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Microsoft entdeckt "Kompyuta"-Nutzer

14.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Gates-Company und andere IT-Unternehmen haben Afrika als neuen Wachstumsmarkt ausgemacht. So besitzen derzeit in Ostafrika nur etwa ein Prozent der Bevölkerung einen eigenen "kompyuta", wie Computer auf Kiswahili heißt. Wer kein Englisch kann, hatte bislang auch nicht viel von den sich schnell ausbreitenden Internet-Cafés. Alle gängigen Computerprogramme werden in Ostafrika bislang nur auf Englisch vertrieben.

Bislang, denn in Ostafrika deutet sich ein Wandel an: Die Suchmaschine Google bietet inzwischen eine Kiswahili-Oberfläche. Und Microsoft will Mitte des Jahres ein Language Interface Pack (LIP) für Kiswahili herausbringen. Mit dem Packet werden die Windows- und Office-Programme in der ostafrikanischen Verkehrssprache dargestellt, die in den Ländern Kenia, Tansania, Uganda, Burundi, Rwanda und Kongo von etwa 100 Millionen Menschen gesprochen wird. "Wir wollen mehr Menschen in Afrika den Zugang zu Computern ermöglichen", sagt Patrick Opiyo, Projekt-Manager bei Microsoft in Nairobi.

Da sich für viele Begriffe aus der Computerwelt hat sich noch kein eigenes Kiswahili-Wort durchgesetzt hat, verpflichtete Microsoft für das Projekt eine Gruppe Linguisten von Uganda bis Sansibar. Außerdem konnte jeder, der sich dafür interessierte, im Internet Übersetzungsvorschläge machen. Die Methode hat Microsoft sich beim Konkurrenten Linux abgeschaut, der ganze Programme mit Hilfe freiwilliger Mitarbeiter schreibt. "Wenn neue Begriffe in die einheimische Sprache übersetzt werden, dann bleibt die Sprache auch lebendig", sagt Opiyo. Einige Begriffe wie das Wort "kompyuta" wurden aber auch nahezu unverändert aus dem Englischen übernommen. Keine Übersetzungsschwierigkeiten gab es bei der (Computer)-Maus - dafür wird auch auf Kiswahili einfach der Tiername ("panya") verwendet.

Als nächstes will Microsoft sich das in Südafrika gesprochene Zulu und das in Nigeria gesprochene Haussa vornehmen. Der Markt scheint schier unbegrenzt: In Afrika werden mehr als 1000 Sprachen gesprochen, viele davon aber nur von kleinen Gruppen. Opiyo möchte die Programme am liebsten noch weiter an die lokalen Gegebenheiten anpassen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir auch einheimische Geräusche einbauen", sagt er. "Dann wird das Eintreffen einer E-Mail eben nicht mehr mit einer Glocke, sondern mit afrikanischen Trommeln angekündigt." (dpa/mb)