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"Menschenzentriertes Computing" steht noch am Anfang

08.10.2007
Von pte pte
Persönliche digitale Assistenten der Zukunft sind mehr als ein banaler PDA: Sie sparen Zeit und Geld, ohne dass man es bemerkt.

Mit Sicherheit hat schon jeder Tourist besserwisserische Mitreisende erlebt, die zu jeder Sehenswürdigkeit schon alles gelesen haben und ihr Pseudowissen ungebeten abspulen oder den Reiseleiter verbessern, ständig aus zwei Reiseführern zitieren und sich ohne Landkarte nicht aus dem Hotelzimmer trauen. Wer rund 780 Euro investiert, kann ein solches Exemplar bei Merian für die Hosentasche bekommen. Der große Vorteil: Den "Scout Navigator" kann man ausschalten. Tut man das nicht, berichtet er von Sehenswürdigkeiten in Autobahnnähe und findet Restaurants, Hotels und Theater dank dem GPS-Modul. Begleitmusik und literarische Texte werden gleich mitgeliefert.

Persönliche elektronische Assistenten sollen das tägliche Leben erleichtern, ein Teil des Alltags werden. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, hat die Bedeutung der ständigen digitalen Nutzungsmöglichkeiten in einem Beitrag für den von Walther CH. Zimmerli und Stephan Wolf herausgegeben Sammelband "Spurwechsel. Wirtschaft weiter denken" beschrieben: "Vision ist das allgegenwärtige, menschenzentrierte Computing. Der amerikanische Informatiker Mark Weiser hat dafür den Begriff 'Ubiquitous Computing' geprägt: Der Nutzer lebt unmittelbar mit Computern zusammen, deren Existenz er kaum wahrnimmt, deren Dienste er aber ständig in Anspruch nimmt." Das elektronische Notizbuch, ein WAP-fähiges Handy oder ein Laptop mit WLAN-Zugang sind für ihn erst "die Vorstufe für eine in der Zukunft allgegenwärtige Präsenz von Computern, elektronischen Assistenten und Mikrosystemen.

"Persönliche digitale Begleiter oder virtuelle Berater, wie sie das CIO Magazin in der aktuellen Ausgabe beschreibt, sparen Zeit und Geld. So berichtet die Fachzeitschrift von virtuellen Schlaubergern, die beim Ausfüllen der Steuererklärung helfen und ungezählte Standardanfragen beim Finanzamt vermeiden: "So genannte virtuelle Berater haben zwei Aufgaben: Sie sollen ihren Kollegen aus Fleisch und Blut Routine-Anfragen abnehmen und für mehr Kundenbindung sorgen." Die virtuellen Helfer "sollten insbesondere Routine-Fragen gut beantworten können. Wenn der Avatar jedoch bei jeder zweiten Frage antwortet, dass er das Anliegen nicht verstanden hat oder keine Antwort weiß, trägt er kaum zur Entlastung im Kundenservice bei", so das CIO Magazin. "Der Mensch erschafft sich eine intelligente, vernetzte Umwelt, die ihn in allen Belangen unterstützt. Am vollvernetzten 'Smart Home' wird gegenwärtig ebenso intensiv geforscht und entwickelt wie an der multifunktionalen 'Smart Card' und dem intelligenten Auto", berichtet Fraunhofer-Chef Bullinger.

Wichtiger Treiber der weiteren Entwicklung werden für Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin, innovative Sprachanwendungen wie der "Personal Assistant" sein, der als ständiger virtueller Begleiter die sprachgesteuerte Kommunikationszentrale des mobilen Menschen sein wird. Der Personal Assistant, wie ihn sein Unternehmen für DaimlerChrysler entwickelt hat, kennt das persönliche Adressbuch seines Nutzers und baut nach einer Spracheingabe wie etwa "Martin Meyer Handy" sofort die günstigste Verbindung auf. Er versendet SMS, wenn ein Anruf nicht zustande kommt. Er liest E-Mails während der Fahrt vor und sucht den nächsten Zug für die Weiterfahrt mit der Bahn. "Per Spracheingabe können die Mitarbeiter auch eine Routing-Funktion nutzen, alle Anrufe umleiten, so dass sie auf einer bestimmten Nummer zu erreichen sind", weiß Pape. Praktisch könnte man dadurch auf einen Festnetzanschluss im Büro verzichten.

Durch den Personal Assistant werde die Spracherkennung ständig präsent und auch im Auto unerlässlich. "Gesprochene Sprache ist nun einmal die natürlichste Schnittstelle und sie hat enorme Vorteile beim Zugriff auf eine Vielzahl von Funktionen. Bis Sie die Fahrzieleingabe 'Berlin, Kaiserin-Augusta-Allee 10' über einen Drehdrückschalter des Navigationssystems oder 'Spiel mir die Beatles mit Hey Jude' in die Multimediakomponente eingegeben haben, ist vermutlich eine Minute oder mehr vergangen. Per Spracheingabe dauert das nur wenige Sekunden", sagt Pape, der die neuen Entwicklungen seines Unternehmens beim Bonner Sprachtechnologie-Fachkongress Voice Days vorstellen wird.

Persönliche Assistenten und digitale Helfer dürften eine große Zukunft haben, glaubt auch Hans-Jörg Bullinger: "Ideen und Visionen gibt es viele, um insbesondere Kranken, Leistungssportlern, Senioren und Eltern den Alltag zu erleichtern: Sturz-Sensoren in Kombination mit dem GSM-Netz (Global System for Mobile Communication) oder Bluetooth können Alarm schlagen und eine Einsatzstelle benachrichtigen, wenn hilfsbedürftige Personen auf der Straße oder im Haushalt verunglücken." Mehr Unabhängigkeit und Selbständigkeit für ältere Menschen wären die Vorteile. (pte)