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McNealy: Die Sonne geht nicht unter

04.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vor einem ausverkauften 6300-köpfigen Auditorium bemühte sich Scott McNealy gestern, europäische Kunden davon zu überzeugen, dass Sun auch in Zukunft "scheinen" werde. Mit seinem massive Vorstoß in den Lowend-Server-Markt, seiner neuen Linux-basierenden Desktop-Software und weiterhin Milliardenaufwand für Forschung und Entwicklung stehe sei seine Firma bestens aufgestellt. "Ich lese immer wieder, ob Sun noch relevant ist oder nicht - offenbar sind wir es", erklärte McNealy auf der SunNetwork in Berlin, dem ersten namhaften Event des kalifornischen Herstellers auf dem alten Kontinent.

Sun macht nach Angaben von McNealy rund ein Drittel seines Umsatz in der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika). "Es läuft hier sehr gut. Das Geld fließt momentan eindeutig in das Lowend", sagte der Sun-Chef und behauptete frech, Sun wachse in diesem Segment "schneller als sonst jemand auf diesem Planeten". Auf der Comdex Fall im vergangenen Monat hatte Sun angekündigt, es wolle eine Familie neuer Server auf Basis des "Opteron"-Prozessors von Advanced Micro Devices (AMD) auf den Markt bringen.

In Bezug auf die PC-Komplettsoftware "Java Desktop System" sagte McNealy: "Da sind nur noch wir und Microsoft". Den Großabschluss mit der chinesischen CSSC und die weltweite Support-Vereinbarung mit EDS kommentierte der Sun-Chef mit den Worten: "Das ist wie 8,5 auf der Richter-Skala." Sun vertraue weiter auf seine Mission als Netzcomputer-Anbieter. Eine wichtige Rolle spiele hierbei Java, auf Basis dessen inzwischen drei Millionen Entwickler weltweit arbeiteten. Das sei ein Sieg über Microsoft, speziell im Bereich Web-Services. "Draußen hat man nur die Wahl zwischen .Net und Java. Ich stehe hier, um Ihnen zu sagen, dass Java-Web-Services gewonnen haben." Weitere Schelte für Microsoft gab es in Sachen Sicherheit. "Wann haben Sie zuletzt einen Java-Virus gesehen?" fragte McNealy.

Die Begeisterung im Publikum hielt sich indes in Grenzen. "Ich habe nichts Neues erfahren", gestand etwa Carlos Loureiro, CTO des portugiesischen ERP-Anbieters Audaxys. "Aber es war gut, ihre Strategie zu hören." Wenn Vertrauen eine Strategie ist, dann ist Scott McNealy jedenfalls gut vorbereitet. "Sun ist zurück", kündigte er zum dritten Mal binnen einer Stunde an. "Habe ich übrigens erwähnt, dass wir billiger sind als Dell?" (tc)