Montagsgerücht

Micron soll an Qimonda interessiert sein

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Einem Pressebericht zufolge könnte der US-Speicherchipriese Micron Technologies der "Weiße Ritter" werden, der Infineon die hoch defizitäre Memory-Tochter Qimonda abnimmt.

Darüber spekuliert zumindest das "Wall Street Journal" in seinem Blog "Deal Journal". Dort heißt es unter Berufung auf Insider, Micron habe über eine komplette oder teilweise Übernahme des 77,5-prozentigen Anteils an Qimonda verhandelt, den Infineon derzeit noch hält. Ein Abschluss sei allerdings angesichts der anhaltenden Talfahrt der Speicherchip-Branche alles andere als sicher. Und die beteiligten Firmen lehnten allesamt eine Stellungnahme ab.

Infineon, nach STMicroelectronics zweitgrößter Chiphersteller in Europa, hatte zuvor öffentlich erklärt, es wolle sich bis Anfang 2009 zumindest weitgehend von seinem Qimonda-Anteil trennen.

Qimonda sitzt wie Infineon in München und produziert DRAM-Speicher für unter anderem PCs, Server und Mobiltelefone. In diesem Markt hat ein Überangebot zu einem brutalen Preiskampf zwischen den Playern geführt, zu denen auch der südkoreanische Konzern Samsung Electronics zählt.

Qimonda hat rund 13.500 Mitarbeiter und musste für sein im Juni abgeschlossenes drittes Quartal einen Nettoverlust von 401 Millionen Euro ausweisen, der Umsatz war im Jahresvergleich um 48 Prozent gefallen. Seine Aktie ist inzwischen auf weniger als zwei Dollar gefallen nach mehr als 15 Dollar vor einem Jahr. Die Marktkapitalisierung von Qimonda beträgt nut noch 653 Millionen Dollar. Infineon musste deswegen bereits 1,4 Milliarden Euro vom Wert seines Anteils abschreiben.

Micron-Chef Steve Appleton hatte erst kürzlich erklärt, die Branche brauche eine Konsolidierung, um sich zu stabilisieren. Die Kriegskasse des US-Herstellers war Ende Mai mit 1,5 Milliarden Dollar Bargeld zudem prall gefüllt. Allerdings ist auch Micron alles andere als immun gegen die Marktschwäche - seine Aktie büßte in den letzten zwölf Monaten 59 Prozent ihres Wertes ein.