"Ich bin total pleite"

McAfee zurück in USA

14.12.2012
Die mysteriöse Flucht des US-Multimillionärs John McAfee nach einem Mordfall in Belize ist um eine Episode reicher. Von den guatemaltekischen Behörden ausgewiesen, ist er nun wieder in den USA.
John McAfee, porträtiert vom Comic-Zeichner Chad Essley
John McAfee, porträtiert vom Comic-Zeichner Chad Essley
Foto: whoismcafee.com

Der amerikanische Software-Pionier John McAfee ist nach seiner Ausweisung aus Guatemala zurück in den USA. Der 67-Jährige verbrachte die erste Nacht in einem Hotel in South Beach, einem feudalen Stadtteil von Miami in Florida. Dem Sender ABC sagte der Computerviren-Spezialist nach der Landung mit einer Linienmaschine am Mittwochabend, er sei total pleite. "Ich habe nichts mehr." Er habe alles in Belize zurückgelassen, darunter 20 Millionen in Investments und ungefähr 15 Immobilien, zitierte der Sender den 67-jährigen weiter.

McAfee war aus dem mittelamerikanischen Belize ins benachbarte Guatemala geflohen, nachdem die Polizei ihn im Zusammenhang mit einem Mordfall befragen wollte. Guatemala wies ihn in die USA aus. Wie es nun mit ihm weitergeht, war unklar. McAfee hatte gesagt, dass er bereit sei, zum gewaltsamen Tod seines Nachbarn in Belize vernommen zu werden, aber nur von den US-Behörden.

Medienberichten zufolge nahmen Bundesbeamte McAfee gleich nach der Landung in Empfang. Danach sei er in ein Taxi zum Hotel gesetzt worden. Kurz nach seiner Ankunft schrieb McAfee in seinem Blog, dass er in South Beach sei, wie der Sender CNN meldete. Dieser Eintrag sei dann aber wieder entfernt und durch eine Bitte an die Medien ersetzt worden, seine Privatsphäre zu achten.

Hintergrund der obskuren Odyssee des Multimillionärs ist der Mord an seinem Nachbarn in Belize. Gregory Faull, wie McAfee ein Amerikaner, war Anfang November erschossen auf seinem Grundstück auf der Insel Ambergris Caye entdeckt worden, kurz nachdem er sich über Hunde und Wachleute auf dem McAfee-Grundstück beschwert hatte. Als die Polizei den Anti-Viren-Pionier dazu befragen wollte, war dieser untergetaucht und mit seiner 20 Jahre alten Freundin nach Guatemala geflüchtet. Dort wurde er wegen illegaler Einreise festgenommen.

McAfee, der mit dem Verkauf seiner gleichnamigen Anti-Viren-Softwarefirma ein Millionenvermögen gemacht hat, beteuert seine Unschuld. Er hatte in Guatemala einen Asylantrag gestellt. Als Grund gab er an, um sein Leben fürchten zu müssen, da er das nach seinen Aussagen korrupte System in Belize nicht weiter mit Geld schmieren wolle.

"Sie haben mich aus der Zelle geholt und in ein verdammtes Flugzeug gesetzt", sagte McAfee noch vor Abflug aus Guatemala-Stadt dem Sender ABC. Er habe keine Wahl gehabt. Jedoch seien die Behörden des mittelamerikanischen Landes auch "nett" zu ihm gewesen. "Es war die freundlichste Ausweisung, die ich je erlebt habe. Verglichen mit meinen beiden Ex-Frauen, die mich rausgeschmissen haben, ist dies kein schrecklicher Trip." (dpa/tc)