Lizenzmodell um kostenlose Dienste erweitert

Microsoft bessert Software Assurance nach

06.06.2003
MÜNCHEN (IDG) - Microsoft will die mit dem Preismodell Licence 6 verknüpfte "Software Assurance" attraktiver gestalten. Das umstrittene Programm soll nun mit kostenlosen Zusatzdiensten aufgewertet werden.

Das von Microsoft im Mai 2001 angekündigte und wegen des starken Aufklärungsbedarfs erst im Herbst letzten Jahres eingeführte Lizenzmodell stand bislang unter keinem guten Stern. Für viele Anwender war nicht klar ersichtlich, ob sich der Umstieg auf Licence 6 rechnet, von einem dramatischen Anstieg der Softwarekosten war in zahlreichen Fällen die Rede. "Es ist allgemein bekannt, dass Microsoft hier einen großen Fehler begangen hat", heißt es seitens der Yankee Group. "Wir haben unsere Lektion mit Licensing 6 gelernt", gibt die für Lizenzierung und Pricing zuständige Microsoft-Managerin Rebecca La Brunerie zu. Nach einer Befragung von weltweit 2500 Kunden reagiere man nun auf den Wunsch nach Mehrwert im Lizenzmodell.

Die Kritik an der Software Assurance, mit der Kunden Updates eines Produkts günstig erwerben können, betrifft vor allem die hohen Preise bei vergleichsweise mageren Inhalten. Sie kostet laut Yankee Group zusätzlich 25 Prozent der Server- und 29 Prozent der Desktop-Lizenzkosten.

Wartungsverträge anderer großer Hersteller wie IBM, Oracle und SAP lägen dagegen zwischen 18 und 22 Prozent. "Software Assurance kostet mehr, bietet aber weniger als vergleichbare Angebote in dieser Branche", bestätigt auch Alvin Park von Gartner. Doch die Preisschraube will Microsoft nicht lockern.

Stattdessen sollen ab September kostenlose Zusatzdienste wie Web- oder Telefon-basierender Support für Server-Produkte sowie Gutscheine für freie Technikkurse enthalten sein.

Konkret sieht das neue Programm zum Beispiel vor, dass Anwender von Servern der Standard Edition mit einer "Select-" oder "Enterprise-Agreement"-Lizenz uneingeschränkten Support über das Web erhalten. Die Telefonunterstützung kommt hinzu, wenn die Enterprise Edition der Server verwendet wird. Wer eine "Open-Value"-Lizenz erworben hat und mindestens fünf Server einsetzt, erhält dagegen nur zweimal Web- (Standard Edition) plus zweimal Telefonsupport (Enterprise Edition). Die Trainings-Vouchers variieren je nach Vertrag. Im Fall des Enterprise Agreement berechtigen sie zu 200 Schulungstagen in einem von Microsoft zertifizierten Technical Education Center. Zudem soll die Software Assurance künftig freien Zugang zu Microsofts Technet bieten, einem Online-Forum für IT-Profis, das die Licence-6-Kunden normalerweise 1000 Dollar Registrierungsgebühr kostet.

Fehleranalyse-Tools inklusive

Doch damit nicht genug: Geplant ist auch eine freie Nutzung von Fehleranalyse-Tools wie der bevorstehenden Version 2.0 von Microsofts "Corporate Error Reporting". Anwender haben damit unter anderem die Möglichkeit, Dialogfenster mit Fehlerbeschreibungen direkt an Microsoft zu schicken. Ähnliches soll für das "Windows Preinstallation Environment" der Redmonder gelten, ein Werkzeug, das die massenhafte Softwareverteilung auf Endgeräte unterstützt.

Schließlich will Microsoft mit der Software Assurance noch Stimmung unter Endanwendern machen. Heimarbeiter etwa können eine Kopie der "Office"-Anwendungen für eine Bearbeitungsgebühr von 25 Dollar nutzen. Außerdem wollen die Redmonder einen speziellen Online-Store einrichten, der den Angestellten eines Software-Assurance-Kunden bis zu 30 Prozent Rabatt auf Produkte wie Windows XP oder "Money" einräumt. (ue)