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Microsoft-Anwalt versucht Norris-Demontage

10.06.1999
Antitrust-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Kartell-Verfahren gegen Microsoft hat gestern Gates-Anwalt Richard Pepperman relativ erfolglos versucht, die belastenden Aussagen des IBM-Managers Garry Norris (CW Infonet berichtete) zu entkräften. Dies gelang allerdings nur teilweise. Hauptinhalt des Frage- und Antwortspiels war das unzweifelhaft äußerst angespannte Verhältnis zwischen den einstigen Partnern IBM und Microsoft Mitte der 90er Jahre.

Norris mußte einräumen, daß sein Arbeitgeber der Gates-Company aufgrund haarsträubender Buchhaltung zeitweilig Lizenzzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe (Dollar!) schuldig geblieben war. Es gelang dem damaligen Verhandlungsführer von Big Blue in den Lizenzverhandlungen mit Microsoft aber recht überzeugend darzulegen, daß diese und andere Streitigkeiten nicht direkt mit den von ihm erhobenen Vorwürfen in Zusammenhang stünden. Norris hatte an den Vortagen ausgesagt, Microsoft habe die IBM unter Druck gesetzt, keine Softwareprodukte von Drittanbietern mehr mit ihren PCs auszuliefern. Als nächster Zeuge wird heute der Wissenschaftler Edward Felten aussagen, der im ersten Teil des Verfahrens mit einem Programm für Aufsehen gesorgt hatte, das die Funktionalität des Browsers "Internet Explorer" aus Windows 95/98 entfernt, ohne das Betriebssystem in seiner Leistung zu hemmen. Microsoft hatte zuvor stets argumentiert, dies sei unmöglich,

weil der Browser als integraler Bestandteil in Windows integriert sei.