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Mehr Chinesen am Netz als gedacht

18.11.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Verbreitung des Internet in China ist einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge weit höher als gedacht. Die von der Staatsregierung unterstützte Akademie für Sozialwissenschaften befragte 4100 Bürger in zwölf Städten. Nicht unerwartet war die Internet-Nutzung in den Metropolen Shanghai, Beijing und Guangshou mit einem Drittel der Bevölkerung am höchsten. Überraschenderweise gehen aber auch in kleineren Städten um die 100.000 Einwohner und weiter im wirtschaftlich und infrastrukturell schwächeren Hinterland bereits 27 Prozent online - dieser Wert liegt sogar höher als die durchschnittlich 24 Prozent in vier führenden industriellen Provinzhauptstädten.

Als ein Paradebeispiel führt die Studie die Stadt Yima in der ländlichen Provinz Henan an. Dort hatte ein Minenunternehmen bereits Ende der 90er Jahre mit behördlicher Genehmigung begonnen, Internet-Zugänge anzubieten. In der Folge entstanden in der 120.000 Einwohner zählenden Gemeinde unter anderem zahlreiche Internet-Cafés (60 Anfang 2002) für die Menschen, die sich bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von umgerechnet 500 Dollar keinen eigenen PC leisten können.

Die Auswirkungen des Internet seien somit größer als bislang angenommen, erklärten die Wissenschaftler, insbesondere auf die Wirtschaft und die kommunistische Regierung. Das Netz sei nicht länger nur ein Werkzeug für die Gebildeten und Reichen, sondern seine Nutzung ziehe sich quer durch alle Schichten und Regionen. Die Bevölkerung sei besser informiert und stelle größere Ansprüche an die Regierung. "Das Aufkommen des Internet hat ein Vakuum gefüllt", schreibt Hu Xianhong von der Universität Peking.

Weitere Ergebnisse der Studie: Von der 68 Millionen Internet-Nutzern im Reich der Mitte sind 56 Prozent männlich und 58 Prozent zwischen 17 und 24 Jahre alt. Fast 40 Prozent von ihnen haben als entweder Studenten oder Arbeitslose kein festes monatliches Einkommen (was den E-Commerce hemmt). Nur jeder fünfte vernetzte Chinese hat schon einmal online eingekauft, und wenn dann meist Kleinigkeiten wie Bücher oder Kinokarten. Immerhin zwölf Prozent aller Online-Transaktionen dienten aber der Bestellung eines Computers. (tc)