Problem IT-Sicherheit Infrastruktur

Mehr Geld für Industrie 4.0

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Bis 2020 bergen Industrie 4.0-Technologien in Deutschland ein Marktpotenzial von knapp elf Milliarden Euro. Davon ist die Experton Group überzeugt.

Eine Summe von 10,9 Milliarden Euro beziffern die Münchener Marktforscher der Experton Group als Potenzial für die deutsche Wirtschaft in Bezug auf Industrie 4.0. Konkret sind "die notwendigen Produkte und Services" aus Informations- und Kommunikationstechnologie bis zum Jahr 2020 gemeint. Nach Angaben von Experton erkennen immer mehr Unternehmen die Bedeutung von Industrie 4.0.

Die Marktforscher stützen sich unter anderem auf eine Studie vom Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien), Berlin. Der Branchenverband erwartet, dass die Digitalisierung in wichtigen Branchen in Deutschland bis 2025 durchschnittlich ein jährliches Plus von 1,7 Prozent bei der Bruttowertschöpfung bewirken wird.

Laut Experton-Group werden die ICT-Budgets im Zusammenhang mit Industrie 4.0 kräftig steigen.
Laut Experton-Group werden die ICT-Budgets im Zusammenhang mit Industrie 4.0 kräftig steigen.
Foto: Experton Group

35 Prozent mehr für Industrie 4.0

Glaubt man Experton, können sich IT-Entscheider über steigende Budgets wegen Industrie 4.0 freuen: Von 2013 bis 2020 halten die Analysten ein jährliches Plus von 35 Prozent in diesem Bereich für möglich. In Zahlen: Flossen 2013 noch 316 Millionen Euro in IT-Budgets im Zusammenhang mit Industrie 4.0, werden es 2020 mehr als 2,6 Milliarden sein.

Expertons eigene Daten weisen aus, dass nicht nur Kernbranchen wie Fertigung/Maschinenbau, Automobil/Zulieferer, Chemie/Pharma und Elektroindustrie in puncto Digitalisierung aktiv werden. Es handele sich nicht um ein reines Industrie-Thema, betonen die Marktforscher. Sie rechnen damit, dass sich beispielsweise auch Landwirtschaft, Logistik und das Gesundheitswesen digitalisieren werden.

Die Analysten haben sich außerdem angesehen, wie die Budgets künftig verteilt werden. Ihre Prognose: Im Jahr 2015 geben Unternehmen vor allem für Services rund um System Integration Geld aus, Experton beziffert die Summe auf 131 Millionen Euro. 111 Millionen sollen in Managed Services/Outsourcing investiert werden und knapp 105 Millionen in Consulting.

Die Experton-Group trifft genaue Prognosen über die Verteilung der ICT-Budgets im kommenden Jahr.
Die Experton-Group trifft genaue Prognosen über die Verteilung der ICT-Budgets im kommenden Jahr.
Foto: Experton-Group

Anbieter von Netzwerk-Services werden demnach 124 Millionen Euro verdienen, Anbieter von ICT-Infrastruktur 105 Millionen. 78 Euro lassen sich die Unternehmen Applikationen und Software kosten.

Experton-Vorstand Andreas Zilch kommentiert: "Unsere Untersuchung und Prognose zeigt, wie wichtig das Thema Industrie 4.0 für die deutsche Wirtschaft insgesamt, aber auch für die IT-Bereiche und ICT-Anbieter ist. Wir empfehlen allen Beteiligten, die immensen Potenziale für das eigene Geschäft intensiv zu analysieren und dann unverzüglich Aktivitäten zu entwickeln."

Deutschland hat beste Voraussetzungen für Industrie 4.0

Ähnlich optimistisch äußert sich der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Deutschland verfüge "über eines der weltweit besten Startguthaben für Industrie 4.0", erklärt Kurt Bettenhausen, Vorsitzender der GMA (VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik). Bettenhausen bezieht sich auf die "hohe Ausbildungsqualität in Deutschland gepaart mit dem hohen Automatisierungsgrad". Außerdem sieht er eine "flächendeckend gute Infrastruktur mit funktionierenden Logistikketten".

IT-Sicherheit bleibt ein Problem

Gerade die Infrastruktur nennt der VDI aber als einen der Knackpunkte - jedenfalls die IT-Infrastruktur. IT-Sicherheit sei notwendige Voraussetzung, damit die produzierende Industrie Cloud Computing nutzt.

In einer Umfrage des Vereins bezeichnen 80 Prozent der Teilnehmer Deutschland als führend oder zumindest als "fast follower" in Sachen Industrie 4.0. "Jetzt geht es darum, den konkreten Nutzen von Industrie 4.0 in realen Industrieumgebungen nachzuweisen", sagt Bettenhausen. "Hier müssen realitätsnahe Pilotanwendungen schnell zeigen, dass eingeführte Industrie 4.0-Komponenten einen wirtschaftlich messbaren Nutzen bringen." (rw)