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Antitrust-Prozeß

Microsoft-Fiasko setzt sich fort

24.02.1999
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Antitrust-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach dem vergangenen Montag hätte man eigentlich gedacht, daß es für Microsofts Fachmann für Neue Technologien, Dan Rosen, nicht mehr schlimmer kommen konnte. Der Dienstag jedoch wurde zu einem neuerlichen Waterloo für die Gates-Company, als Chefankläger David Boies Rosen endgültig auseinandernahm.

Beim Verhör ging es diesmal vor allem um den Termin, an dem Rosen erstmals eine Kopie des Netscape-Browsers "Navigator" zu Gesicht beziehungsweise in die Finger bekommen hatte. Der Microsoft-Mann hatte zunächst ausgesagt, er habe das Konkurrenzprodukt erstmals im Juli 1995 und damit nach dem sogenannten "Marktaufteilungs-Meeting" vom 21. Juni erhalten. Boies präsentierte zunächst eine E-Mail von Rosen an seinen Kollegen Tom Johnston, in der es - mit Datum vom 11. Mai - hieß: "Kann ich mir die Kopie von Netscapes neuem Windows-95-Client mal leihen oder kopieren, die sie uns gegeben haben?" Damit konfrontiert, murmelte Rosen etwas von einer "Beta-Version, die nicht richtig starten wollte". Boies insistierte daraufhin: "Sie erinnern sich gar nicht daran, oder? Das haben Sie eben erfunden - ist es nicht so?" Rosen beteuerte, er erinnere sich ganz genau.

Boies bohrte daraufhin weiter, wann der Microsoft-Manager denn nun den Navigator erstmals erhalten habe, im April oder im Mai. Rosen behauptete nochmals, das Programm erst im Mai bekommen zu haben. Boies brachte nun eine weitere E-Mail bei, in der Rosen fragte: "Weißt Du, wer Netscapes Win-95-Browser mitgenommen hat, den wir beim letzten Meeting erhalten haben? Ich hätte gern eine Kopie davon." - und das am 27. April 1995.

Ein sichtlich geknickter Dan Rosen gestand daraufhin: "Ich muß mich korrigieren." Auf eine Nachfrage von Boies mußte der Microsoft-Mann sogar einräumen, daß er bei dem besagten Meeting persönlich anwesend gewesen war. Als anschließend Michael Lavora, Anwalt der Gates-Company, nach vorn eilte, um in seiner abschließenden Vernehmung von Rosen das Schlimmste zu verhüten, wurde er von Richter Thomas Jackson mit den süffisanten Worten begrüßt: "Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie junge Menschen historische Bemühungen in Angriff nehmen."