Software testen und evaluieren

Microsoft kündigt TechNet-Abos ab

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Wer künftig Software von Microsoft evaluieren oder testen möchte, muss sich mit zeitlich befristeten Lizenzen oder dem teureren MSDN-Dienst anfreunden. Einzelne Entwickler und kleinere Firmen protestieren und wollen Widerstand organisieren. Aus Sicht der Business-Anwender scheint der Schritt Microsofts dagegen konsequent.

Microsoft hat angekündigt, nur noch bis Ende August die für ein Jahr gültigen TechNet-Abos verkaufen zu wollen. Wer den Dienst bis dahin ordert, muss diesen bis spätestens zum 30. September registrieren und aktivieren. Bestehende Verträge bleiben bis zum Ende ihrer Laufzeit gültig, versicherte der Softwarekonzern. Abonnenten, deren TechNet-Subscription bis zum 30.September dieses Jahres abläuft, können ihren Vertrag einmalig um ein Jahr verlängern. Das muss allerdings bis spätestens zum 31. August 2013 passieren. Auch die Aktivierung muss wie bei den Neukäufen bis Ende September abgeschlossen sein.

Foto: Microsoft

Die TechNet-Abonnements sind für IT-Professionals und Unternehmen eine günstige Möglichkeit, an Testversionen von Microsoft-Software zu kommen. Je nach Abo-Stufe stehen bestimmte Programme ohne Beschränkungen zur Verfügung. Gedacht ist die via TechNet bereitgestellte Software für "IT-Experten, die Microsoft-Software evaluieren und Bereitstellungen planen möchten", heißt es bei Microsoft. Die Preise liegen zwischen rund 210 Euro für das "TechNet Standard" und gut 640 Euro für "TechNet Professional with Media". Bestehende Verträge zu verlängern, kommt mit etwa 160 bis 480 Euro günstiger als ein Neukauf. Die Abonnements werden pro Benutzer lizenziert.

Doch mit dem Herunterladen von Software ist spätestens ab dem 30. September 2014 Schluss. Ab diesem Zeitpunkt wird es keinen Zugriff mehr auf den Download-bereich geben, stellt Microsoft klar. Außerdem werden sich keine Lizenzschlüssel mehr abrufen lassen. Die TechNet-Website wird es dem Softwarehersteller zufolge allerdings weiter geben. Dort soll es auch in Zukunft Support für Microsoft-Software geben wie beispielsweise die Virtual Academy, ein kostenloses Online-Lernportal mit technischen Schulungen, sowie die TechNet-Foren, in denen Anwender technische Fragen an die Community richten können.

Neue Softwarequellen

Für Software müssen die Anwender jedoch andere Quellen anzapfen. Microsoft stellt dafür zum Beispiel das TechNet-Evaluierungscenter bereit. Hier gibt es kostenlose Evaluierungssoftware ohne Funktionsbeschränkungen, die zwischen 30 und 180 Tagen genutzt werden darf. Außerdem können IT-Professionals über das Microsoft Developer Network (MSDN) an Software kommen. Hier kosten die Jahres-Abonnements allerdings deutlich mehr als im TechNet: Die Preise für die derzeit fünf verschiedenen Abo-Stufen bewegen sich zwischen etwa 750 und fast 14.250 Euro.

Microsoft begründet die Umstellung damit, dass kostenlose Evaluierungsmöglichkeiten und -ressourcen für die Nutzer zuletzt immer wichtiger geworden seien und stärker nachgefragt wurden - im Gegensatz zu den zahlungspflichtigen Angeboten. Man werde sich deshalb in Zukunft verstärkt auf den Ausbau von kostenlosen Angeboten für IT-Experten konzentrieren, verlautete von Seiten des Konzerns.

Branchenkenner vermuten indes auch andere Gründe. "Tatsächlich dürfte es Microsoft auch darum gehen, den zweifellos vorhandenen Missbrauch der Testlizenzen abzustellen", schreibt Wolfgang Sommergut in seiner Online-Publikation "WindowsPro". Dieser bestehe nicht nur darin, dass Fälscherbanden die Lizenzschlüssel für illegale Kopien genutzt hätten, sondern auch in der großzügigen Auslegung der Nutzungsrechte durch die Anwender. Microsoft räumt zwar ein, dass der TechNet-Subscriptions-Dienst in der Vergangenheit von Piraterie und Lizenzmissbrauch betroffen gewesen sei, "es gibt jedoch keinen Faktor, der für sich allein genommen zur Entscheidung zur Einstellung des TechNet-Subscriptions-Diensts geführt hat".

Währenddessen formiert sich Widerstand gegen die Abschaltung des TechNet. Im Internet kursieren Aufrufe sich gegen die neue Microsoft-Strategie zu wehren und Petitionen gegen die Umstellung zu unterstützen. Kritiker warnen, dass sich Microsoft damit gerade in Kreisen seiner Entwickler-Community keine Freunde mache. TechNet-Subscriptions seien extrem wichtig. Sie erlaubten IT-Professionals Produkte ohne zeitliche Einschränkungen zu evaluieren. IT-Abteilungen könnten die Software testen, um sicherzugehen, dass diese passt, bevor sie eingeführt werde. Deshalb müsse man den Druck auf den Softwarekonzern erhöhen. Von alleine werde Microsoft sicher nicht zurückrudern.

MBUF: "TechNet hat sich überholt"

Foto: Microsoft

Beim Microsoft Business User Forum (MBUF) sieht man die Situation rund um die Abschaltung des TechNet dagegen deutlich entspannter. Zwar habe man auch eine kontroverse Diskussion in einschlägigen Internet-Foren registriert. "Einen ähnlichen Aufschrei aus den eigenen Reihen unserer Mitglieder konnten wir allerdings nicht verzeichnen", verlautete von Seiten der Anwendervereinigung. Einschränkungen für Entwickler sehen die MBUF-Verantwortlichen nicht. "Durch entsprechende Volumenvertragswerke kommen die Unternehmen gut ohne TechNet aus." Außerdem sei die beliebte TechNet Library DVD mit Tipps und Tricks längst online abgelöst worden.

"Die TechNet-Idee ist durch die Möglichkeiten der Internet-Angebote, insbesondere auch von Microsoft, überholt", lautet das Fazit des MBUF. "Die Microsoft-Ankündigung, das Programm so nicht weiterzuführen, scheint damit konsequent." Bei einem Großteil der MBUF-Mitgliedsunternehmen sei TechNet bereits seit längerem durch andere Programme oder durch die Möglichkeiten aus Lizenzverträgen ersetzt. (mhr)