Sharepoint Server 2016

Microsoft baut Werkzeuge und Infrastruktur für das Content-Handling aus

Der neue SharePoint Server 2016 von Microsoft soll sich als Dreh- und Angelpunkt für das Handling von Dokumenten und anderen Informationen in den Unternehmen etablieren. Zwischen OneDrive und Sharepoint, in der Cloud wie On-Premise, auf dem PC und dem Smartphone. Was der neue SharePoint Server kann, haben die Experten von Campana & Schott genauer unter die Lupe genommen.

SharePoint Server 2016 ist ein Meilenstein-Release - mit der neuen Version hat Microsoft eine einheitliche Code-Basis für sein On-Premise- sowie sein Cloud-Produkt geschaffen. SharePoint Server 2016 stellt somit weniger einen Endpunkt dar, sondern vielmehr eine Startbasis für etwas Neues. Das wird insbesondere ersichtlich, wenn man die im Rahmen des virtuellen Launch-Events von Microsoft getroffenen Ankündigungen betrachtet.

SharePoint Roadmap - User Experience

Die beste User Experience zu bieten - auch im Vergleich zu Wettbewerbern aus dem Consumer-Bereich wie beispielsweise Dropbox in Sachen Filesharing - das ist mittlerweile der neue Anspruch von Microsoft. So arbeiten aktuell allein über 35 Designer daran, dass die verschiedenen Funktionalitäten von SharePoint und OneDrive intuitiv und wie aus einem Guss zu bedienen sind - egal ob am PC, Tablet oder Smartphone. Dedizierte neue und überarbeitete Mobile Apps (zum Beispiel OneDrive, SharePoint, Delve) sowie grundlegende Überarbeitungen von Publishing- und Teamsites, Dokumentenbibliotheken und Listen sind die erste Ergebnisse und geben einen Eindruck der aktuell eingeschlagenen Richtung.

Sharepoint Server 2016 bietet Responsive Design. Damit liefern Team- und Publishing-Seiten auch für Mobil-Geräte optimiere Ansichten.
Sharepoint Server 2016 bietet Responsive Design. Damit liefern Team- und Publishing-Seiten auch für Mobil-Geräte optimiere Ansichten.
Foto: Microsoft

Neue Teamsite und neue Publishing-Funktionalität - 100 Prozent responsive by design

Mit einem Responsive UI Package for SharePoint hat Microsofts PnP (Patterns & Practices)-Team bereits in den vergangenen Monaten eine Open-Source-Lösung bereitgestellt, um Responsive Design in bestehende SharePoint-Seiten einzuführen.

Mit den im Rahmen des Launch Events getroffenen Ankündigungen geht Microsoft jetzt noch einen Schritt weiter: Team- und Publishing-Seiten werden grundlegend überarbeitet, so dass sie zu 100 Prozent responsive by design sind - also ohne Erweiterungen direkt für mobile Endgeräte optimierte Ansichten liefern. Bestehende Lösungen auf Basis alter Seitenfunktionalität lassen sich parallel weiterbetreiben, so dass für Kunden kein kurzfristiger Handlungsbedarf entsteht.

Neues SharePoint (DEV) Framework

Basis dieser Neuerungen ist ein neues SharePoint (DEV) Framework, das stark auf Client-seitige Entwicklungen setzt und fester Bestandteil von SharePoint Mobile Apps wie auch von neuen SharePoint-Seiten ist. So basieren die neuen Seitentypen auf Client-seitigem HTML sowie JavaScript.

Mit Hilfe des Sharepoint-Framework können Entwickler ihre Applikationen künftig direkt in Sharepoint-Seiten einbetten.
Mit Hilfe des Sharepoint-Framework können Entwickler ihre Applikationen künftig direkt in Sharepoint-Seiten einbetten.
Foto: Microsoft

Dort, wo Aktionen lediglich im Kontext des aktuellen Nutzers ausgeführt werden, können Entwickler zukünftig ihre Applikationen direkt in SharePoint-Seiten einbetten. Dies passiert mit der Erweiterung von Canvas-Aktionen, welche aktuell bereits in den Office-365-Blogs genutzt werden. Damit ist ein Client-seitiges Modifizieren sämtlicher Seiteninhalte möglich. Zudem unterstützt das neue Framework moderne Tools und JavaScript Frameworks wie zum Beispiel AngularJS.

OneDrive for Business und SharePoint

Im Rahmen des Launch Events haben die Microsoft-Verantwortlichen den Fokus insbesondere die Positionierung des neuen Sharepoint-Server-Release zwischen OneDrive for Business und SharePoint gelegt sowie unterstützende Funktionalität gezeigt. Kern dessen ist eine tiefere Integration von beiden, so dass der gesamte Dokumentenlebenszyklus abgebildet wird. Dabei liefert OneDrive for Business die Möglichkeit, von überall und mit allen Endgeräten auf eigene Dokumente zuzugreifen und diese mit anderen zu teilen.

Der Sharepoint Server 2016 bildet den Dreh- und Angelpunkt zwischen OneDrive for Business und Sharepoint.
Der Sharepoint Server 2016 bildet den Dreh- und Angelpunkt zwischen OneDrive for Business und Sharepoint.
Foto: Microsoft

SharePoint bildet hingegen die Plattform, um Dokumente professionell zu verwalten und an ihnen in Teams oder in Organisationen gemeinsam zu arbeiten. Anders ausgedrückt: OneDrive stellt zukünftig den persönlichen Zugriff auf alle relevanten Dokumente dar - egal ob im OneDrive oder SharePoint bereitgestellt. Auch werden hierüber zukünftig grundlegende Kollaborations-Funktionalitäten wie zum Beispiel Real-time Co-authoring, Kommentare und Benachrichtigungen sowie einfaches B2C und B2B-Sharing angeboten. Für echte ECM-Funktionalität sind Dokumente nach SharePoint zu überführen - und Microsoft bietet hierfür aus OneDrive heraus eine OneClick-Move-Funktionalität, die auch relevante SharePoint-Seiten als Zielort vorschlägt.

SharePoint Server 2016 - Zentrale Neuerungen

Ein Blick in die Vergangenheit hilft, die Entwicklung von SharePoint Server 2016 besser nachzuvollziehen und die Microsoft-Versprechen besser einzuordnen. Mit SharePoint Server 2013 hatte Microsoft die architektonische Basis geschaffen, um Office365 und darin SharePoint Online als Cloud Service bereitzustellen. In der Folge galten zunächst sämtliche Invests den Cloud Services. Für die Bereitstellung von SharePoint Server 2016 wählte der Softwarehersteller nun den umgekehrten Weg: Office365/SharePoint Online lieferte die Code-seitige Basis für die neue Server-Variante. Die Erfahrung aus mehreren Jahren Cloud- und Eigenbetrieb von Office365/SharePoint Online ist also in den SharePoint Server 2016 eingeflossen - in diesem Lichte ist die Microsoft-Aussage "SharePoint Server 2016 ist die bislang sicherste, stabilste und zuverlässigste Version" zu sehen.

Den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Sharepoint Server 2016 bildete eine Cloud-orientierte Infrastruktur.
Den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Sharepoint Server 2016 bildete eine Cloud-orientierte Infrastruktur.
Foto: Campana & Schott

Oder anders formuliert: Der SharePoint Server 2016 adaptiert eine Cloud-orientierte Infrastruktur und Architektur. Darüber hinaus bietet das neue Release Weiterentwicklungen im Bereich User Experience sowie Compliance und Datensicherheit.

Cloud-orientierte Infrastruktur

Microsoft SharePoint 2016 bietet auf Basis einer Cloud-orientierten Infrastruktur wesentlich mehr Leistungsfähigkeit als frühere Versionen. So wurden beispielsweise zahlreiche Größenbeschränkungen und Grenzwerte auf- beziehungsweise stark angehoben.

Größenbeschränkungen, Grenzwerte und andere Limitierungen aus der Vergangenheit hebt der neue Sharepoint Server 2016 ganz auf beziehungsweise zumindest ein ganzes Stück nach oben.
Größenbeschränkungen, Grenzwerte und andere Limitierungen aus der Vergangenheit hebt der neue Sharepoint Server 2016 ganz auf beziehungsweise zumindest ein ganzes Stück nach oben.
Foto: Campana & Schott

Zudem konnten Up- und Downloadzeiten, Seitenladezeiten sowie Synchronisationsprozesse signifikant verbessert werden. Ein überarbeiteter Distributed Cache, Traffic Management mit intelligentem Routing sowie Site Collection-Anlage direkt auf Datenbankebene stellen weitere Verbesserungen dar.

SharePoint Server 2016 bringt darüber hinaus mit "MinRole" ein neues Server-Konzept mit. Server erhalten hierbei dedizierte Rollen und können so automatisiert in bestehende Farmen ohne Downtime eingebunden und upgedated werden. Voraussetzung hierfür ist eine beachtliche Farmauslegung von mindestens neun Servern. Bisherige Topologien ohne MinRole sind aber auch weiterhin möglich.

Neben zusätzlichen Funktionen soll der Sharepoint Server 2016 auch die Verwaltung und das Steuern einer Sharepoint-Umgebung deutlich vereinfachen.
Neben zusätzlichen Funktionen soll der Sharepoint Server 2016 auch die Verwaltung und das Steuern einer Sharepoint-Umgebung deutlich vereinfachen.
Foto: Campana & Schott

Nicht nur die Installation und Erweiterbarkeit von Server-Farmen verbessert sich, auch wird mit SharePoint Server 2016 erstmalig ein "zero downtime patching" - also das Einspielen von Updates ohne Ausfallzeiten - möglich sein. Basis ist hierfür ein inkrementelles Patching, welches Updates in kleinere Pakete unterteilt. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass dafür als Voraussetzung eine redundante Farmauslegung notwendig ist.

User Experience

Auch wenn SharePoint Server 2016 primär von Architekturverbesserungen geprägt ist, so bietet das neue Release auch einige Verbesserungen in der User Experience, auf die Anwender zum Teil schon lange gewartet haben.

Mit festen (durable) Links ist es im SharePoint Server 2016 nun möglich, Dokumente in einen anderen Ordner, eine andere Bibliothek, eine andere Site sowie eine andere Site Collection zu verschieben, ohne dass sich der Link auf das Dokument ändert. Basis für diese Durable Links ist ein neuer Document ID Service, der auf Site Collection-Eben aktiviert werden kann.

Eine weitere kleine aber durchaus relevante Verbesserung beim Arbeiten mit Dateien sind nun erlaubte Sonderzeichen, neue Formate und stark erhöhte Dateigrößen. Das Arbeiten mit Dateien erfordert zukünftig weniger Klicks und ermöglicht eine bessere Nachvollziehbarkeit sowie Interaktion mit Medien. Zu den neuen Menüs gehören Standardaktionen oberhalb von Bibliotheken, Kontextmenüs mit Rechtsklick sowie Tastaturkürzel, zum Beispiel Alt+U für "Upload". Zudem lassen sich Bilder und Videos in Bibliotheken nun per Vorschau betrachten.

Darüber hinaus hat Microsoft weiter an einem einheitlichen User Interface (UI) von Cloud- und On-Premise SharePoint gearbeitet. So ist der aus Office365 bekannte AppLauncher links oben nun auch in SharePoint Server 2016 verfügbar und wird bei hybriden Installationen um Apps aus Office365 ergänzt. Für den Endanwender ergibt sich so eine einheitliche, zentrale und personalisierte Navigation zu den verschiedenen Services - egal wo diese bereitgestellt werden.

Anwender erhalten künftig mit der neuen Sharepoint-Infrastruktur ein einheitliches User Interface (UI) in Cloud- wie auch auch in On-Premise-Umgebungen.
Anwender erhalten künftig mit der neuen Sharepoint-Infrastruktur ein einheitliches User Interface (UI) in Cloud- wie auch auch in On-Premise-Umgebungen.
Foto: Campana & Schott

Compliance und Datensicherheit

Mit SharePoint Server 2016 erhalten auch einige bereits aus Office365 bekannte Funktionalitäten rund um Compliance und Datensicherheit Einzug in die firmeninternen Data Center. Neue Compliance-Funktionen umfassen Lösch-Regeln für Inhalte in OneDrive for Business sowie das "Einfrieren" von Dokumenten. Das Suchen und Identifizieren von sensiblen Inhalten mit definierten Suchmustern soll Anwender vor Datenverlust schützen. Um Verstöße zu identifizieren, lassen sich die gefundenen Daten durchsuchen und Reports erstellen.

Die Datensicherheit wird dabei auch im Hintergrund gewährleistet. So unterstützt SharePoint 2016 nun als Standard verschlüsselte Verbindungen per TLS 1.2, das robuste ReFS Dateisystem für Festplatten sowie das Versenden von E-Mails an SMTP Server, die das STARTTLS-Verfahren zur Verschlüsselung von Verbindungen nutzen.

Ausblick

"SharePoint is back" - mit diesen Worten hatte Jeff Teper, Microsoft Vice President in der Office-Division, ausgewählte Partner nach seiner Rückkehr ins SharePoint- und OneDrive-Team von Microsoft vor einigen Monaten begrüßt. Und in der Tat scheint es so, dass das wiedervereinte Team um Seth Patton und Bill Bear seinen Fokus wiedergefunden hat. Mit einem "integrated Intranet for content and collaboration in a mobile-first world" ist der Fokus von SharePoint klar umrissen. Gleiches gilt für den Anspruch "best of breed in each category" zu liefern.

Natürlich sind solche Marketing-Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Dennoch gibt es klare Anhaltspunkte die zeigen, dass Microsoft und SharePoint auf dem richtigen Weg sind. Die grundsätzliche Ausrichtung von Microsoft - Mobile first, Cloud first - wurde mit oben genannten Ankündigungen nochmals unterstrichen. Für die Roadmap bedeutet dies auch, dass die Neuerungen zunächst in der Cloud, also in Office365/SharePoint Online verfügbar sein werden. On-Premise werden die Funktionalitäten sukzessive in großen Updates bereitgestellt, die für Herbst 2016 sowie das zweite Quartal 2017 angekündigt sind. Es ist daher davon auszugehen, dass auch die diesjährige Ignite-Konferenz im September 2016 in Atlanta, Georgia, wieder mit spannenden Neuerungen für die On-Premise-Variante von SharePoint aufwarten wird. (ba)