Neue Amazon-Prime-Serie "Wanted"

Matthias Schweighöfer goes Streaming

09.02.2016
Matthias Schweighöfer wird zum kreativen Kopf hinter einer TV-Serie - einem "Showrunner", wie das in der amerikanischen Fernsehindustrie heißt. Als Plattform dient kein traditioneller Sender - sondern Amazons Streaming-Plattform.

In den USA setzt Amazon für seinen Video-Dienst auf Altmeister wie Woody Allen, für den größten Streaming-Konkurrenten Netflix drehen unter anderem Adam Sandler und Angelina Jolie. In Deutschland soll Matthias Schweighöfer nun mit einer eigenen Serie namens "Wanted" die Zuschauer zum Streaming locken. Die großen Namen sind der Beleg für einen tiefgreifenden Wandel in der TV-Branche: Die neuen Streaming-Dienste, die gegen eine Abo-Gebühr Filme und Serien über die Internet-Leitung auf den TV bringen, gewinnen schnell an Gewicht. Allerdings betritt Amazon mit der ersten Serie, die in Deutschland exklusiv für den Video-Dienst des Online-Händlers produziert wird, Neuland. Kino-Star Schweighöfer ("Keinohrhasen", "Kokowäääh 2") ist kreativer Kopf hinter "Wanted" - und fungiert als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller.

Matthias Schweighöfer soll als Star der neuen Amazon-Serie "Wanted" die deutschen TV-Liebhaber fürs Streaming begeistern.
Matthias Schweighöfer soll als Star der neuen Amazon-Serie "Wanted" die deutschen TV-Liebhaber fürs Streaming begeistern.
Foto: Amazon

Neue Schweighöfer-Serie: Hacker-Thriller im US-Stil?

Das Projekt "würde mit einem Fernsehsender einfach nicht funktionieren", sagt der 34-jährige Schauspieler nach der Ankündigung des TV-Projekts in Berlin. "Weil es auch ein sehr harter Stoff ist. Da darf kein Redakteur ran und sagen, wir müssen das jetzt hier redaktionell beschneiden." Schweighöfer spielt in der Serie mit dem auslandstauglichen Namen einen Mann, dessen Existenz nach einem Hacker-Angriff aus den Fugen gerät. Zunächst hat er sechs einstündige Folgen, um den Schuldigen zu finden. Schweighöfer als "Showrunner" verspricht: "es wird definitiv mehr US-Thriller als "Tatort". Eine weitere Staffel sei durchaus möglich.

Mit der ersten Serie aus deutscher Produktion überholt Amazon den Konkurrenten Netflix, der schon seit dem Deutschland-Start im Herbst 2014 von ähnlichen Plänen spricht. "Wir sehen uns nach einer Sendung um, haben aber noch nicht das Richtige gefunden", sagte Netflix-Chef Reed Hastings noch im Januar. Ob Krimi oder Komödie - Netflix sei für alle Genres offen. Das Vorpreschen von Amazon dürfte diese Spanne jetzt etwas eingeengt haben.

Streaming-Anbieter vs. TV-Sender: Kampf um neue Produktionen

Die Streaming-Dienste bedienten sich anfangs aus dem großen Pool der Inhalte von TV-Sendern und wirkten entsprechend austauschbar. Doch inzwischen setzen Netflix und Amazon massiv auf exklusive Inhalte, um sich deutlicher voneinander abzuheben - und um die Abo-Gebühr zu rechtfertigen. Dabei suchen die neuen Player mit ihren milliardenschweren Kassen eine schnelle Entscheidung über den Preis. "Wir müssen mehr fürs Geld bieten", sagt Hastings. "Wenn wir nur genauso viel bieten, werden sie keine Deals mit uns machen."

Zuletzt zählten die beiden Streaming-Anbieter zu den aktivsten Käufern beim Sundance Film-Festival, auf dem neue Produktionen gehandelt werden. Die TV-Sender müssen sich teilweise bereits zusammenschließen, um finanziell mithalten zu können. Die Exklusiv-Offensive schlägt sich inzwischen auch in Auszeichnungen nieder: Amazons "Transparent" - die Geschichte eines Familienvaters, der sich als transsexuell outet - gewann als erste Streaming-Produktion einen Golden Globe in der Kategorie "beste Serie". Inzwischen haben beide Anbieter diverse Auszeichnungen im Regal stehen.

Netflix & Amazon: Analytics statt Quoten

Streaming bietet eine im TV-Geschäft bisher einmalige Möglichkeit, den Erfolg einer Sendung zu messen. Während sich Sender auf Quoten, Zielgruppen-Forschung und Umfragen verlassen müssen, haben Netflix und Amazon direkten Einblick in das Verhalten ihrer User - anonym, wie stets betont wird. "Wir wissen, wie oft welche Folge angesehen wurde, wann man wegschaltet, an welchem Punkt die Leute eine Serie aufgeben oder sich nicht mehr von ihr lösen können", sagt Netflix-Produktchef Neil Hunt. Die Daten-Analyse werde neben dem unverzichtbaren Bauchgefühl auch bei Produktions-Entscheidungen berücksichtigt. "Wir sehen sofort, ob etwas erfolgreich ist", sagt auch der Deutschland-Chef von Amazon Video, Christoph Schneider.

Ob die Eigenproduktionen unterdessen ihre Rolle als Zuschauer-Magnet erfüllen, wissen mit Sicherheit nur die Anbieter selbst. Laut einer Untersuchung der Finanzfirma RBC Capital Markets erklärte in den USA gut die Hälfte der Nutzer, der Zugang zu Exklusiv-Inhalten habe ihre Entscheidung für ein Netflix-Abo nicht beeinflusst. (dpa/fm)