Microsoft auf Kuschelkurs mit Social Networks

21.06.2007
Soziale Netzwerke im Internet werden die Medienlandschaft komplett auf den Kopf stellen, glaubt Microsofts Deutschland-Chef Achim Berg.

"Die neuen sozialen Netzwerke im Internet ändern die Strukturen von Medien grundsätzlich und radikal", sagte Berg zur Eröffnung des Deutschen Multimediakongress "Digitale Wirtschaft 2007" in Berlin. Hierzulande würden Angebote wie YouTube, Myspace und Flickr bereits mehr als 19 Millionen Nutzer erreichen – Tendenz steigend. Die klassischen TV- Radio- und Print-Medien bekämen mit den neuen Plattformen immer mehr Konkurrenz. Die Medienbranche sei nun gefordert, Strategien zu entwickeln, um diese neue Generation von Konsumenten zu erreichen.

"Das Web hat zuerst die User integriert, jetzt integriert es die Medien – ob sie es wollen oder nicht", sagt der Microsoft-Manager. Nur wem es gelinge, sich mit seinem Angebot in die neuen sozialen Plattformen einzuklinken, werde zu den Gewinnern zählen. Wer jedoch diese Entwicklung als Modeerscheinung abtue, werde auf der Verliererseite stehen. "Der Begriff Web 2.0 mag zwar nur Mode sein – soziale Netzwerke im Web sind es definitiv nicht." (siehe auch: Soziale Netzwerke versorgen Unternehmen mit Wissen)

Die Menschen haben Berg zufolge zunehmend das Bedürfnis, sich jederzeit und von jedem Ort egal mit welchem Endgerät auszutauschen sowie Inhalte und Erlebnisse zu teilen. Dadurch wachse die Nutzung digitale Medien. Der Konsument sei Gestalter und Abrufer digitaler Inhalte zugleich. Als Beispiel nennt der Microsoft-Manager die wachsende Zahl von Videos im Netz. Derzeit würden weltweit etwa drei Milliarden Streams pro Monat abgerufen. Bis zum Jahr 2010 werde diese Zahl auf etwa 12,4 Milliarden steigen. "Printmedien gehören zu einer aussterbenden Gattung."

Microsoft will als Techniklieferant von dieser Entwicklung profitieren. Berg rechnet damit, dass neue Techniken die sozialen Netzwerke in Zukunft noch attraktiver für neue Nutzer machen werden. Wie diese Entwicklung verlaufen wird, lasse sich jedoch kaum vorhersagen. Kreativität und Ausprobieren bleibe das Gebot der Stunde. "Blaupausen gibt es nicht", stellt der Microsoft-Mann klar. "Letztendlich entscheidet der Nutzer, was Top und was Flop wird."

An der Spitze der Web-2.0-Entwicklung profilieren sich derzeit jedoch andere Unternehmen – vor allem Microsofts Erzrivale Google. Der Suchmaschinenanbieter betreibt konsequent den Ausbau des zugekauften YouTube-Angebots. Zuletzt brachte der Betreiber lokalisierte Versionen ins Netz und stellte eine Version für Handys vor. Yahoo arbeitet ebenfalls an lokalen Varianten seines Bilderdienstes Flickr, stieß dabei hierzulande allerdings wegen des Einbaus von Filtern auf Widerstand in der Nutzergemeinde. Auch die großen Medienkonzerne wollen den Anschluss nicht verpassen. So investiert Mogul Rupert Murdoch Millionenbeträge in den Web-2.0-Ausbau seines Angebots. Auf der Liste der Zukäufe finden sich Namen wie Myspace, Photobucket und Flektor (siehe auch: News Corp. kauft Photobucket und Flektor)

Allerdings ist nicht alles Gold, was in der schönen Web-2.0-Welt glänzt. Zwar steigen die Nutzerzahlen der Angebote rasant an. Gefüttert werden die Angebote jedoch nur einem verschwindend geringen Anteil der Community, stellt Ende Februar dieses Jahres Hitwise-Analyst Bill Tancer klar (siehe auch: Web 2.0: Nur Couchkartoffeln und Voyeure). Nur 0,16 Prozent der YouTube-Besucher und 0,2 Prozent der Flickr-Nutzer stellten selbst Inhalte ein. Der überwiegende Anteil der Besucher seien reine Konsumenten, lautet das Fazit von Tancer. (ba)

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