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in vielen IT-Umgebungen", lautet das Fazit von Steve O'Halloran, Managing Director von AssetMetrix. Viele Kunden würden Softwareversionen, die sie teuer eingekauft hätten und die nach wie vor gut funktionierten, nur sehr zögerlich ablösen. Das könnte sich langfristig zu einem Problem für Microsoft entwickeln, das Milliarden Dollar in die Entwicklung neuer Versionen seiner Betriebssysteme und Office-Varianten steckt.

"Die Kunden lassen sich Zeit mit ihren Upgrades", stellt auch Michael Cherry, Analyst von Directions on Microsoft fest. Offenbar lassen sich die Anwender auch durch die Abkündigung der Standardwartung des Systems nicht davon abhalten. So beabsichtigt Microsoft, Ende Juni 2005 den Support für Windows 2000 einzustellen. Danach wird es Patches nur noch für die relevantesten Sicherheitslöcher geben. Alle Supportanfragen außerhalb des Sicherheitsbereichs müssen die Kunden ab Juli extra bezahlen. Zum Ende des Wartungszyklus plant Microsoft, noch einmal eine Art Service Pack für Windows 2000 herauszubringen. Der Umfang des Paketes soll jedoch geringer sein als der des Service Pack 4, das im Juni 2003 ausgeliefert worden war. Über die Inhalte und den Erscheinungstermin gibt es bislang keine detaillierten Auskünfte.

Microsoft ist in Sachen Windows 2000 ein Opfer seines eigenen Erfolges, erläutert O'Halloran. Mit dem System habe Microsoft viele Verbesserungen in Punkto Sicherheit und User Interface implementiert. Zahlreiche Nutzer hätten daraufhin ihre gesamte Systemlandschaft mit den entsprechenden Management-Tools auf Windows 2000 abgestimmt, und würden daher nun vor einem Upgrade zurückschrecken. "Es funktioniert zu gut", bilanziert der Analyst.

Auch das Ende des Supportzyklus werde kaum Auswirkungen zeigen, glaubt O'Halloran. Zwar würde der Prozentsatz der Windows-2000-Anwender weiter bröckeln. Von einem regelrechten Umschwung in Richtung XP werde man hingegen kaum sprechen können. Seiner Einschätzung nach würden etliche Windows-2000-Nutzer sogar auf Microsofts kommende Betriebssystemgeneration Longhorn warten, die in der zweiten Jahreshälfte 2006 herauskommen soll, und Windows XP überspringen. Allerdings so warnt der Analyst, könnte der Umstieg von Windows 2000 auf Longhorn schwieriger zu bewerkstelligen sein, als der Schritt auf Windows XP. Darauf müssten die Anwender vorbereitet sein. (ba)