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Microsoft kauft sich ins Breitbandgeschäft ein

07.05.1999
Fünf-Milliarden-Dollar-Deal mit AT&T

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die gestrigen Spekulationen über einen Einstieg von Microsoft beim Telco-Riesen AT&T haben sich bestätigt: Die Gates-Company investiert fünf Milliarden Dollar in den größten US-Carrier und kauft sich damit noch tiefer in das boomende Breitband-Business ein (Microsoft ist bereits mit einer Milliarde Dollar an Comcast beteiligt). Microsoft erhält Aktienoptionen, die bei kompletter Ausübung den Besitz von 106,7 Millionen Anteilscheinen oder 3,4 Prozent von AT&T bedeuten. Im Gegenzug setzt der Carrier Microsofts Betriebssystem Windows CE in seinen TV-Set-top-Boxen ein - allerdings nicht exklusiv - und testet in zwei US-Städten neue digitale Kabeldienste.

"Microsoft will einen Platz in der neuen Breitbandwelt, und den haben sie sich nun gekauft", bringt Jim Balderston von Zona Research die Sache auf den Punkt. "Fünf Milliarden Dollar sind recht hilfreich, um AT&T´s Bedenken gegen Windows CE halbwegs aus dem Weg zu räumen." Viele Kritiker bezweifeln ohnehin, daß Windows CE für die Bedürfnisse der Kabelanbieter taugt. Bislang ist es Microsoft nicht einmal gelungen, das abgespeckte Windows in den mittlerweile hauseigenen Set-top-Boxen von WebTV zum Laufen zu bringen.

In jedem Fall wird wieder einmal Microsofts immer offensichtlichere Strategie deutlich, keinen Technik-Trend zu verpassen. Ein Fast-Fauxpas wie im Internet-Browser-Geschäft, das die Gates-Company um ein Haar an Netscape verloren hätte, soll nicht noch einmal passieren. Wo das Redmonder Softwarehaus keine eigenen oder schlechtere Produkte vorweisen kann, nutzt es seine Finanzkraft und Marktposition, um sich allen Antitrust-Bedenken zum Trotz Zugang zu neuen Märkten zu verschaffen.

Die Bargeldreserven des mit einem Marktanteil von 90 Prozent Quasi-Monopolisten im Bereich der Desktop-Betriebssysteme betragen üppige 20 Milliarden Dollar. Auf einer Konferenz erklärte Microsoft bereits locker, die Fünf-Milliarden-Dollar-Finanzspritze in AT&T werde keinerlei Auswirkungen auf die Bilanz haben. Im Nebensatz erwähnte der Softwareriese noch beiläufig, er werde von Media-One deren knapp 30prozentigen Anteil an TeleWest Communications, dem zweitgrößten Kabelanbieter Großbritanniens, für eine nicht genannte Summe übernehmen.