Web

 

Michael Dell wieder Konzernchef - Schwieriges Comeback

01.02.2007
Michael Dell (41), der Gründer des amerikanischen Personal-Computer-Herstellers Dell Inc., hat wieder die Führung des Unternehmens übernommen. Bei Dell häuften sich die Probleme, und der einstige Wall-Street-Liebling war an der Börse unter Beschuss geraten.

Kevin Rollins (54), der das Unternehmen seit 2004 geführt hatte, nahm mit sofortiger Wirkung als Konzernchef und Verwaltungsratsmitglied den Hut. Dies gab Dell gestern nach Börsenschluss bekannt.

Dell hatte seinen Freund Rollins vor zehn Jahren in das Unternehmen geholt und hatte ihn vor knapp drei Jahren zu seinem Nachfolger gemacht. Dell selbst war Verwaltungsratsvorsitzender geblieben. Er wird jetzt wieder Konzernchef und bleibt Leiter des Aufsichtsgremiums.

Sitzt wieder im Chefsessel: Michael Del (41).
Sitzt wieder im Chefsessel: Michael Del (41).
Foto: DELL Inc.

Allerdings wird es Dell nicht leicht haben, den auf den Direktvertrieb von PCs und anderen Elektronikprodukten ausgerichteten Riesenkonzern wieder auf Vordermann zu bringen. Dell hatte die Führung im globalen PC-Markt im vierten Quartal 2006 an den wieder erstarkten Hauptkonkurrenten Hewlett-Packard verloren. Erfolgeiche Konkurrenten wie die chinesische Lenovo, die die IBM-PC-Sparte gekauft hatte, sowie andere Anbieter machen Dell ebenfalls zu schaffen. Dell wird wegen Bilanzproblemen von den US-Behörden untersucht. Im vergangenen Jahr musste Dell eine Rückrufaktion für mehr als vier Millionen Laptop-Batterien von Sony durchführen. Dell hatte zeitweise auch Service-Probleme, die mit viel Geld und großen Anstrengungen beseitigt wurden. Die Gewinnmargen schrumpfen, und im PC-Markt herrscht ein halsabschneiderischer Wettbewerb.

Dell hatte die Gesellschaft vor 23 Jahren mit einem Startkapital von 1000 Dollar in einem Studentenwohnheim in Texas gegründet. Der Konzern hatte im vergangenen Geschäftsjahr knapp 56 Milliarden Dollar umgesetzt. Dell steht in der Rangliste der superreichen Amerikaner des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes" mit einem Vermögen von 15,5 Milliarden Dollar auf dem neunten Platz. Er hatte sich nach der Abgabe des Spitzenpostens gemeinsam mit seiner Frau auch seinen Stiftungsaktivitäten gewidmet. Er hatte jedoch mit Rollins ein gemeinsames Büro in der Firmenzentrale.

Die Wall Street war von Wechsel an der Dell-Spitze angetan. Die Aktien des Unternehmens legten nachbörslich kräftig um 4,1 Prozent auf 25,22 Dollar zu, obwohl Dell am Mittwoch neben dem Führungswechsel ankündigte, dass die Umsätze und Gewinne für das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2007 hinter den durchschnittlichen Analystenschätzungen zurückbleiben werden. Die Dell-Aktien waren im vergangenen Jahr wegen der eskalierenden Geschäftsprobleme zeitweise auf 18,95 Dollar abgesackt gegenüber einem Zwölfmonatshoch von 32,24 Dollar.

"Es gibt weltweit keine bessere Person, um Dell zu diesem Zeitpunkt zu führen als der Mann, der das Direktmodell geschaffen hat und der die Gesellschaft in den vergangenen 23 Jahren aufgebaut hat, betonte Verwaltungsratsmitglied Samuel Nunn. Wie Michael Dell es schaffen will, seinem Unternehmen wieder Auftrieb zu geben, ließ er offen. Allerdings hat Dell in den vergangenen Jahren verstärkte Anstrengungen im Dienstleistungs-, Server-, Drucker- und im Verbraucherelektronik-Geschäft gemacht und hat in jüngster Zeit bei Konkurrenten Spitzenkräfte eingekauft. (dpa/tc)