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Medienkonzerne wollen Hacker auf Raubkopierer ansetzen

24.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Presseberichten zufolge haben US-amerikanische Abgeordnete eine Gesetzesinitiative eingereicht, nach der das Hacken von Rechnern erlaubt sein soll, wenn diese für den illegalen Austausch von Dateien verwendet werden. Für diesen Fall müssten "nachvollziehbare Anhaltspunkte" vorliegen, berichtet der Informationsdienst "Cnet". Die Initiative geht von den Abgeordneten Howard Coble und Howard Berman aus, beide Mitglieder des Repräsentantenhauses. Hintergrund des Vorstoßes sei die Tatsache, dass betroffene Personen und Unternehmen sonst keine Handhabe mehr hätten, um gegen Urheberrechtsverstöße in Peer-to-Peer-Tauschbörsen vorzugehen. Werden Computer im Rahmen dieser Form von Selbstjustiz beschädigt, sieht die Initiative vor, dass die Besitzer ab einem Wertverlust von mindestens 250 Dollar vor Gericht ziehen können.

Die vom illegalen Musiktausch betroffenen Medienkonzerne müssen einem Staatsanwalt im Einzelfall vorlegen können, wie sie den Angriff technisch planen. Nur die inkriminierten Dateien dürfen von den Rechnern gelöscht werden. Sollten andere Files vernichtet oder beschädigt werden, kann sich der Betroffene - mit bestimmten Einschränkungen - zur Wehr setzen. Nach Angaben eines Sprechers der Motion Picture Association of America (MPAA) hat die Filmindustrie kein Interesse daran, in jeden Computer einzudringen und Files zu löschen. Es gehe vielmehr darum, den Tausch urheberrechtlich geschützter Werke zu erschweren oder zu verhindern. Nun muss ein Unterausschuss des Repräsentantenhauses die Gesetzesinitiative prüfen.

Zudem mehren sich die Anzeichen, dass die Filmindustrie in den USA massenweise Abmahnungen gegen die Datentauscher versendet. Die nötigen Informationen erhalten die Konzerne direkt aus den Tauschbörsen und von den Internet-Providern. Diese versenden daraufhin eine Aufforderung an ihre Kunden, das Treiben einzustellen, was laut MPAA in der Regel auch geschieht. Die kurzen Wege machen sich bezahlt: So ist der Provider AOL Teil des Konzerns AOL Time Warner, dem auch die Filmfirmen Warner Bros. und New Line Cinema ("Herr der Ringe") angehören. (ajf)