Krise - aber nicht für alle

Mehr Gehalt für IT-Chefs

Hans Königes
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
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Um 1,8 Prozent auf 98.980 Euro ist das Durchschnittsgehalt der IT-Führungskräfte in diesem Jahr gestiegen. Das ergab eine Studie von Personalmarkt.

Die IT-Manager gehören zu den Spitzenverdienern, allerdings mit großen Schwankungen. Zum Beispiel verdient der IT-Bereichsleiter in einer Bank in diesem Jahr im Durchschnitt 219.000 Euro, während der Abteilungsleiter auf 104.560 Euro kommt. Neben der Branche und der Hierarchiestufe beeinflusst auch die Firmengröße das Einkommen stark.

Tim Böger, Personalmarkt: 'Die Spreizung der Gesamtgehälter wird weiter zunehmen.'
Tim Böger, Personalmarkt: 'Die Spreizung der Gesamtgehälter wird weiter zunehmen.'

Der für die Studie verantwortliche Projektleiter Tim Böger, Geschäftsführer von Personalmarkt, ist überzeugt, dass die "Spreizung der Gesamtgehälter weiter zunehmen wird". Ursache sei, dass immer größere Gehaltsanteile variabel, also nach Leistung, ausgezahlt würden. Ingesamt geht Böger davon aus, dass der Markt für Softwareentwicklung, Projektleitung und Systemadministration "relativ ruhig" bleibt. Für die Gehaltsentwicklung heißt das: Abschied nehmen von spektakulären Zuwächsen. "Aber es gibt Nischen, die aus dem ruhigen Fahrwasser ausscheren könnten - und zwar nach oben", macht Böger Mut. In nächster Zeit würden Unternehmen etwa mehr in Suchmaschinenoptimierung investieren. "Hier sind Experten knapp und verdienen schon jetzt sehr gut. Mittelfristig wird auch die steigende Nachfrage nach energieeffizienten Geräten den Hardwareentwicklern eine gute Zeit bescheren", prophezeit der Vergütungsexperte.

Arbeitgeber sitzen am längeren Hebel

Personalberater sprechen im Augenblick von einem Arbeitgebermarkt: Viele Bewerber konkurrieren um wenige Stellen, so dass Firmen am längeren Hebel sitzen und versuchen, die Gehälter zu drücken, unter anderem mit dem Argument, dass Kunden ihrerseits die Preise - etwa für Beratungsleistungen - zum Teil kräftig herunterhandelten.

Diethelm Siebuhr, Easynet: 'Jenseits aller Gehaltsdiskussionen steht die Anerkennung der Leistung an erster Stelle.'
Diethelm Siebuhr, Easynet: 'Jenseits aller Gehaltsdiskussionen steht die Anerkennung der Leistung an erster Stelle.'

Richtig ist aber auch, dass Arbeitgeber versuchen, ihre Spitzenkräfte zu halten, wie Easynet-Geschäftsführer Diethelm Siebuhr bestätigt. Der Hamburger Manager gibt zu, dass der international tätige Service-Provider zwar gut wachsen konnte, aber relativ wenig Spielraum für breite Gehaltserhöhungen hatte. Dennoch war es Siebuhr stets wichtig, Leistungsträger zu belohnen und Projektboni auszuschütten.

Jenseits aller Gehaltsdiskussionen beobachten vor allem die Manager in IT-Unternehmen, dass ihre Techies in erster Linie über interessante Projekte zu motivieren sind und über die Möglichkeit, begehrte Zertifizierungen wie die von Cisco zu erwerben. Dieser Entwicklung habe man in den letzten Jahren verstärkt Rechnung getragen, sagt Easynet-Chef Siebuhr. Im Vorteil sei ein Unternehmen, das auch internationale Arbeitsaufträge zu vergeben habe, wie es bei Easynet in allen Fachbereichen möglich ist.

Nur: All das Gerede helfe nicht weiter, meint Siebuhr, wenn die Mitarbeiterleistung nicht gebührend anerkannt werde. Noch heute erzählten seine Beschäftigten begeistert folgende Geschichte: Als vor einigen Jahren in Hamburg ein schwerer Sturm wütete und die Stadt mehrere Stunden keinen Strom hatte, zählten die Easynet-Kunden zu den wenigen, die keinen Schaden zu verzeichnen hatten. Die Mitarbeiter hatten es mit großem Engagement geschafft, die Rechenzentren am Laufen zu halten. Gleich am nächsten Morgen kam ein Kunde mit ein paar Flaschen Champagner vorbei und bedankte sich für diesen Einsatz.

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