Konzentration im Public-Cloud-Markt

Microsoft, Google und IBM schnappen sich Cloud-Kunden

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Amazon Web Services bleibt der dominierende Player im Markt für Public-Cloud-Services. Die Verfolger Microsoft, Google und IBM wachsen vor allem auf Kosten von kleineren Cloud-Anbietern.

Die Großen gewinnen, die Kleinen verlieren. So lässt sich die anhaltende Konzentration im milliardenschweren Public-Cloud-Markt beschreiben. Zwar bleibt Amazon Web Services (AWS) mit einem Marktanteil von 40 Prozent unangefochten an der Spitze. Doch die drei wichtigsten Konkurrenten Microsoft, Google und IBM konnten ihre Anteile im vierten Quartal 2016 um fünf Prozentpunkte auf zusammen 23 Prozent steigern. Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungshaus Synergy Research in einer aktuellen Studie.

Das Wachstum der AWS-Verfolger geht auf Kosten der übrigen Player im Public-Cloud-Segment, zu dem die Auguren sowohl Infrastructure as a Service (IaaS) als auch Platform as a Service (PaaS) zählen. So verliert die Gruppe der zehn folgenden Anbieter, darunter auch Oracle und die chinesische Alibaba, im Jahresvergleich leicht und kommt nicht über einen Anteil von 20 Prozent hinaus. Dahinter platziert sich ein großes Feld kleiner und mittlerer Cloud-Provider, deren Anteil um vier Prozentpunkte auf 18 Prozent gesunken ist (siehe Grafik).

AWS hält seinen Marktanteil von 40 Prozent. Das Wachstum der drei Verfolger geht zu Lasten kleinerer Cloud-Provider.
AWS hält seinen Marktanteil von 40 Prozent. Das Wachstum der drei Verfolger geht zu Lasten kleinerer Cloud-Provider.
Foto: Synergy Research Group

Amazons Cloud-Geschäft treibt Gewinnspanne nach oben

Wie stark die Position des Branchenprimus ist, lässt sich an den jüngsten Amazon-Geschäftszahlen ablesen. Im vierten Quartal 2016 steigerte Amazon Web Services seine Umsätze um fast 50 Prozent auf 3,54 Milliarden Dollar, die operative Gewinnmarge lag bei 26 Prozent. Der Cloud-Arm wird damit auch für den Amazon-Konzern insgesamt immer wichtiger. In der Pressemitteilung zu den Jahresergebnissen listet der E-Commerce-Riese 38 "Highlights" auf, AWS wird darin mehr als fünfzigmal erwähnt. Im vergangenen Jahr ist es AWS gelungen, eine Reihe prominenter und großer Kunden zu gewinnen, darunter den Finanzdienstleister Capital One, das amerikanische Transportunternehmen Matson und den SaaS-ERP-Anbieter Workday. Selbst alteingesessene Unternehmen wie der italienische Energiekonzern Enel schließen zum Teil ganze Rechenzentren und schieben ihre Workloads in die Amazon-Cloud.

Microsoft meldet 95 Prozent Wachstum für Azure-Dienste

Aber auch die großen AWS-Konkurrenten legen zum Teil stattliche Wachstumszahlen vor, zumindest wenn man die offiziellen Angaben für bare Münze nimmt (siehe auch: Wie IT-Konzerne ihre Cloud-Umsätze frisieren). So meldet IBM für das vierte Quartal 2016 Cloud-Umsätze von 4,2 Milliarden Dollar und damit ein Wachstum von 33 Prozent. Microsoft will seine Einnahmen mit Azure-Diensten sogar um 95 Prozent gesteigert haben. In der Bilanz der Google-Mutter Alphabet finden sich unter der Rubrik "Other Revenue", zu der vor allem Cloud-Einnahmen gezählt werden, Umsätze in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 62 Prozent. Die Analysten von Synergy Research sehen zudem auch bei Oracle und Alibaba "eindrucksvolle Wachstumsraten" im Cloud-Geschäft. Unterm Strich summierten sich die weltweiten Umsätze im Public-Cloud-Markt im vierten Quartal auf mehr als neun Milliarden Dollar.

Wie gut ist Ihr Systemhaus?

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Obwohl die Wachstumskurve von AWS allmählich flacher zu werden scheint, glauben die Auguren an eine unverändert starke Position des Branchenprimus. "Wer in diesem Markt eine führende Position behaupten will, braucht permanente Investitionen in die Infrastruktur, ein stetig wachsendes Service-Portfolio und das Vertrauen großer Unternehmen", kommentiert Chefanalyst John Dinsdale die Zahlen. Aber auch die operativen Prozesse und die Rückendeckung aus dem Topmanagement seien wichtige Erfolgsfaktoren. All diese Voraussetzungen seien im Fall von AWS gegeben. Wer ernsthaft mit dem Cloud-Riesen konkurrieren wolle, müsse ebenfalls daran arbeiten.