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Marktforscher verschieben den Aufschwung

09.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach Ansicht von Analysten wird sich die Investitionszurückhaltung von IT-Entscheidern auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen - wenn nicht sogar steigern. So geht etwa John McKinley, CTO (Chief Technology Officer) der Investmentbank Merrill Lynch davon aus, dass die IT-Ausgaben im zweiten Halbjahr 2002 gegenüber den ersten sechs Monaten um ein bis zwei Prozent sinken. Stephen Minton, Program Director bei dem Marktforschungsunternehmen IDC, ist der Meinung, dass die Unternehmen erst dann wieder mehr Geld für IT-Anschaffungen locker machen, wenn sich die Geschäftsergebnisse über mehrere Quartale hinweg signifikant verbessern. Derzeit seien die Unternehmen sich noch nicht sicher, ob die Krise endgültig überwunden ist, argumentiert Minton. Als Konsequenz würden die CIOs aktuell ihre IT- Ausgaben stärker als bisher

kontrollieren und dabei selbst das bereits bewilligte Budget nicht komplett ausschöpfen.

IDC prognostizierte Anfang des Jahres einen Zuwachs bei den IT-Ausgaben um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, senkte diesen aber vor kurzem auf 3,1 Prozent. Selbst damit sind die Auguren aus Framingham, Massachusetts, weit optimistischer als etwa Gartner oder Merrill Lynch. So geht Gartner von einem Wachstum von 1,5 Prozent aus, Merrill Lynch erwartet für 2002 sogar eine Nullrunde, da die meisten Firmen nicht in der Lage seien, sich große Anschaffungen zu leisten. Steven Milunovich, Analyst der New Yorker Investmentbank, rechnet frühestens in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres mit einem signifikanten Anstieg der IT-Ausgaben, insgesamt soll die Summe um drei bis fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen.

Während Gartner für 2003 sogar von einem noch niedrigeren Anstieg ausgeht, erwarten die Optimisten von IDC einen Zuwachs um neun Prozent. IDC-Analyst Minton erklärte, die IT-Investitionen seien seit den späten 90er-Jahren ins Jahr 2000 jährlich im zweistelligen Bereich gewachsen. Nach dem vorübergehenden Einbruch im vergangenen Jahr werde die IT-Industrie daher wieder ihren Wachstumskurs fortsetzen. (mb)