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Meta Group fühlt Nemax-Firmen auf den Zahn

17.04.2001
70 Prozent mit unterdurchschnittlicher Substanz

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit einer eigenen Angaben zufolge methodisch bisher einzigartigen Untersuchung hat sich die Meta Group aller am Neuen Markt notierten IT- und TK-Firmen angenommen. Das "iii-Meta-Rating" setzt sich ausführlich mit der Marktfähigkeit der betreffenden Companies auseinander - und kommt dabei zum Teil zu niederschmetternden Ergebnissen.

Besser hätte das Timing für die Marktforscher der Meta Group wahrlich nicht sein können: Nach dem Absturz des Neuen Marktes und der Technologiebörsen weltweit geraten vermehrt die Finanzanalysten ins Kreuzfeuer der Kritik. Ihnen wird mangelnde Neutralität durch die oft gegebene Verflechtung ihres Arbeitgebers mit dem Börsengang der betroffenen Unternehmen nachgesagt. Gleichzeitig ist die Bewertung von Technologiefirmen, die an den Neuen Markt gingen (und gehen werden) ungleich schwieriger als eine Einschätzung traditioneller Unternehmen. Der Buchwert von Internet-Companies ist kein aussagekräftiger Anhaltspunkt; eine in der Regel zwei- bis dreijährige Firmenhistorie erst recht nicht.

Guter Rat respektive profunde Einschätzung von Firmen ist deshalb teuer. Mit ihrem iii-Rating will die Meta Group hier Abhilfe schaffen - ohne allerdings explizit Aussagen über die finanzielle Stärke von Firmen zu machen oder gar Aktienkauf- oder -verkaufsempfehlungen auszusprechen. Alle gut 200 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen, deren Geschäftszweck in den Bereichen IT oder TK angesiedelt ist, wurden nach den Kriterien Markt, Angebot, Kunden, Management, Vertrieb und Agilität intensiv geprüft.

Die ersten Ergebnisse, die die Meta Group am vergangenen Dienstag im Internet veröffentlichte (insgesamt rund 140 Firmenbewertungen; der Rest der Resultate soll bis zum 1. Juli sukzessive bekannt gegeben und danach quartalsweise aktualisiert werden) ist wenig erbaulich und untermauert den derzeit schlechten Ruf von Frankfurts Wachstumsbörse. So erhielten nur knapp zehn Prozent aller befragten Firmen, darunter der Chip-Broker ACG, der E-Finance-Spezialist Brokat und das Handelsunternehmen Computerlinks, das begehrte "iii"-Rating (überdurchschnittlich), während 40 Prozent der entsprechenden Nemax-Firmen mit "ii" (durchschnittlich) und gut die Hälfte sogar nur mit "i" (unterdurchschnittlich) bewertet wurden.

Für Luis Praxmarer, Europa-Chef der Meta Group und Projektverantwortlicher des iii-Ratings, sind diese ungesunden Relationen ein deutliches Zeichen mangelnder Marktreife. Hätte man im Sinne des i, ii, iii-Ratings eine 25/50/25-Verteilung, würde dies eher "für normale Verhältnisse sprechen". Hart ins Gericht geht der Marktforscher auch mit den Gepflogenheiten mancher börsennotierter Firmen. "Die Weigerung mancher Unternehmen, Auskunft zu dem Marktsegment zu erteilen, in dem sie tätig sind, lässt eine absichtliche Verschleierung ihres wahren Geschäfts erkennen. Bei vielen scheint nichts dahinter zu sein; bestenfalls sind sie reine Boxenschieber. Solche Unternehmen haben an der Börse nichts zu suchen, und wenn einige Börsengänge noch ein gerichtliches Nachspiel haben, würde uns dies nicht überraschen."

Die Mühen der Marktforscher, die ihre Daten nach eigener Aussage in 15-monatiger Projektlaufzeit zusammentrugen, könnten sich aber lohnen. Entsprechendes Interesse bei Kunden und Anlegern vorausgesetzt, dürfte die Kasse der Meta Group jedenfalls kräftig klingeln. Wer mehr außer der Einstufung der betroffenen Companies in "i", "ii" oder "iii" sowie allgemeine Daten wie Geschäftszweck und Marktkapitalisierung in Erfahrung bringen will, muss die bis zu 50.000 Euro teuren, dafür allerdings mit rund 50 Seiten sehr umfangreichen Einzelanalysen von Firmen ordern.