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Microsoft-Gegner plädieren für Kartellberufung

23.12.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zwei US-amerikanische IT-Branchenverbände, hinter denen vor allem Konkurrenten von Microsoft stehen, haben sich für eine weitere Berufung gegen den zwischen dem Softwarekonzern und dem US-Justizministerium erzielten und von Richterin Colleen Kollar-Kotelly im Wesentlichen übernommenen Vergleich ausgesprochen.

"Unsere Mitglieder sind von den Bestimmungen des Vergleichs direkt betroffen", erklärte Ken Walsh, President der Software and Information Industry Association (SIIA), die eine entsprechende Petition gemeinsam mit der Computer and Communications Industry Association (CCIA) vorlegte. "Nach sorgfältiger Prüfung der Übereinkunft und des Urteils der Richterin sind wir respektvoll zu dem Schluss gekommen, dass der Vergleich nicht im öffentlichen Interesse ist. Wir glauben, dass das Berufungsgericht die Gelegenheit bekommen sollte, sich der Sache noch einmal anzunehmen." Sollte Kollar-Kotelly dem zustimmen, dann sähe sich der Court of Appeals bereits mit zwei Einsprüchen gegen den Richterspruch konfrontiert. Auch die beiden US-Bundesstaaten West Virginia und Massachusetts, beide unter den neun Staaten, die dem Vergleich nicht im ersten Anlauf zugestimmt hatten, hatten Berufung angekündigt (Computerwoche online berichtete).

Unterdessen hat EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti angekündigt, im Brüsseler Verfahren gegen den Softwarekonzern werde vermutlich Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung fallen. Das später begonnene europäische Verfahren ist inhaltlich anders gelagert und konzentriert sich auf die Vorwürfe, Microsoft habe versucht sein Monopol bei Desktop-Betriebssystemen auf den Server-Bereich auszudehnen und durch das Bundling des "Windows Media Player" die Konkurrenz im Streaming-Markt geschädigt. Auch die Aktivitäten des Redmonder Konzerns im Markt für Smartphone-Betriebssysteme könnten zu einem Streitpunkt werden. (tc)