Marktanteil der Importeure wachsen schneller:

McKinsey kritisiert englische DV-Firmen

29.07.1988

LONDON (vwd) - Die britische DV- und Elektronikindustrie verliert im eigenen Land immer mehr an Rückhalt. Dies behauptet das Consulting-Unternehmen McKinsey in einer Studie für Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber. Der Computerhersteller ICL fühlt sich jedoch ebensowenig getroffen wie der Elektronik-Konzern Plessey.

Für das National Economic Development Office (Nedo) - einen Ausschuß, der eine Grundlage für Diskussionen zwischen der Regierung Thatcher und den Tarifparteien erarbeitet - waren die Ergebnisse der McKinsey-Untersuchung so alarmierend, daß sofort eine Aktionsgruppe eingesetzt wurde. Der Marktanteil der einheimischen Elektronikindustrie wird nämlich, wenn die Aussagen des Berichts zutreffen sollten, in drei Jahren gegenüber dem Stand von vor 15 Jahren bis auf die Hälfte zusammengeschrumpft sein.

Bei einem jährlichen Marktwachstum von real 9,4 Prozent hätten sich ICL/STC, Plessey, GEC, Thorn und British Aerospace so schlecht entwickelt, daß die Briten insgesamt nur 2,6 Prozent zulegten. Nur Ferranti, Racal und Logica wiesen Zuwachsraten auf, die denen der ausländischen Konkurrenz entsprächen. Die japanische und amerikanische Konkurrenz kommt in der Studie mit Steigerungen um 7,6 beziehungsweise 6,6 Prozent besser weg, bleibt aber gleichwohl hinter dem Marktwachstum zurück. Zahlen über Importerfolge anderer fernöstlicher Länder sowie der EG-Staaten wurden allerdings nicht veröffentlicht.

Die McKinsey-Berater sparen nicht mit Verbesserungsvorschlägen. Als Vorbilder führen sie Konzerne wie DEC, NEC und Sony an, deren Chefstrategen "visionäre Eigenschaften" hätten. Das dezentralisierte Management von englischen Firmen wie Plessey, Ferranti und Racal behindere hingegen deren Expansion, Die Briten seien auch unfähig, ihre Aktivitäten weltweit zu organisieren. Statt dessen konzentrierten sie sich auf langsam wachsende Märkte wie Telekommunikation und Rüstung.

Wie der Rüstungskonzern Plessey, der die McKinsey-Angaben als massive Verallgemeinerung zurückwies, widersprach auch die STC Plc., zu der die Computerfirma ICL gehört, dem Report. So seien bereits Schritte unternommen worden, die internationale Präsenz des Unternehmens auszubauen und mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren.