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Microsoft enthüllt seine Schwachstellen

18.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat erstmals in einem Quartalsbericht die Finanzergebnisse nach Sparten getrennt aufgelistet. Wie aus der Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, schrieb der Softwareriese im Ende September abgeschlossenen ersten Quartal lediglich in den drei "Windows"-Bereichen Client-, Server- und Anwendungssoftware Gewinne. Draufzahlen musste Microsoft dagegen vor allem in der Xbox-Sparte "Home and Entertainment": Bei 505 Millionen Dollar Umsatz entstand den Redmondern in dem Bereich ein operativer Verlust von 177 Millionen Dollar.

Defizitär war auch das Segment "Business Solutions". Mit den Softwareprodukten aus der Übernahme von Great Plains und Navision sowie mit dem Online-Portal "bCentral" erwirtschafteten die Redmonder 107 Millionen Dollar Umsatz und verbuchten ein Minus von 68 Millionen Dollar. Bei der kürzlich gegründeten Division "CE/Mobility" fiel der Betriebsverlust mit 33 Millionen Dollar fast doppelt so hoch wie die Einnahmen aus, während der Online-Dienst MSN ein Defizit von 97 Millionen Dollar bei 531 Millionen Dollar verursachte.

Die Zahlen für die profitablen Sparten zeigen jedoch, dass Microsoft die Verlustbringer problemlos auch über längere Zeit hinweg quersubventionieren könnte: Im Client-Bereich, zu dem die Betriebssysteme für PCs und Notebooks zählen, erzielte die Company einen Betriebsgewinn von 2,48 Milliarden bei 2,89 Milliarden Dollar Umsatz. Die Sparte "Knowledge Worker", zu der Softwarepakete wie die Office-Suite gehören, zeichnete für einen Profit von 1,88 Milliarden Dollar und 2,39 Milliarden Dollar Umsatz verantwortlich. Die Server-Division brachte es immerhin noch auf ein Plus von 519 Millionen bei Einnahmen in Höhe von 1,52 Milliarden Dollar.

Für die meisten Analysten waren die Resultate allerdings nicht überraschend: Sie hatten damit gerechnet, dass Anlaufkosten und Einmaleffekte die Ergebnisse der neuen Sparten belasten. Gleichzeitig wurde ihnen bestätigt, woher Microsoft das Geld für diese Aktivitäten bezieht. Der Bericht ist allerdings Öl ins Feuer der Microsoft-Gegner. Sie sehen in den Zahlen einen weiteren Beweis, dass der Softwarekonzern sein Quasimonopol ausnutzt, um ohne Rücksicht auf Verluste in potenziell lukrative Märkte einzudringen. (mb)