Young Talents Award 2013

MBA-Stipendium für Führungsnachwuchs

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Nicht nur ein guter IT-Manager, sondern ein guter General Manager zu sein - unter dieses Motto stellt Martin Thron seine berufliche Zukunft. Er und Ron Müller-Knoche sind die aktuellen Gewinner des "CIO Young Talent Award". Ein Gespräch über die Pläne nach dem Stipendium an der WHU Otto Beisheim School of Management.

Champagner perlt in hohen Gläsern. Damen in eleganten Kleidern und Herren in dunklen Anzügen streifen durch den Raum, grüßen Bekannte und vertiefen sich in Gespräche. Im gedämpften Licht des Hotels Bayerischer Hof in München strahlen an diesem Abend zwei junge Männer ganz besonders: Martin Thron und Ron Müller-Knoche. Sie sind die Gewinner des „CIO Young Talent Award" beim „CIO des Jahres", den die Magazine CIO und COMPUTERWOCHE küren.

Thron und Müller-Knoche erhalten nun Stipendien für ein berufsbegleitendes MBA-Studium an der WHU Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf. Zwei Jahre lang werden sie dort lernen, was es zu einem General Manager braucht.

CIOs können Nachwuchskräfte vorschlagen

Diese von der CIO-Stiftung geförderten Stipendien sind eine Antwort auf die Klage über den Fachkräftemangel. Konkret: IT-Entscheider, denen begabte junge Mitarbeiter auffallen, können diese für den „CIO Young Talent Award" vorschlagen. Ein Weg, gute Mitarbeiter im Unternehmen selbst aufzubauen, statt vergeblich nach geeigneten Bewerbern zu suchen.

So war es auch bei Martin Thron, der bei SMA Solar Technology in Niestetal (bei Kassel) arbeitet. „Nach meinem Diplom in Wirtschaftsinformatik, dem Durchlaufen des eineinhalbjährigen Entwicklungsprogramms für Ingenieure bei SMA und meiner praktischen Erfahrung im Management war für mich klar, dass ich mein Wissen über allgemeines Management weiter vertiefen möchte", erzählt er. Ein Studium an der WHU hatte der 30-Jährige dabei ohnehin im Blick - und diskutierte das mit seinem Vorgesetzten. Der wiederum dachte sich gleich, er könne Thron für den „CIO Young Talent Award" vorschlagen.

Strahlender Gewinner: Martin Thron von SMA (Mitte) freut sich über den Gewinn des CIO Young Talent Award 2013. Überreicht wird der Preis durch Michael Schulte von Capgemini (li.) und COMPUTERWOCHE-Verlagsleiter Michael Beilfuß (re.).
Strahlender Gewinner: Martin Thron von SMA (Mitte) freut sich über den Gewinn des CIO Young Talent Award 2013. Überreicht wird der Preis durch Michael Schulte von Capgemini (li.) und COMPUTERWOCHE-Verlagsleiter Michael Beilfuß (re.).

Denn Gerald Höhne, der scheidende CIO von SMA Solar, hat sich die Förderung der Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben. Höhne versteht sich als Teamplayer und legt auf eine enge Verzahnung von IT und Business wert. In dieses Horn stößt auch Thron: „Mein Ziel ist es, nicht nur ein guter IT-Manager, sondern ein guter General Manager zu sein", sagt der Stipendiat.

Thron hat bei SMA Solar bereits einige Projekte geleitet. So baute er unter anderem 2010 ein Operations Center auf und führte 2011 einen an der IT Infrastructure Library (ITIL) angelehnten Change durch. 2012 leitete er den IT-seitigen Aufbau internationaler Niederlassungen. „Ich sorge für ein gutes und gleiches Verständnis der Ziele, Motivation und eine Kultur, die offen für Kritik und Veränderungen ist", beschreibt er seinen Führungsstil. Er ist sich daher sicher, auch Non-IT-Abteilungen leiten zu können.

Der Fokus der WHU auf die Entwicklung von Führungsfähigkeiten reizt auch Ron Müller-Knoche. Der diplomierte Wirtschaftsinformatiker, Kaufmann und Volkswirt arbeitet bei dem Nürnberger Berater Rödl & Partner. Sein Chef, Group CIO Ingo Wolf, gab ihm den Tipp zur Bewerbung um den Young Talent Award. Wolf war der Einsatz seines jungen Mitarbeiters bei der Neuausrichtung und Umstrukturierung der Unternehmens-IT in den vergangenen zwei Jahren aufgefallen. So hat sich Müller-Knoche bei der Globalisierung und Standardisierung der weltweiten Hard- und Software-Verträge und beim Aufbau des Anwendungs-Managements seine ersten Sporen verdient. Der 33-Jährige selbst bezeichnet sich als Teamplayer, der über den Tellerrand blickt und Themen in ihrer Gesamtheit erfasst.

Ron Müller-Knoche vom Beratungshaus Rödl & Partner ist einer der Gewinner des Young Talent Award 2013, den die COMPUTERWOCHE gemeinsam mit der WHU Otto Beisheim School of Management jährlich auslobt.
Ron Müller-Knoche vom Beratungshaus Rödl & Partner ist einer der Gewinner des Young Talent Award 2013, den die COMPUTERWOCHE gemeinsam mit der WHU Otto Beisheim School of Management jährlich auslobt.
Foto: Privat

Rückhalt von der Freundin

Auf beide Preisträger kommt nun die Doppelbelastung aus Arbeit und Studium zu. Sie werden zwei Jahre lang nach Düsseldorf zur WHU pendeln. „Viele Freunde und Kollegen haben mich gefragt, ob ich von einer Vollzeit- nicht auf eine Halbtagesstelle wechseln möchte", berichtet Thron. Doch das kommt für ihn nicht in Frage: „Ich möchte so viele praktische Erfahrung wie möglich während des Studiums sammeln, weswegen ich bewusst darauf verzichtet habe", sagt er. Vorab aber hat er seine Entscheidung mit Familie und Freunden besprochen. Diese und auch seine Freundin sichern ihm Rückhalt zu.

Müller-Knoche sieht es pragmatisch: „Die Zeit im Zug lässt sich hervorragend zum Lernen nutzen", sagt er. Den sportlichen Ausgleich zu Büro und Hörsaal holt er sich beim Fitness-Training - und ist nun zu einem überregionalen Studio gewechselt, damit er auch in Düsseldorf schwitzen kann.

Beide Nachwuchsführungskräfte strahlen Optimismus aus. Müller-Knoches Team wird im kommenden Jahr wachsen. Dabei werde er ganz direkt von den Lehrinhalten der WHU profitieren, ist er überzeugt. „Langfristig interessiert mich natürlich der weitere Aufstieg im Management", sagt er. Und Thron fügt an: „Wenn man sich die ITK-Branche und deren anhaltendes Wachstum anschaut, wird schnell klar, dass IT immer wichtiger wird." Dabei ist SMA Solar das beste Beispiel für den Wandel von der Elektrotechnik zu IT-lastigeren Produkten. Hat das Unternehmen früher vor allem effiziente Wechselrichter erstellt, beschäftigt es sich nun mit Energie-Management-Systemen. Auch jenseits des Arbeitslebens gehöre die Zukunft der IT, sagt Thron: „Die IT hält zunehmend Einzug in das Alltagsleben, man schaue sich nur an, wie gut selbst Kleinkinder mit einem iPad umgehen können."